Zum Spiegelartikel - fair geschrieben; wobei man mit der Hubbert Methode, sehr wohl das Datum von Peak seriös bestimmen kann - zugegeben mit einer gewissen ungenauigkeit (Fehler), entsprechend der Qualität der verfügbaren Daten. Das ist absolut gängige wissenschaftliche praxis, eine ungenauigkeit mit anzugeben.
@ rogers:
wenn man die letzten Monate mitverfolgt, wie die Schätzungen zum zukünftigen Angeboot bis 2012, 2015, 2020 nach und nach unten geschätzt werden, dann errinert mich das irgendwie an die Abschreibungen der aktuellen Bankenkrise, die schrittweise nach oben korigiert werden. Die Nachricht ist schlicht so BÖSE (Abschreibungen bei Banken hier; und zukünftiges Öl-Angebot dort) dass man den Märkten und den Menschen die Korrekturen nur schrittweise ZUMUTEN kann.. Besser kann man die Vorgehensweise der IEA nicht beschreiben:
bis mitte 2007 Daueroptimitist
- seit mitte 2007 erste Warnungen, die zuletzt deutlicher wurden und der WEO im Herbst wird ein neuerliche Korrektur der Prognosen bringen. Es wurde auch Zeit, dass die IEA ihre Verwantwortung wahrnimmt.
achja - weil er nicht schlecht ist - hier der spiegel artikel von Rogers im Volltext:
www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,554860-2,00.html
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ÖLRESERVEN
Der Alptraum der Saudis
Preise von 130 Dollar pro Barrel - die Ära des billigen Öls liegt hinter uns. Wann der Gipfel der Förderung erreicht ist, kann zwar niemand wirklich seriös beantworten. Aus Saudi-Arabien kamen nun aber höchst beunruhigende Nachrichten.
Was der saudische Geologe Sadad I. Al-Husseini im Jahr 2000 seinem Ölminister berichtete, gefiel dem gar nicht. Husseini, bei der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco angestellt, hatte die Prognosen der Ölindustrie für künftige Fördermengen schon lange skeptisch betrachtet. Nun lagen die Angaben von etwa 250 wichtigen Ölfeldern vor ihm: der Restölgehalt jeder Lagerstätte und das vermutliche Ende der Förderung. Al-Husseini addierte alle neuen Felder, die die Ölkonzerne in den nächsten Jahrzehnten in Betrieb zu nehmen hofften. Seine Bilanz: Die Daten über die globalen Ölreserven und Fördermengen werden entweder falsch interpretiert oder falsch wiedergegeben.
REUTERS
Eine Bohrinsel in China: Die Abhängigkeit vom Öl zwingt uns, immer weiter zu suchen und immer mehr dafür zu bezahlen
Während gängige Prognosen noch Kurven jährlich steigender Fördermengen anzeigten, ergeben Husseinis Berechnungen eine Abflachung, und zwar schon seit 2004. Genauso alarmierend: Dieses Produktionsplateau werde bestenfalls 15 Jahre anhalten, danach werde die Förderung von konventionellem Öl "allmählich, jedoch irreversibel sinken".
Das war kaum die Art Szenario, wie die Welt es von Saudi Aramco gewohnt war. Der Konzern sitzt auf den weltweit größten erwiesenen Ölreserven – etwa 260 Milliarden Barrel, grob geschätzt ein Fünftel der bekannten Erdölreserven. Und er behauptete immer, Öl werde für viele Jahrzehnte ausreichend vorhanden sein.
ERDÖL: RESERVEN, RESSOURCEN, FÖRDERUNG, RAFFINERIEN
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Husseini verließ Saudi Aramco 2004; heute ist er als Energieberater tätig. Sollte er recht behalten, steht der Welt eine dramatische Wende bevor. Nahrungsmittelproduktion, Transport oder Verteidigung – alles hängt davon ab, dass es genug Öl zu bezahlbaren Preisen gibt.
Husseini war nicht der Erste, der das Gespenst eines sogenannten Peak, eines Maximums und gleichzeitig Wendepunkts in der weltweiten Ölproduktion vorhersah. Für die meisten Geologen ist klar: Wenn die Hälfte der Ölreserven erschöpft ist, wird es immer schwieriger und schließlich unmöglich, jedes Jahr mehr Öl aus dem Boden zu holen. Weltweit werde die Förderung, die von weniger als einer Million Barrel pro Tag im Jahr 1900 auf derzeit etwa 85 Millionen Barrel stets nur gestiegen ist, bald stagnieren. Jedem müsse klar sein: Wenn das förderbare Öl zur Neige gehe, würde die Folge Rezession sein – und Krieg um die letzten Reserven.
