FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Aktien der deutschen Rüstungswerte haben ihre Talfahrt am Donnerstag fortgesetzt. Die Papiere von Rheinmetall (Rheinmetall Aktie) sanken um 2,3 Prozent auf 927,50 Euro, nachdem sie tags zuvor nach einem von der Bundesregierung gestrichenen Fregattenkauf im Milliardenvolumen um fast 19 Prozent auf den tiefsten Stand seit Februar 2025 eingebrochen waren. Sie unterschritten am Donnerstag ihr Vortagstief.
Für dich zusammengefasst:
Die Aktien deutscher Rüstungswerte fallen weiter.
Rheinmetall-Aktien sanken um 2,3 Prozent auf 927,50 Euro.
Der Börsenwert von Rheinmetall fiel um 10 Milliarden Euro.
Die Anteilsscheine von Renk und Hensoldt verbuchten Kursabschläge zwischen 1,4 und 4,9 Prozent. Die Titel von TKMS sackten um 5,5 Prozent ab, was in erster Linie aber auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen sein sollte. Denn am Mittwoch waren sie um 16 Prozent nach oben geschnellt, nachdem bekannt geworden war, dass der Fregatten-Auftrag des Bundes von Rheinmetall an den Schiffs- und U-Boot-Hersteller gehen dürfte.
Die Marktkapitalisierung von Rheinmetall war am Mittwoch um gut 10 Milliarden auf 44 Milliarden Euro gefallen. Der Rückgang des Börsenwerts hatte damit den erwarteten Gewinnbeitrag des stornierten Auftrags um ein Vielfaches übertroffen. Viele Analysten, darunter Charles Armitage von der US-Bank Citigroup, bezeichneten den massiven Kursrutsch als Überreaktion.
Seine Kollegin Chloe Lemarie vom Analysehaus Jefferies schrieb in einem Kommentar am Donnerstag: Dass die Aktie deutlich mehr verloren habe als der erwartete Gewinnbeitrag des Auftrags, unterstreiche den Vertrauensverlust der Anleger. Sie bestätigte dennoch ihre Kaufempfehlung für die Aktie, senkte aber das Kursziel um fast ein Drittel auf 1.300 Euro.
Marie-Ange Riggio von der US-Investmentbank Morgan Stanley, die in der Analystenriege mit dem Kursziel von 2.500 Euro am optimistischsten war, reduzierte es auf 1.750 Euro. Sie sieht die Aktie zudem nicht mehr als Branchenfavorit. Der Verlust des Auftrags hinterlasse einen Vertrauensschaden in die Beschaffungsoffensive der Bundeswehr, betonte die Expertin. Den Kursrückschlag am Vortag bezeichnete aber auch sie als übertrieben.
Der verlorene Deal mit den Fregatten vom Typ F-126 "tut weh, ist aber kein Schiffbruch", schrieb dagegen DZ-Bank-Analyst Holger Schmidt. Der operative Gewinn des Auftrags hätte insgesamt nur rund 1,5 Milliarden Euro betragen und das über viele Jahre gestreckt. Er sieht allerdings einen Rückschlag für die Ambitionen im Marine-Geschäft.
Jefferies-Expertin Lemarie hält das Vertrauen in die deutsche Beschaffungspolitik mit der gestrichenen Rheinmetall-Bestellung insgesamt für erschüttert. Auf Renk könne sich dies aber neutral bis leicht positiv auswirken, da Deutschland stattdessen wahrscheinlich die TKMS-Fregatte Meko A-200 beschaffen werde, in dem ebenfalls ein Getriebe von Renk verbaut sei, schrieb sie. Hensoldt dürfte das stornierte F126-Programm hingegen wehtun, da die Fregatte dafür wohl Radargeräte geliefert hätte. Der Auftragswert hätte ihrer Einschätzung nach bei rund 200 Millionen Euro gelegen.
Auch Analyst Jens-Peter Rieck vom Analysehaus MWB Research erwähnte Chancen für Renk wegen der Beteiligung an der Meko-Fregattenserie von TKMS. Er stufte die Aktien des Getriebeherstellers von "Hold" auf "Buy" hoch, da die Papiere vom verlorenen Rheinmetall-Auftrag zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Er sieht in der Folge davon nur begrenzte Auswirkungen bei Renk./edh/tih/jha/
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