Gold & Gesellschaft: Dankes-Briefe
Bei der derzeitigen Diskussion um die Erhöhung der Regelsätze für Arbeitslosengeld II Bezieher – auch volkstümlich als Hartz IV-Empfänger bekannt – überbieten sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen derzeit an Vorschlägen, wie hoch man die Mindestsicherung nun eigentlich treiben solle. Dabei scheint sich selbst die katholische Kirche als Interessens-Vertreter des sozialpolitisch-industriellen Komplexes zu outen.
Nichts mehr mit der katholischen Sozial-Lehre, welche die Selbstverantwortung des Menschen in den Vordergrund stellt. Erst wenn der Mensch nicht mehr aufgrund von Behinderung oder anderer widriger Umstände für sich sorgen kann, sollen Staat und Kirche einspringen. Dieses sogenannte Subsidiaritäts-Prinzip ist völlig aus der politischen und gesellschaftlichen Diskussion vertilgt worden.
Kein Wunder, sind doch Caritas und Diakonisches Werk als Außenposten der beiden großen Kirchen auch nur weitere Köpfe der sozialpolitischen Hydra, die einen immer größer werdenden Anteil am erwirtschafteten Volkseinkommen in Deutschland für sich beansprucht.
ALG II beziehen nach Angaben des SPIEGEL 6,81 Millionen Bürger. Der Bund plant dafür Kosten über 37,9 Milliarden Euro im Jahr 2010 ein. Hinzu kommen in etwa 2 Millionen Sozialgeld-Empfänger, so dass insgesamt wohl 45 Milliarden Euro pro Jahr durch die Leistungsträger zu erbringen sind.
Bei 40 Millionen Erwerbstätigen sind das immerhin 1.125 Euro pro Jahr oder knapp 94 Euro pro Monat – für jeden Erwerbstätigen. Und diese verdienen im Schnitt nicht viel.
Das Problem des Sozial- und Umverteilungsstaates ist, dass er für die Leistungsbezieher eine abstrakte und ewig sprudelnde Geldquelle, den Staat nämlich, schafft, der sowieso für alle vermeintlichen Fehlentwicklungen in der Gesellschaft gerade zu stehen habe. So entsteht der Eindruck, dass man ein ewiges Recht auf diese Leistungen habe – und viele nutzen das dazu aus, sich von der Gesellschaft ohne eigenen Beitrag alimentieren zu lassen.
In Wirklichkeit ist es aber nicht der abstrakte Staat, der die Zeche dafür bezahlt, sondern jeder einzelne Erwerbtätige – sei er nun Niedrigverdiener oder Topverdiener. Wenn ein Bezieher von Leistungen nach SGB II (Hartz IV oder Sozialhilfe) im Schnitt mit 500 Euro pro Person und Monat zu Buche schlägt, dann zahlen durchschnittlich fünf Erwerbstätige die Zeche für diesen Sozialfall.
Wäre es in Anbetracht dieser Situation nicht angebracht, wenn ein Bezieher von SGB II Leistungen regelmäßig fünf Briefe an die Erwerbstätigen schreibt, die ihn mit ihrem Einkommen ein mehr oder weniger ausreichendes Einkommen am Rande des Existenz-Minimums ermöglichen. Vielleicht mit dem Tenor, dass man unverschuldet in diese Situation gekommen sei und sich darüber freue, dass sich fünf sozial eingestellte Mitbürger gefunden haben, ihn über diese schwierige Situation hinwegzuhelfen.
Vielleicht wird dann das Verständnis in der Bevölkerung für diese Fälle größer. Gleichzeitig müsste sich jeder Bedürftige eigentlich dafür rechtfertigen, warum er ein Teil des Einkommens seiner Unterstützer verkonsumiert. Und er müsste im Prinzip einen Ausblick geben, wie er gedenke, aus dieser Situation wieder herauszukommen. Das ist ja keine Fiktion, sondern die statistische Realität.
Verantwortung ist keine Einbahnstraße – sie gilt nicht nur für den Bedürftigen, der Geld von der Allgemeinheit fordert. Sondern sie gilt in genau dem gleichen Maße für die zahlenden Erwerbstätigen, die fordern, dass der Bedürftige einen konkreten Plan vorlegt, wie er aus seiner derzeitigen Situation herauskommen könne.
Und ein solches Schreiben wäre auch keine menschenunwürdige Unterwerfungs-Erklärung. Wie viel Untertanentum müssen sich niedrige und selbst mittlere Erwerbstätige von ihren Chefs tagtäglich gefallen lassen. Oder Selbständige und Unternehmer von ihren Auftraggebern. Da kann man einen solchen Dankes-Brief durchaus erwarten.
