Wer kauft eigentlich die $1.752 Mrd neuen Treasuries, die die U.S.-Bundesregierung dieses Haushaltsjahr nach ihren Planungen zur Finanzierung des Defizits emittieren muss ? Während es für Pöbel Peer zunehmens schwieriger wird, seine Bundesanleihen am Markt zu platzieren und andere Staaten drakonische Sparmassnahmen und Zwischen-Finanzierungen durch den Internationalen Währungsfond (IMF) ergreifen müssen, läuft die Platzierung der U.S.-Schulden praktisch problemlos. Obwohl nach offiziellen Zahlen die Schulden-Quote für dieses Jahr 12,3 Prozent des Bruttoinlands-Produktes (GDP) beträgt --- übrigens nach 3,2 Prozent im vorherigen Haushaltsjahr.
Die Ausländer können es nicht sein. Nach Zahlen der U.S. Notenbank wurden seit Beginn des Haushaltsjahres 2009 (1.Oktober 2008) bis April 2009 Treasury Bond and Notes im Umfang von netto $151,494 Mrd abgesetzt. Rechnet man diese Zahl auf das komplette Haushaltsjahr um, dann werden die Ausländer knapp $260 Mrd neue Treasuries aufkaufen. Spitzenreiter werden Japan mit einem Anteil von 41,5 %, gefolgt von China mit 19,2 %, die karibischen Inseln mit 17,5 % und Grossbritannien mit 13,6 % sein. Man kann darüber diskutieren, ob ausländische Zentralbanken den U.S.A. durch Aufkauf von Treasuries zu Hilfe eilen, indem sie quasi deren Schulden als "Währungs-Reserven" monetarisieren. Aber das wirkliche Problem liegt in einer Lücke von $1.500 Mrd, die im Inland zu finanzieren ist.
Schaut man sich die Zahlen des Haushaltsjahres 2008 an, dann betrug der Beitrag der Ausländer $316,012 Mrd bei einem Haushaltsdefizit von $459 Mrd. Dort mussten im Inland lediglich $150 Mrd neue Treasuries platziert werden.
Schaut man nun auf die Zahlen des Inlands, dann wäre der erste Kandidat die FED, die einen Teil dieser Treasuries "monetarisieren" könnte. Das hätte man aber an einer weiteren massiven Ausweitung der Bilanz erkennen können. Aber seit 9 Monaten hat sich die Bilanzsumme der FED mit ca $2.000 Mrd quasi nicht verändert. Und wenn man sich die grossen Posten dieser Bilanz ansieht, dann kann man monetarisierte Treasuries nur in einem Umfang von wenigen hundert Milliarden Dollar finden. Die zweite Quelle könnten Geldmarkt-Fonds sein, die Gelder aus dem Markt für kurzfristige Ausleihungen ("Commercial Papers") in Treasuries umschichten. Dass dieser ehemals $2.000 Mrd schwere Markt für Commercial Papers sich fast halbiert hat, darüber habe ich vor kurzem berichtet. Die FED stellt z.Zt. ca $110 Mrd an die Firmen als Ersatz für den austrocknenden Commercial Paper Market bereit.
Verbleiben immer noch mindestens $1.000 Mrd, die irgendwo herkommen müssen.
Im Zeitraum Ende September bis Anfang November 2008 hat die FED jedoch begonnen, ihre Bilanz massiv auszuweiten. Das ist durch den ausserplanmässigen Verkauf von Treasuries bewerkstelligt worden. In dem Zeitraum wurden ca $600 Mrd neue Treasuries in die Bilanz aufgenommen, und das Guthaben-Konto "U.S. Treasury, supplementary financial account" ist am 6. November auf $558,851 Mrd gestiegen. Am 22. Juli 2009 betrug dieses Guthaben-Konto nur noch $199,936 Mrd. D.h. der Differenz-Betrag von ca $359 Mrd ist in die Finanzierung des Bundeshaushaltes geflossen --- aber das Haushaltsjahr läuft ja noch für gute zwei Monate. Ich kann mich nicht erinnern, dass darüber in der Öffentlichkeit berichtet wurde.
Den Restbetrag von über $300 Mrd wird wohl das U.S.-Bankensystem ("primary dealer") monetarisiert haben. Die Banken haben mit $781,389 Mrd ausreichend Liquidität auf dem FED-Konto, um Treasuries im grossen Umfang selbst kaufen zu können. Im Papier-Geldsystem sind die in der eigenen Währung herausgegebenen Staatsanleihen das Investment "ohne Risiko". Deshalb können die Banken mit den Zinsen für die gekauften Treasuries wegen der faktisch nicht vorhandenen Refinanzierungs-Kosten auch einen guten Ertrag erzielen. Da das Geschäft "risikolos" ist, fliesst die Liquidität der Banken in den Ankauf an Treasuries anstatt den Markt mit neuen Krediten zu bedienen.
