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12% Monatsrendite mit globalen Immobilien: Warum der AWP-Fonds trotz Kursdruck ein Dauerzahler bleibt

Der Aberdeen Global Premier Properties Fund (Ticker: AWP) lockt mit einer laufenden Ausschüttungsrendite von rund 12 % und unveränderter monatlicher Dividende, steht jedoch wegen schwächelnder Kursperformance und fortgesetzter Rückgänge im Nettoinventarwert (NAV) unter Beobachtung. Der von Seeking Alpha analysierte Closed-End-Fund (CEF) überzeugt durch robuste, global diversifizierte Mieterträge, leidet aber weiter unter den Nachwirkungen der Zinswende und strukturellen Problemen im Immobiliensektor.

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Struktur und Anlageschwerpunkt des AWP-Fonds

AWP ist ein global ausgerichteter Closed-End-Fund, der in börsennotierte Immobilienwerte investiert. Der Schwerpunkt liegt auf Real Estate Investment Trusts (REITs) und immobiliennahen Gesellschaften mit Fokus auf stabile Mietcashflows. Das Portfolio ist breit diversifiziert über Regionen und Subsektoren, darunter Wohnimmobilien, Logistik, Gesundheitsimmobilien, Infrastruktur- und Spezial-REITs. Der Fonds nutzt Leverage, um die Ertragskraft zu steigern, was die Ausschüttungen erhöht, aber die Volatilität des Nettoinventarwerts verstärkt.

Ausschüttungspolitik und Dividendenprofil

AWP zahlt eine konstante monatliche Dividende, die – bezogen auf den aktuellen Kurs – einer Ausschüttungsrendite von etwa 12 % entspricht. Die Dividende wurde über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten, auch in einem schwierigen Immobilienumfeld mit steigenden Zinsen. Die Ausschüttungen setzen sich aus laufenden Erträgen, realisierten Kursgewinnen und – in Phasen schwächerer Ertragslage – auch aus Return of Capital (ROC) zusammen. Letzteres ist steuerlich je nach Anlegerprofil differenziert zu betrachten, kann aber ein Signal sein, dass nicht die gesamten Ausschüttungen durch operative Erträge gedeckt sind.

Bewertung: Abschlag auf den Nettoinventarwert

Der Fonds notiert mit einem signifikanten Abschlag (Discount) auf seinen NAV. Dieser Discount reflektiert sowohl die Skepsis des Marktes gegenüber Immobilienaktien im aktuellen Zinsumfeld als auch spezifische Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der hohen Ausschüttung. Ein dauerhaft hoher Abschlag kann für einkommensorientierte Anleger attraktiv sein, birgt jedoch das Risiko, dass der Markt diesen Abschlag als strukturell gerechtfertigt ansieht, falls NAV und Ertragskraft weiter erodieren.

Performance und NAV-Entwicklung

Die Kursentwicklung von AWP blieb hinter allgemeinen Aktienindizes und teilweise auch hinter breiten Immobilienbenchmarks zurück. Entscheidend ist dabei der Rückgang des NAV über einen mehrjährigen Zeitraum, der auf Bewertungsanpassungen, sektorale Belastungen im Immobilienbereich und die Hebelwirkung des eingesetzten Leverage zurückzuführen ist. Die hohe laufende Ausschüttung konnte diese strukturelle Schwäche der Substanzentwicklung nicht vollständig kompensieren. Anleger mussten – je nach Einstiegszeitpunkt – trotz hoher laufender Erträge eine negative Gesamtperformance („total return“) in Kauf nehmen.

Risiken im aktuellen Zins- und Immobilienumfeld

Die Zinswende hat die Attraktivität von zinssensitiven Anlageklassen wie REITs deutlich geschmälert. Höhere Finanzierungskosten belasten sowohl die Immobiliengesellschaften im Portfolio als auch die Refinanzierung des Fondshebels. Gleichzeitig stehen einzelne Subsektoren – etwa Büroimmobilien – vor strukturellen Herausforderungen durch veränderte Arbeits- und Nutzungsmodelle. Diese Gemengelage erhöht das Risiko weiterer Abwertungen im NAV, falls Mieteinnahmen unter Druck geraten oder Kapitalmarktzugänge erschwert werden.