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Prognosen, wann der Peak erreicht werde, sind höchst umstritten. Nicht, weil jemand meint, das Öl reiche ewig, sondern weil niemand wirklich weiß, wie viel Öl noch im Boden steckt und wie nah wir dem Wendepunkt der Fördermenge schon sind.
Pessimisten behaupten, dass wir bereits kurz vor dem Maximum stehen oder – wie Husseini sagt – diesen Punkt bereits erreicht haben. Das werde bisher nur von schwankenden Mengen in der täglichen Förderung verdeckt – und wäre eine Erklärung dafür, warum die Rohölpreise jüngst ständig gestiegen sind. Im Frühjahr 2008 haben sie die 110-Dollar-Marke pro Barrel übersprungen und sich binnen zwölf Monaten verdoppelt.
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Die Optimisten bestehen darauf, der Wendepunkt sei noch Jahrzehnten entfernt; die Welt besitze noch viel Öl, das nur entdeckt werden müsse. Außerdem gebe es riesige Reserven an "unkonventionellem" Öl, etwa in Form von Ölsand im Westen Kanadas. Jedesmal, wenn Pessimisten einen "unmittelbar bevorstehenden" Peak voraussagten, habe die Entdeckung eines neuen Ölfelds oder einer neuen Technologie die Ölproduktion wieder steigen lassen. Hierzu passt die Meldung aus dem April dieses Jahres, nach der vor der Atlantikküste Brasiliens nahe bei São Paulo eine gigantische Lagerstätte entdeckt wurde, vielleicht die drittgrößte der Welt, soweit man sie bisher kennt. Andere Branchenexperten argumentieren, die gegenwärtigen hohen Preise seien ein vorübergehendes Phänomen, Ergebnis technischer Engpässe und stark steigender Nachfrage aus China und Indien. "Der Bedarf wird sogar sinken, ehe das Öl versiegt", ließ Anfang des Jahres der Konzern BP verkünden.
Gewöhnlich veranlassen höhere Preise die Ölkonzerne zu Investitionen in neue Explorationstechnologien und zu vermehrten Bemühungen um schwerer zugängliche Ölfelder. Der Preisanstieg, der zum Beispiel auf den Iran-Irak-Krieg in den achtziger Jahren folgte, bewirkte so große Neufunde, dass die Märkte zeitweilig mit billigem Öl überschwemmt wurden. Doch in den vergangenen Jahren bewegte sich die weltweite Förderung trotz ständig steigender Preise immer um 85 Millionen Barrel pro Tag. Genau die Menge, die Husseini als Maximum vorhergesagt hatte. Im vergangenen Herbst veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) allerdings eine Prognose, der zufolge die weltweite Ölnachfrage bis zum Jahr 2030 sogar noch um mehr als ein Drittel auf 116 Millionen Barrel pro Tag steigen werde. Danach äußerten selbst mehrere Vorstände von Ölkonzernen Zweifel, ob die Förderung damit Schritt halten könnte.
Christophe de Margerie, Chef des französischen Unternehmens Total, erklärte, im besten Fall liege die maximale Tagesförderung bei 100 Millionen Barrel. Noch vor 2020 könnte die Nachfrage größer sein als das Angebot. Diese Schwelle sieht Jeroen van der Veer, der Chef von Royal Dutch Shell, fünf Jahre früher erreicht: "Nach 2015 wird das Angebot an leicht zugänglichem Öl und Gas nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten." Im April schlugen die Russen Alarm: Der Ölkonzern Lukoil gab bekannt, man fürchte, das Maximum der täglichen Fördermenge – knapp zehn Millionen Barrel – schon jetzt erreicht zu haben.
Die Fördermenge wird aber nicht allein durch geologische oder technische Probleme begrenzt. Die Haupthindernisse für eine steigende Förderung sind nach Ansicht der Konzernbosse politischer und wirtschaftlicher Art. Unter dem vom Krieg zerrissenen Irak sollen riesige Ölreserven liegen, doch das Land fördert nur ein Fünftel der Menge, die Saudi-Arabien produziert. In Ländern wie Venezuela und Russland sehen sich ausländische Ölfirmen zunehmend schärferen Gesetzen gegenüber, die ihre Möglichkeiten beschränken, neue Bohranlagen einzurichten. "Mittelfristig stellt sich nicht die Frage, ob es förderbares Öl gibt", sagt Edward Morse, ein ehemaliger Ölexperte des amerikanischen Außenministeriums, "sondern wie man politische Hürden auf dem Weg zu seiner Förderung überwinden kann."
