Von Detlev Landmesser
15. Juli 2001 Ist sie nicht schön, unsere Börsensprache? Damit sie nicht langweilig wird, wurde die klassische Dreifaltigkeit der Anlageempfehlungen „Verkaufen“, „Halten“ und „Kaufen“ seit einigen Jahren durch eine Fülle differenzierterer Anweisungen ergänzt.
Ein Problem dieser Ratings ist zum Beispiel oft, dass sie zwar auf längere Sicht fundamental zu rechtfertigen sind, in der augenblicklichen Marktlage aber einfach unglücklich „getimt“ sind. So ist einer klaren Kaufempfehlung für eine Aktie, deren Index gerade seinen Abwärtstrend nach unten verlassen hat, kurzfristiger Erfolg selten beschieden.
„Übergewichten“ - vornehmer geht's nimmer
Diesem Manko begegnen mittlerweile viele Häuser durch marktbezogene Ratings, wie etwa „Market Performer“ (falls der Markt runtergeht, geht die Aktie mit) oder „Underperformer“ (falls der Markt runtergeht, geht die Aktie noch stärker runter) und „Outperformer“ (wenn der Markt runtergeht, hält sich die Aktie einigermaßen).
Geradezu vornehm wirkt auch „Über- oder Untergewichten“. Nicht Fleisch und nicht Fisch also. Um kurzfristige Chancen zu nutzen, gibt es auch die Empfehlung eines „Trading Buy“ (langfristig sind die Aussichten mies, aber kurzfristig lässt sich noch etwas abstauben).
„Neutral“ und „Halten“ - glasklare Anweisungen
Fällt dem Analysten nichts besseres ein, stellt er den Titel kurzerhand auf „Neutral“. Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Immerhin steht ja eine ganze Studie dahinter, und „Neutral“ ist immer noch ehrlicher als „Halten“. Denn das ist ja, wie bekannt, die galant verpackte Aufforderung, die Aktie zum Teufel zu jagen. Nein, nein, winkt da mancher Analyst ab, wer das Ding denn schon habe, solle es in Gottes Namen eben behalten...
Damit hängt das altbekannte Phänomen zusammen, dass die Zahl der Kaufempfehlungen die der Verkaufsempfehlungen selbst in schwachen Marktphasen um ein Vielfaches übersteigt. Eigentlich unlogisch. Und nur damit zu erklären, dass Aktien, die auf „Verkaufen“ stehen, einfach keine Umsätze abwerfen. Dass man eben mehrheitlich über aussichtsreiche Titel berichte, ist in einem seit Monaten schwachen Markt nur ein schwaches Gegenargument. Analysten sind eben oft auch dazu da, die Anleger zu stimulieren, und die Börsenwelt etwas rosiger darzustellen als sie tatsächlich ist.
„Aggressiv kaufen“ - die Königin der Ratings
Die Krönung der Schöpfung bleibt aber unangefochten das unsägliche „Aggressiv kaufen“. Der Kleinaktionär wird dadurch in die Rolle des offensiv Agierenden, des überlegenen Machers versetzt, der das Börsenspiel jederzeit kontrolliert und beherrscht.
Und wer wäre ganz davon frei, sich den Erfolg selbst zuzuschreiben, wenn der letzte „aggressiv“ gekaufte Titel sich tatsächlich verdoppelt hat? Die Wahrheit zu lernen, kostet den Börsenneuling dann leider oft besonders viel Lehrgeld.
15. Juli 2001 Ist sie nicht schön, unsere Börsensprache? Damit sie nicht langweilig wird, wurde die klassische Dreifaltigkeit der Anlageempfehlungen „Verkaufen“, „Halten“ und „Kaufen“ seit einigen Jahren durch eine Fülle differenzierterer Anweisungen ergänzt.
Ein Problem dieser Ratings ist zum Beispiel oft, dass sie zwar auf längere Sicht fundamental zu rechtfertigen sind, in der augenblicklichen Marktlage aber einfach unglücklich „getimt“ sind. So ist einer klaren Kaufempfehlung für eine Aktie, deren Index gerade seinen Abwärtstrend nach unten verlassen hat, kurzfristiger Erfolg selten beschieden.
„Übergewichten“ - vornehmer geht's nimmer
Diesem Manko begegnen mittlerweile viele Häuser durch marktbezogene Ratings, wie etwa „Market Performer“ (falls der Markt runtergeht, geht die Aktie mit) oder „Underperformer“ (falls der Markt runtergeht, geht die Aktie noch stärker runter) und „Outperformer“ (wenn der Markt runtergeht, hält sich die Aktie einigermaßen).
Geradezu vornehm wirkt auch „Über- oder Untergewichten“. Nicht Fleisch und nicht Fisch also. Um kurzfristige Chancen zu nutzen, gibt es auch die Empfehlung eines „Trading Buy“ (langfristig sind die Aussichten mies, aber kurzfristig lässt sich noch etwas abstauben).
„Neutral“ und „Halten“ - glasklare Anweisungen
Fällt dem Analysten nichts besseres ein, stellt er den Titel kurzerhand auf „Neutral“. Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Immerhin steht ja eine ganze Studie dahinter, und „Neutral“ ist immer noch ehrlicher als „Halten“. Denn das ist ja, wie bekannt, die galant verpackte Aufforderung, die Aktie zum Teufel zu jagen. Nein, nein, winkt da mancher Analyst ab, wer das Ding denn schon habe, solle es in Gottes Namen eben behalten...
Damit hängt das altbekannte Phänomen zusammen, dass die Zahl der Kaufempfehlungen die der Verkaufsempfehlungen selbst in schwachen Marktphasen um ein Vielfaches übersteigt. Eigentlich unlogisch. Und nur damit zu erklären, dass Aktien, die auf „Verkaufen“ stehen, einfach keine Umsätze abwerfen. Dass man eben mehrheitlich über aussichtsreiche Titel berichte, ist in einem seit Monaten schwachen Markt nur ein schwaches Gegenargument. Analysten sind eben oft auch dazu da, die Anleger zu stimulieren, und die Börsenwelt etwas rosiger darzustellen als sie tatsächlich ist.
„Aggressiv kaufen“ - die Königin der Ratings
Die Krönung der Schöpfung bleibt aber unangefochten das unsägliche „Aggressiv kaufen“. Der Kleinaktionär wird dadurch in die Rolle des offensiv Agierenden, des überlegenen Machers versetzt, der das Börsenspiel jederzeit kontrolliert und beherrscht.
Und wer wäre ganz davon frei, sich den Erfolg selbst zuzuschreiben, wenn der letzte „aggressiv“ gekaufte Titel sich tatsächlich verdoppelt hat? Die Wahrheit zu lernen, kostet den Börsenneuling dann leider oft besonders viel Lehrgeld.