Fassen wir zusammen, wie die Treasuries abgesetzt werden:
1. Kauf von Ausländern: $260 Mrd
2. Inlands-Verkauf (Pensions-Fonds etc): $150 Mrd
3. Quantitative Easing: $200 Mrd
4. Umschichten aus Commercial Paper Markt: $200 Mrd
- davon mehr als $100 Mrd von FED refinanziert
5. Ausweitung der Bilanz der FED: $600 Mrd
6. Aufkauf durch Primary Dealer: $300 Mrd
Punkte 1+2 und die Hälfte von 4, d.h. $510 Mrd sind "ordentlich" finanziert. Die Punkte 3+5+6 und die Hälfte von 4, d.h. $1.200 Mrd sind durch mehr oder weniger offenes "Monetarisieren" finanziert. Man sieht, dass die Zaubermeister des Papier-Geldsystems schon stark in die Trickkiste greifen müssen, um das System am Leben zu erhalten. Trotz andersweitiger Beteuerungen der Politiker und Zentralbanker handelt es sich hier jedoch um massives Gelddrucken, ohne dass irgendwelche zusätzlichen Waren- und Dienstleistungs-Ströme diese Geldmenge "rechtfertigen".
Gold hat bei jedem dieser Aktionen in der Vergangenheit profitieren können. Allerdings hat man die Massnahmen zeitlich so gestreckt bzw die Bedeutung erst einmal verschleiert, so dass man ausreichend Zeit hatte, um den Gold-Preis wieder kontrolliert zu drücken. So wurde Gold als der Grad-Messer der Gesundheit des Papiergeld-Systems verbogen. Wären die wahren Hintergründe bekannt geworden und in der Folge Gold stark angestiegen, dann hätte wohl eine Flucht aus dem Papier-Geldsystem eingesetzt.
Die positive Entwicklung beim Gold-Preis setzt sich auch in der neuen Woche fort. Nach einem kurzen Einbruch nach Eröffnung der Märkte heute früh in Asien entwickelte sich Gold im Vormittagsverlauf positiv. Diese Tendenz führte zum A.M. Fix zu einem Stand von $956,00 (EUR 670,60), der $6 höher lag als zum A.M. Fix am letzten Freitag.
Eine Stunde vor Eröffnung der COMEX wurde dann die Marke von $960 getestet. Der Versuch scheiterte jedoch bei einem Kurs von $959. Danach verfiel der Gold-Preis jedoch wieder. Der P.M. Fix wurde mit $955,00 (EUR 669,71) festgestellt. Im Vergleich zum letzten Freitag ein weiterer Anstieg um $3. Nach Ende des Handels in London wurde Gold unter die Marke von $952 gedrückt.
Der massive Verkauf neuer Treasuries diese Woche darf wohl nicht mit einem ansteigenden Gold-Preis begleitet werden. Die FED behauptet, die massiv bereitgestellte Liquidität wieder schnell einsammeln zu können. Nun ja - das Geld an den U.S.-Bundeshaushalt ist bereits ausgegeben und an eine Rückführung der Schulden glaubt wohl keiner mehr. Und da haben wir die über $537 Mrd "face value" an MBS-Papieren, die die FED von den bankrotten staatlichen Finanzierern Fannie Mae und Freddie Mac hält. Ob diese Papiere jemals wieder ihr "Gesicht" zurückerhalten werden, ist mehr als fraglich. Und dann haben wir noch knapp $80 Mrd, mit denen die FED den Zusammenbruch von AIG verhindert hat. Dieses Geld ist schon längst an Goldman Sachs, Deutsche Bank und andere Banken ausgezahlt worden. Da kommt auch nichts mehr zurück.
Eigentlich sprechen diese Indikatoren für einen Zusammenbruch des Systems. Aber es fehlt noch der zündende Funke, der die Investoren aus den Papier-Werten treibt. Zur Zeit regieren noch die halb- oder vollautomatischen Trading-Programme, die auf Basis der Markt-Entwicklungen der letzten Jahre programmiert wurden. Diese Programme können nur in Papier-Welten "denken" und handeln auch dementsprechend. Einen Flucht-Gedanken aus dem Papiergeld-System werden sie nicht selbständig entwickeln. Das können nur die Investoren selber leisten, wenn sie mit Menschen-Verstand diese Maschinen abschalten auf auf Handbetrieb übergehen.
Der Gold-Preis beendete den Handel an der COMEX mit $954.
Der USDX ist heute leicht auf 78,7 gefallen, während die Renditen der 10-jährigen Treasuries bei 3,7 Prozent verharrten. Der Quotient auf beiden Werten liegt weiterhin bei 21,3 (Freitag: 21,3).
www.hartgeld.com/Ziemanns-gold-news.htm
"Die Börse reagiert nur zu 10% auf Fakten, der Rest ist Psychologie!" (Kostolany)
"Selten war mehr als ein Zehntel der Bevölkerung an dem beteiligt, was man Geschichte zu nennen pflegt!" (Samhaber)