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Trotzdem können auch die Optimisten nicht bestreiten, dass allmählich physikalische Grenzen drohen. Man kann Öl erst aus dem Boden pumpen, wenn man es aufgespürt hat. Der Umfang der jährlichen Neufunde ist jedoch seit den frühen sechziger Jahren beständig zurückgegangen, trotz gewaltiger Fortschritte in der Suchtechnologie. Ein Grund für die geringeren Erfolge ist offensichtlich: Die meisten der großen, leicht lokalisierbaren Felder wurden vor Jahrzehnten gefunden. Ob die im Frühjahr neu entdeckte brasilianische Lagerstätte wirklich 33 Milliarden Barrel enthält, wie erste Schätzungen lauteten, muss erst noch bestätigt werden. Es gibt zwar mehr kleinere Felder, aber sie sind schwerer zu finden, und man braucht viele davon, um die gleiche Menge Öl fördern zu können wie aus einer großen Lagerstätte.
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www.national- geographic.deKleinere Felder sind auch kostenaufwendiger. Auf der Erde gibt es unzählige kleine Ölfelder ", sagt Matt Simmons, ein Investmentbanker und Ölexperte aus Houston in Texas. "Das Problem ist: Man braucht auch unzählige Bohrtürme, um an alle ranzukommen." Dieses Missverhältnis in den Kosten ist ein Grund, warum die Branche sich lieber an die großen Ölfelder hält: Noch bringen sie mehr als ein Drittel unserer täglichen Fördermenge. Weil jedoch die meisten der größten Funde schon vor Jahrzehnten gemacht wurden, nähern sich diese Lagerstätten ihrem Fördermaximum oder sind bereits im Abstieg. Dazu gehören einst überaus produktive Gebiete wie die Nordsee und Küstenregionen von Alaska.
Global gesehen fällt die Produktion in aktiv ausgebeuteten Feldern jährlich um acht Prozent. Das heißt, die Ölkonzerne müssen ständig neue Lagerstätten erschließen, nur um die momentane Fördermenge stabil zu halten. Gleichzeitig wächst die weltweite Nachfrage immer noch um anderthalb Prozent jährlich. Das bedeutet viele Millionen Barrel, die zusätzlich gefördert werden müssten – trotz kleinerer Lagerstätten, steigender Kosten und größerer politischer Hindernisse. Einige Ölkonzerne, darunter Shell und Mexikos Staatsbetrieb Pemex, haben schon eine negative Bilanz: Sie finden weniger Öl pro Jahr, als sie verkaufen.
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zu SPIEGEL WISSEN Das Defizit wird wachsen. Laut James Mulva, dem Geschäftsführer von ConocoPhillips, müssen 2010 fast 40 Prozent der weltweiten Tagesfördermenge von Feldern kommen, die heute noch nicht erschlossen sind. 2030 soll unser gesamtes Öl aus Lagerstätten stammen, in denen jetzt noch nicht gepumpt wird. Wie der Chef von Total sieht auch Mulva die maximale tägliche Fördermenge in naher Zukunft bei 100 Millionen Barrel pro Tag stagnieren.
Die Ära des billigen Öls, so viel ist allen klar, liegt hinter uns. Der Welt stehen vermutlich raue Zeiten bevor. Schon während des arabischen Ölembargos Anfang der siebziger Jahre ließen amerikanische Entscheidungsträger Krisenpläne zur Besetzung von Ölfeldern im Nahen Osten erstellen.
Damals schreckte Washington vor militärischem Eingreifen noch zurück. Doch Saudi-Arabien und andere Opec-Mitglieder kontrollieren 75 Prozent der gesamten weltweiten Ölreserven. Dort wird das Fördermaximum deutlich später erreicht als in anderen Ölregionen. Das lässt die Macht des Nahen Ostens über die Preise steigen. Eine sinkende, ja selbst eine gleichbleibende Ölförderung bedeutet zudem: Bei wachsender Bevölkerungszahl steht für jeden Menschen anteilsmäßig weniger Benzin, Kerosin und Diesel zur Verfügung als heute. Für energieintensive Volkswirtschaften wie die der USA sind das schlechte Nachrichten, für Entwicklungsländer könnte es katastrophale Auswirkungen haben. Denn dort nutzt man das meiste Erdöl nicht fürs Auto, sondern zum Kochen und zur Bewässerung.
Dass die Welt so lange braucht, um sich dieser Entwicklung bewusst zu werden, sorgt Husseini. Sicher: Sparsamere Autos und alternative Kraftstoffe würden das Austrocknen der Ölreserven verlangsamen. Aber das werde nicht reichen. Die ölhungrigen Gesellschaften müssten endlich anfangen, ihren Bedarf zu drosseln. Eine ernsthafte Diskussion darüber, wie wir unseren energieintensiven Lebensstil ändern könnten, sagt Husseini, "steht allerdings noch nirgendwo auf der Tagesordnung".