Dienstag, 18.12.2001, 17:05
ROUNDUP 2: IWF-Prognose zeigt nach unten - Weiterhin Konjunkturabschwächung
Washington/Berlin (dpa-AFX) - Die weltweit trüben Konjunkturaussichten haben den Internationalen Währungsfonds (IWF) zum zweiten Mal seit Oktober zu einer Korrektur seiner Wachstumsprognosen gezwungen. Deutschland bleibt am stärksten hinter den Erwartungen zurück: für dieses Jahr erwartet der IWF nur noch 0,5 Prozent Wirtschaftswachstum, für das nächste Jahr 0,7 Prozent. Das geht aus dem Weltwirtschaftsausblick hervor, den der IWF am Dienstag in Washington veröffentlichte.
Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sieht zwar erste positive Konjunktur-Signale, aber ein Ende der Flaute sei noch nicht in greifbare Nähe gerückt. Müller fügte vor dem Münchner Presseclub hinzu: "Aber es bessern sich die Vorzeichen." Nach wie vor werde in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von weniger als 1 Prozent und im nächsten Jahr von mehr als 1 Prozent gerechnet.
Nach leichtem Rückgang der Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal um 0,1 Prozent zum Vormonat steht die deutsche Wirtschaft auch vor Jahresschluss auf der Bremse. Im am Dienstag vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Konjunkturbericht heißt es: "Die aktuelleren, über das dritte Quartal hinausreichenden Konjunktur-Indikatoren deuten auf eine weitere Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten hin." Das betreffe Auftragseingänge, Produktion, Geschäftserwartungen sowie Beschäftigung. "Positiv ist die anhaltende Entspannung des Preisklimas sowie das nunmehr verbesserte monetäre Umfeld zu werten."
Experten gehen weiterhin davon aus, dass Deutschland bereits mitten in einer Rezession ist. Die gängige Definition für die Rezession setzt zwei aufeinander folgende Quartale mit Wachstumsverlusten voraus. Dies wird von Konjunkturforschern mit der Entwicklung im vierten Quartal erwartet.
Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) geht ebenfalls wie der IWF von 0,7 Prozent Wachstum in Deutschland kommenden Jahr aus. Die Prognose sei allerdings mit erheblichen Risiken belastet und die Vorhersage für eine konjunkturelle Wende noch schwerer als sonst, heißt es in einer HWWA-Konjunkturstudie vom Dienstag. Falls es nicht zu neuen Terroranschlägen oder anderen Eskalationen kommt, rechnen die HWWA-Experten mit dem Aufschwung in einem halben Jahr. "Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland dürfte sich in der ersten Hälfte des Jahres 2002 stabilisieren und sich in der zweiten Jahreshälfte zügig erholen", heißt es in der Mitteilung.
Innerhalb von knapp fünf Wochen hat der IWF seine Prognose für Deutschland um weitere 0,2 Prozentpunkte für dieses und um 0,3 Prozentpunkte für nächstes Jahr nach unten korrigiert. Im Oktober war der IWF sogar noch von 0,8 Prozent in diesem um 1,8 Prozent im nächsten Jahr ausgegangen.
Der IWF ist besonders alarmiert, weil die Konjunkturschwäche praktisch zeitgleich die ganze Welt getroffen habe. Das sei in dieser Form seit 20 Jahren nicht mehr passiert. "Die IWF-Prognose geht jetzt von einer tieferen und länger anhaltenden globalen Flaute aus." Die armen Länder litten besonders unter der nachlassenden Nachfrage, die Ölexporteure seien besonders betroffen. Wie sich jetzt zeige, sei die Konjunktur weltweit schon vor den Terroranschlägen schwächer gewesen als bislang angenommen. "Die tragischen Ereignisse vom 11. September haben eine bereits sehr schwierige Situation noch verschlimmert", schreibt der IWF. dpa oe/wb/gi/dw xxyy pi
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