Plötzlich wache ich auf und stelle fest, dass dies nur ein Traum gewesen sein kann. Denn schon fordern die Sozialverbände, die Kirchen, die SPD und die anderen staatlich, das heißt aus unseren Steuergeldern, bezahlten Gutmenschen einen noch höheren Anteil für ihre vermeintlichen Schützlinge am Bruttoinlands-Produkt. Und dann höre ich auch wieder den mit treudoofen Dackel-Augen agitierenden DGB-Chef, der behauptet, dass man auf den Rücken der sozial Schwachen unserer Gesellschaft so eine Diskussion überhaupt nicht führen dürfe.
Willkommen in der realen Welt des anonymen Sozial-Staates.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Die geldpolitischen Rahmen-Bedingungen für Gold haben sich die letzten Tage verändert. Nicht länger drückt die EZB auf den Goldpreis zu den physischen Marken im Londoner Handel. Dafür kommen jetzt die geldpolitischen Spielchen der Notenbanken wieder zum Vorschein, die mit Hilfe der Veränderung von Devisen-Carry Trades kontrollierte Deflation oder Inflation spielen können. Das kostet zumindest kein physisches Gold.
Heute standen deflationäre Impulse im Vordergrund. Und wieder wird diese Nachricht, welche die Notenbanken durch Geldsteuerung innerhalb der großen Devisen-Märkte marktgängig platzieren wollen, durch die Systempresse wie Bloomberg verstärkt. Waren nämlich gestern, als es noch in Richtung Geldmengen-Ausweitung (mit steigendem Öl, Aktien-Märkten, Platin/Palladium) positive Nachrichten wie better than expected zu vernehmen gab, dann lesen wir heute bei Bloomberg genau das Gegenteil. Das ist kein Zufall, sondern Bestandteil der behavioural finance Strategie, die menschlichen Instinkte in der Finanzbranche in die eine oder andere Richtung beeinflussen zu wollen.
Schauen wir also erst einmal auf die beiden Devisen-Paare USD/JPY und EUR/USD: Der Yen ist gegenüber dem US-Dollar heute um 0,8 Prozent gestiegen – also Carry-Trade downwinding, das heißt eher deflationäre Impulse für die Märkte. Der Euro ist gegenüber dem USD um 0,5 Prozent gestiegen, im direkten Handel mit dem Yen aber ebenfalls gefallen. Die Carry-Trade downwinding Theorie sagt: Dann müssen die non-interest bearing assets wie Öl, Aktien, Platin/Palladium eigentlich fallen und die Treasuries steigen. Genau das konnten wir heute wieder einmal beobachten. Gold ist in diesem Umfeld ein Zwitter, da es wegen der fehlenden Kredit-Finanzierung nicht zu der Gruppe der non-interest bearing assets gehört, die sensibel auf Kreditkontraktion reagieren. Es sei denn – in Ausnahmefällen – dass bestimmte Investoren sehr liquide Goldpositionen erst liquidieren, bevor sie sich vor anderen weniger liquiden Positionen trennen. Auf der anderen Seite kann Gold auch nicht mit Treasuries verglichen werden, da es keine Zinsen erwirtschaftet.
Aber der praktische Zuwachs des Goldpreises zeigt an, dass es doch einen virtuellen Zinssatz von Geld gegenüber Papiergeld gibt. Dieser liegt – wenn wie die Krisenereignisse einmal aus unserer Betrachtung ausblenden – in dem Wachstum der Eigenkapital-Menge (M0 und zum großen Teil auch M1) begründet. Performt Gold besser als Treauries, dann zeigt dies im Prinzip an, dass wir ein negatives Realzins-Niveau haben. Investoren verlieren in langfristigen Treasuries investiert Kaufkraft. In Gold nicht.
Interessant ist derzeit auch die Kurs-Entwicklung beim Silber. Vielfach orientiert es sich an Palladium/Platin als non-interest bearing asset. So auch die letzen Tage, als es mit Platin und Palladium gestiegen ist. Auf der anderen Seite scheint es bei der heutigen Aktion gewisse Stärke wie beim Gold zu zeigen. Das ist eine markante Wende, hatte Silber doch immer stark unter deflationären Tendenzen zu leiden und wurde darüber hinaus noch mit Gold für dessen Global-Währungsersatz-Charakter bestraft. Jetzt scheint sich hier das Blatt gewendet zu haben.
Gold ist trotz eines negativen Umfelds weiter auf dem Weg nach oben. Die wichtigen Widerstände sind der Euro-Gold Kurs von 900 Euro und $1.200. Beiden Marken müssen signifikant nach oben durchbrochen werden, damit die nächste Aufwärtsbewegung beim Gold einsetzen kann. Zwei wichtige Termine für die nächsten fünf Handelstage sind dabei zu überwinden.
www.bullionaer.de/shop/showZiemann.php/action/latest

"Heute geht es uns schlechter als gestern, aber besser als morgen!"
"In Zeiten der universellen Täuschung wird das Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat!" (George Orwell)