Chancen: Stabilität der Cashflows und Diversifikation

Dem gegenüber stehen robuste, diversifizierte Mieterträge vieler Portfoliounternehmen, insbesondere in defensiveren Subsektoren wie Wohnen, Logistik, Gesundheitsimmobilien und spezialisierter Infrastruktur. Die globale Streuung des Fonds über verschiedene Länder und Immobilienmärkte reduziert das Klumpenrisiko einzelner nationaler Problemsektoren. Bei einer Stabilisierung oder Lockerung der Geldpolitik könnten zinssensitive Immobilienwerte überproportional profitieren, was AWP – dank seines Discounts – zusätzlichen Hebel auf eine mögliche Erholung bieten würde.

Qualität des Ertrags und Rolle von Return of Capital

Ein zentrales Thema für erfahrene Einkommensanleger ist die Qualität der Ausschüttungen. AWP erzielt einen Teil seiner Dividende aus laufenden Nettoerträgen und realisierten Gewinnen, greift aber auch wiederholt auf Return of Capital zurück. Das kann steuerlich vorteilhaft sein, deutet jedoch darauf hin, dass die operative Ertragskraft des Portfolios allein nicht ausreicht, die aktuelle Ausschüttungshöhe nachhaltig zu tragen. Eine Fortsetzung dieser Praxis über längere Zeiträume kann den NAV schleichend aushöhlen und so die zukünftige Ausschüttungsbasis schwächen.

Management, Leverage und Kostenstruktur

Der Fonds wird von Aberdeen gemanagt, einem etablierten globalen Asset Manager mit ausgewiesener Immobilienkompetenz. Das Management nutzt Leverage, um die Ertragsprofile der Portfoliounternehmen zu verstärken. Diese Strategie erhöht jedoch Zins- und Marktrisiko, insbesondere in Phasen steigender Finanzierungskosten und fallender Immobilienbewertungen. Die Gebührenstruktur des CEF reduziert die Nettoerträge für Anleger zusätzlich und ist bei der Beurteilung der real verfügbaren Ausschüttungsbasis zu berücksichtigen.

Einordnung im Vergleich zu Alternativen

Im Universum der einkommensorientierten Immobilienanlagen positioniert sich AWP als Instrument für Anleger, die eine besonders hohe laufende Ausschüttung und monatlichen Cashflow priorisieren, dabei aber bereit sind, substanzielle Kurs- und NAV-Risiken zu akzeptieren. Im Vergleich zu breiten REIT-ETFs oder weniger gehebelten Vehikeln bietet AWP höhere laufende Erträge, aber auch eine höhere Wahrscheinlichkeit von NAV-Erosion und potenziell dauerhaften Discounts. Für Investoren, die vorrangig Kapitalerhalt und moderates Risiko anstreben, kann dieses Profil als aggressiv einzustufen sein.

Fazit: Handlungsperspektive für konservative Anleger

Für konservative Anleger mit Fokus auf Kapitalerhalt und planbare, nachhaltig erwirtschaftete Erträge ist AWP trotz seines attraktiven, monatlich ausgeschütteten 12%-Income-Profils nur bedingt geeignet. Die Kombination aus hoher Ausschüttungsquote, wiederkehrendem Return of Capital, rückläufigem NAV und Zinsrisiken macht den Fonds zu einem Instrument für einkommensorientierte, aber risikobewusste Investoren mit höherer Risikotoleranz. Wer bereits investiert ist, sollte die NAV-Entwicklung, die Zusammensetzung der Ausschüttung und den Leverage engmaschig überwachen und gegebenenfalls eine schrittweise Reduktion der Position prüfen, falls sich die Substanz weiter abschwächt. Anleger, die neu investieren möchten und einen konservativen Ansatz verfolgen, könnten eher auf diversifizierte, weniger gehebelte REIT-Strategien oder Qualitäts-REITs mit solider Bilanz und moderater, vollständig gedeckter Dividendenrendite ausweichen und AWP – wenn überhaupt – nur als kleine, bewusst risikoreiche Beimischung betrachten.

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