Während sie früher bei Hollywoodstars und Millionären gefragt waren, ist es dieses Jahr auch zu günstigen Preisen schwer, Käufer für die Feriendomizile zu finden. Die wirtschaftliche Lage des Landes verunsichere Investoren, sagen Makler. Auf dem Festland fallen die Preise ebenfalls.

Ein Haus auf Korfu mit drei Schlafzimmern kostet jetzt 750'000 Euro, ursprünglich forderte der Verkäufer 1,4 Millionen Euro. Eine halbfertige Villa auf Mykonos, bekannt für nächtliche Strandparties, bietet der Athener Makler Ploumis Sotiropoulos OE für 2 Millionen Euro an, 500'000 Euro günstiger als zuvor. Für beide Objekte hat der Makler noch keine Interessenten gefunden.

Zu Griechenland gehören mehr als 1000 Inseln und die zehntlängste Meeresküste. Über 15 Millionen Touristen besuchen das Land jährlich, zeigen Zahlen des griechischen Statistikamtes.

Angst, zu investieren

«Es beängstigt, hier jetzt zu investieren», sagt der Makler Mike Braunholtz von Prestige Property Group. «Bevor nicht das wirtschaftliche Bild klarer wird, bessert sich die Lage nicht.» Damit Griechenland einen Zahlungsausfall auf seine Staatsanleihen vermeiden und sich aus der ersten Rezession seit 1993 herausziehen kann, haben Europäische Union und Internationaler Währungsfonds dem Land ein Rettungspaket im Volumen von 110 Milliarden Euro geschnürt.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat bereits die Steuern erhöht und die Gehälter der Staatsbediensteten gekürzt. Nun setzt er die Steuern für Luxusimmobilien herauf, um den Wählern zu zeigen, dass auch die Reichen die Zeche mitbezahlen müssen. Papandreous Sparpaket beinhaltet eine Sonderabgabe für Liegenschaften mit einem Wert von mehr als 5 Millionen Euro.

Eigentümer von Häusern, die mehr als 400'000 Euro wert sind, müssen ebenfalls höhere Steuern bezahlen. Die Massnahmen führen dazu, dass Immobilieneigentümer und Schulden beladene Immobilienentwickler versuchen, die Preise zu drücken, sagt Ioannis Kaligiannakis, Immobilienanalyst bei Colliers International Hellas in Athen.

Übriges Europa: Stabilere Preise

Der Verfall der Immobilienpreise war in anderen europäischen Ländern nicht so ausgeprägt. In Spanien sanken die Preise gegenüber dem Hoch im Jahr 2008 um acht bis zehn Prozent, geht aus Daten von Idealista.com hervor, der grössten spanischen Immobilien-Webseite. In Portugal, mit 13 Millionen Touristen im Jahr, hält sich der Markt stabil.

«Wir sehen hier keine Schnäppchenjäger», sagt Liselore Ligtermoet, Marketing-Managerin bei International Realty Group in Lissabon. Auch in Italien sind günstige Objekte schwer zu fijnden. «Aktuell steigen die Preise in den Regionen um Rom, Venedig, Mailand und Florenz», berichtet Angelo Savioli, Direktor bei Sotheby’s International Realty in Rom.

Frankreich wird bei Immobilienkäufern populärer, denn hier finden sich viele Schnäppchen. Ausserdem sei das Land mit seinen wirtschaftlichen Aussichten attraktiver als Griechenland, sagt Braunholtz. Prestige bietet auf seiner Webseite ein Schloss in der Nähe der südfranzösischen Stadt Toulouse mit 12 Schlafzimmern für 477'000 Euro an.

Griechen kaufen in London

Vor allem London kann von den finanziellen Turbulenzen in Griechenland profitieren. Auf griechische Käufer entfielen im April sechs Prozent aller Immobilienkäufe in der Preisklasse über 2 Millionen Pfund, berichtet der Makler Knight Frank. Das war ein doppelt so hoher Anteil wie im Durchschnitt der letzten drei Jahre.

«Die Steuerreform ist sicherlich ein Anlass zur Sorge für Immobilien-Investoren in Griechenland», sagt Liam Bailey, Leiter der Marktanalyse bei Knight Frank LLC in London. Der Makler bietet eine Villa auf Mykonos mit acht Schlafzimmern auf drei Etagen und mit Swimmingpool statt für 5,5 Millionen Euro nun für 4,1 Millionen Euro an. Auf Mykonos sind mehr als ein Drittel der 11'000 Einwohner Ausländer.

«Es ist ein hartes Jahr», sagt Giannis Ploumis, Chef des Maklerunternehmens  Ploumis Sotiropoulos. «Es sind mehr Objekte auf dem Markt und weniger Käufer wollen investieren.»

(Bloomberg)