Bitcoin notiert am Donnerstagmorgen bei 74.348 US-Dollar und damit 1,9 Prozent tiefer als vor 24 Stunden. Gleichzeitig ziehen institutionelle Anleger massiv Kapital aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs ab. Diese hatten zuletzt wie ein permanenter Nachfrage-Motor funktioniert. Größere Verkäufe konnten oft aufgefangen werden, weil institutionelles Kapital kontinuierlich neues Geld in Bitcoin brachte.
Der wichtigste Indikator dieser Woche kommt von CryptoQuant: der sogenannte „Apparent Demand“. Vereinfacht gesagt misst die Kennzahl, ob genügend neues Kapital in den Markt fließt, um das zusätzliche Bitcoin-Angebot aufzunehmen. Aktuell liegt der Wert bei rund minus 147.000 Bitcoin. Das ist der schwächste Stand im laufenden Jahr.

Diese Entwicklung sorgt für Nervosität am Markt. Denn gleichzeitig gehen viele Trader weiterhin davon aus, dass die Kurse steigen werden. Entsprechend werden Long-Positionen aufgebaut, obwohl das Handelsvolumen am Spotmarkt einbricht.
Die nackten Zahlen: Seit Oktober 2025 ist das Spotvolumen laut CryptoQuant um 81 Prozent gefallen. Auf Binance sank das Volumen im selben Zeitraum von rund 198 Milliarden auf 36 Milliarden US-Dollar.
Für den Markt ist das ein enormes Problem. Denn mit schwacher Nachfrage reagiert dieser deutlich empfindlicher auf zusätzlichen Verkaufsdruck. Solange genügend Kapital nachkommt, können größere Verkäufe oft problemlos absorbiert werden. Fehlt dieses Kapital jedoch, reichen häufig schon kleinere Verkäufe aus, um deutliche Kursbewegungen auszulösen. Genau dieses Muster zeigt sich derzeit bei Bitcoin.
Ein weiteres Sorgenkind: die US-Spot-Bitcoin-ETFs. Bei den Indexfonds wird die Lage zunehmend kritischer.
Am 27. Mai zogen Anleger rund 738 Millionen US-Dollar aus den ETFs ab. Gerade einmal vier Millionen US-Dollar an Inflows konnten die Finanzprodukte vereinnahmen. Letztlich blieb damit ein Nettoabfluss von 733 Millionen US-Dollar.

Damit schlossen die BTC ETFs bereits den sechsten Handelstag in Folge im negativen Bereich. Seit Mitte Mai summieren sich die Abflüsse auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar.
Waren es in den letzten Monaten vor allem BlackRock und Fidelity, die den Markt durch hohe Zuflüsse stabilisieren konnten, hat sich diese Entwicklung nun umgekehrt. Dem Krypto-Markt bricht plötzlich damit eine wichtige Stütze weg. Bitcoin reagiert nun deutlich empfindlicher auf neue Verkaufswellen.
Diese Entwicklungen treffen vor allem Trader, die kurzfristig auf steigende Kurse setzten – und vom Markt gnadenlos abgestraft wurden. Denn wie Liquidationsdaten zeigen, wurden in der Nacht zum 28. Mai Long-Positionen im Wert von rund 159 Millionen US-Dollar vernichtet. Short-Positionen waren dagegen kaum betroffen.

Der Vorgang zeigt, das Fiasko wäre für viele Anleger wahrscheinlich vermeidbar gewesen. Denn bereits im Vorfeld hatte sich ein solches Szenario in den On-Chain-Daten abgezeichnet. So rechneten einige Trader mit steigenden Kursen, obwohl die Kapitalzuflüsse bereits deutlich nachgelassen hatten.
Mit dem jüngsten Rückgang hat sich diese Schieflage schnell aufgelöst. Solche Liquidationen verstärken Abwärtsbewegungen oft zusätzlich. Werden gehebelte Long-Positionen geschlossen, erhöht das kurzfristig den Verkaufsdruck am Markt weiter.
Doch bei all der negativen Entwicklung, geben die Daten auch Grund zur Hoffnung. Denn das eingebrochene Handelsvolumen lässt sich auch anders lesen.
So verweist der CryptoQuant-Analyst “Darkfost” darauf, dass stark fallende Spotvolumina in früheren Marktphasen häufig nahe wichtiger Tiefpunkte aufgetreten sind. Mit sinkender Aktivität nimmt oft auch der aggressive Verkaufsdruck ab, weil weniger Marktteilnehmer aktiv verkaufen.

Ein ähnliches Muster hatte sich bereits 2023 gezeigt. Damals fielen die Volumina auf vergleichbare Niveaus, bevor sich Bitcoin stabilisierte und wieder Aufwärtsdynamik aufbaute. Ob sich dieses Muster erneut wiederholt, bleibt offen. Viel hängt nun davon ab, ob die ETF-Abflüsse nachlassen und wieder frisches Kapital in den Markt fließt.
Für eine Stabilisierung braucht Bitcoin vor allem eins: neue Käufer.
Bleiben die ETF-Zuflüsse schwach und das Spotvolumen niedrig, dürfte der Verkaufsdruck weiter hoch bleiben. Vor allem die Zone unterhalb von 74.000 US-Dollar rückt nun stärker in den Fokus vieler Trader. Manche fürchten sogar, dass die Tiefs aus dem Februar bei 60.000 US-Dollar getestet werden könnten.
Zusätzlicher Druck kommt weiterhin von der Makroseite. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen, ein starker US-Dollar und Umschichtungen großer Investoren belasten derzeit vor allem risikoreiche Anlageklassen wie Bitcoin.
Entscheidend für einen neuen Aufschwung wäre die Rückkehr der institutionellen Anleger. Erst dann dürfte sich der Verkaufsdruck spürbar abschwächen. Bis dahin bleibt Bitcoin vor allem eines: hoch volatil.
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