Krypto-Winter mitten im Sommer: Bitcoin-ETFs bluten aus
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert
Nicolas Ebert steht für kompakte Nachrichten mit einem sicheren Gespür für relevante Marktthemen. Nach über 6 Jahren für wallstreetONLINE und ariva.de im Einsatz fühlt sich der Berliner in der Finanzwelt wie zu Hause. Seine Inhalte reichen querbeet von Value-Titeln und den Märkten in Asien über die US Big-Techs bis hin zu aktuellen Top-Performern auf dem globalen Börsenparkett. So entstehen informative News, die Anlegern echten Halt geben.
Bitcoin rutscht unter 60.000 US-Dollar, während Anleger Milliarden aus Spot-ETFs abziehen. Experten sehen erste Bodensignale. Sie warnen aber vor einer möglichen Bärenfalle.
Für dich zusammengefasst:
In den letzten 30 Tagen flossen 6,4 Milliarden US-Dollar ab.
Bitcoin fiel unter 60.000 US-Dollar, dem tiefsten Stand seit 2024.
Der realisierte Preis liegt aktuell bei etwa 53.400 US-Dollar.
Der Druck auf Bitcoin nimmt weiter zu. Aus börsengehandelten US-Spot-Bitcoin-ETFs flossen in den vergangenen 30 Tagen netto 6,4 Milliarden US-Dollar ab. Laut Mizuho ist das der größte monatliche Abfluss seit dem Start der Fonds im Jahr 2024.
Auch in dieser Woche zogen Anleger weiter Geld ab. Nach Daten von SoSoValue flossen bislang 651 Millionen US-Dollar aus den Fonds. Gleichzeitig fiel Bitcoin unter 60.000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2024.
Die Kryptowährung leidet
Institutionelle Anleger bauen Risiken ab. Sie reagieren auf den schwächeren Bitcoin-Kurs, Zinssorgen und die allgemeine Unsicherheit an den Märkten. Die Spot-ETFs sind dabei ein einfacher Weg, um schnell Kapital aus Bitcoin abzuziehen.
Zudem konkurriert Bitcoin derzeit mit anderen spekulativen Themen. Künstliche Intelligenz, der Börsengang von SpaceX und Prognosemärkte ziehen viel Kapital und Aufmerksamkeit auf sich. Auch der sogenannte CLARITY Act, ein wichtiger Gesetzentwurf für den Kryptomarkt, könnte sich in den Herbst verschieben. Damit fehlt dem Markt ein möglicher Kurstreiber.
Für zusätzliche Nervosität sorgt Strategy. Der Bitcoin-Treasury-Pionier hatte Anfang Juni eine kleine, aber symbolisch wichtige Menge Bitcoin verkauft. Die Aktie des Unternehmens verlor allein im Juni rund 45 Prozent.
Trotzdem fällt der aktuelle Rückgang weniger brutal aus als in früheren Krypto-Wintern. Seit dem Hoch bei rund 126.000 US-Dollar dauert die Korrektur inzwischen acht Monate. Sam Callahan, Leiter für Bitcoin-Strategie und Forschung bei OranjeBTC, sieht dafür einen Grund. Bitcoin sei heute stärker von institutionellen Anlegern geprägt, sagte er. Dadurch sei der Markt liquider und weniger abhängig von Privatanlegern.
Viele Krypto-Veteranen fragen sich nun, wann aus Panik eine Kaufchance wird. Die Antwort lautet laut Bloomberg häufig: noch nicht. Zwar liegt Bitcoin mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch. Frühere Tiefpunkte bildeten sich aber meist über Monate.
Bruno Ver, früher Bitcoin-Investor und Risikokapitalgeber, erwartet den Boden erst gegen Ende des Sommers. Er hält einen Rückgang auf bis zu 50.000 US-Dollar für möglich, bevor sich eine stabilere Erholung entwickeln kann.
Ein wichtiger Indikator ist der sogenannte realisierte Preis. Er zeigt, zu welchem Durchschnittspreis Anleger ihre Bitcoin gekauft haben. In früheren Bärenmärkten fand Bitcoin in der Nähe dieser Marke oft einen Boden. CryptoQuant schätzt den realisierten Preis aktuell auf etwa 53.400 US-Dollar. Das liegt rund zehn Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Julio Moreno, Forschungsleiter bei CryptoQuant, beobachtet diese Marke genau. Der realisierte Preis habe sich in früheren Bärenmärkten häufig als wichtiger Bodenbereich erwiesen, sagte er. Er rechnet damit, dass Bitcoin seine Bodenbildung zwischen jetzt und September abschließen könnte.
Auch Glassnode sieht Bitcoin in einer möglichen Bodenbildungszone. Zudem zeigt der "Fear and Greed Index" von CoinMarketCap mit 15 extreme Angst am Markt.
Lage bleibt heikel
Mehrere Kennzahlen deuten auf eine Bodenbildungszone hin. Doch Bitcoin bleibt anfällig für neue Abflüsse, Zinssorgen, Regulierung und weiteren Stress rund um Strategy. Der Markt nähert sich möglicherweise einem Wendepunkt. Ob daraus schon das Ende des Bärenmarktes wird, ist aber offen.
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