Ja wie? Die fallen immerhin weich, die Armen hat das Glück schon lange verlassen bzw. die hatten nie welches, da es Raffgier, Übermut usw. schon immer gab und geeben wird, Menschen andere übervorteilen und so zu den immensen Vermögenn erst kommen, nicht lass mich oder lass mir arbeiten, sondern lass andere arbeiten... (natürlich gibt es auch durchaus Vermögende, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind und oftmals im Hintergrund Gutes tun!)
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"26. April 2009 Heimlich trifft sich an diesem Wochenende Deutschlands reichste Industriellenfamilie: Der weitverzweigte Haniel-Clan tagt, wie jedes Frühjahr, am Stammsitz in Duisburg. Vorträge des Managements stehen auf dem Programm, ebenso ein Galaabend. Um die Pflege des inneren Zusammenhalts geht es und um die Frage: Was springt für den Einzelnen an Gewinn heraus? Kein triviales Thema, schließlich leben etliche der 600 Haniel-Nachfahren von den Millionen des Konzerns. Die Stimmung in der Familienrunde, so viel ist zu erahnen, war schon ausgelassener: Die Ausschüttung an die Gesellschafter ist wohl nur halb so hoch wie im Vorjahr. Das schmerzt. Angesichts der Finanzkrise werde man sich an die gekürzten Dividenden der Dax-Konzerne orientieren, heißt es in Duisburg entschuldigend.
Für die Familie ist das ein schwacher Trost, schließlich sind die Kaufleute seit Generationen darauf stolz, von den Launen des Kapitalmarktes unabhängig zu sein. Mehr als 250 Jahre, seit 1756, betreiben sie in aller Verschwiegenheit ihr Geschäft. Mit dem Handel von Tabak, Tee und Kohlen haben sie begonnen, später die Industrialisierung Deutschlands mit Hütten vorangetrieben, heute verdienen sie ihr Geld mit Kaufhäusern (Kaufhof), Großmärkten (Metro) und mit Apotheken (Celesio). Ständig hat sich der Konzern neu erfunden, kühne Ideen und kühle Rechenkunst verbanden sich aufs Schönste, nur die Börse, die Welt der Kapitalmärkte, war weit weg.
Nun ist alles anders, der Mythos bröckelt
Haniel wurde so zu einem Modell für erfolgreiche Familienunternehmen, dynamisch und doch ein Hort der Stabilität. Nun ist alles anders, der Mythos bröckelt, die Familie gerät in den Strudel der Finanzkrise, muss sich für hohe Schulden rechtfertigen. Ratingagenturen rücken sie in die Nähe von Ramschläden, warnen vor einem „beschränkten Handlungsspielraum“.
Was ist nur passiert mit den bisher so stolzen Händlern? Bis vor kurzem sah alles so vielversprechend aus: Haniel ist aufgebrochen in eine neue Welt. Die Familie hat entschieden, mit den ganz Großen mitzuspielen, hat im August 2007 drei Milliarden Euro investiert, um im Dax-Konzern Metro das Sagen zu haben. Auch in diesem krassen Bruch mit der Tradition war der Clan Vorbild für andere Familien. Nicht angelsächsische Private-Equity-Gesellschaften, wie lange vermutet, haben nach den Top-Adressen der deutschen Konzerne gegriffen. Es waren altehrwürdige, stille Familien, die plötzlich und mit ungeahnter Aggressivität das große Rad gedreht haben: Der „David“ Porsche kaperte Europas größten Autokonzern Volkswagen, Maria-Elisabeth Schaeffler schnappte sich den vielfach größeren Autozulieferer Continental. Und Haniel krallte sich eben die Macht an der Metro.
Den Davids wird jetzt Größenwahn vorgeworfen
Mut und List dieser Taten wurden allseits gelobt. Der Kleine besiegt den Großen, das verdient stets die Sympathie des Publikums – solange alles gutgeht. Jetzt spricht niemand mehr von Triumphen. Stattdessen ist von der „Schaeffler-Falle“ die Rede, wenn wieder einmal eine Familie die Kontrolle über ihr Unternehmen an die Banken verliert. Das Erbe der Schaefflers scheint verspielt, der ehemaligen Milliardärin bleiben nur flehende Besuche in Berlin, damit die Politik sie rettet.
Selbst wenn die Regierung sich erbarmen sollte, nichts wird mehr sein, wie es war. Das Sagen über ihre Firmengruppe haben andere, womöglich wird die Übernahme gar rückabgewickelt: Schaefflers Automotivesparte würde zu einem Teil von Continental. Ein ähnliches Szenario diskutiert der Porsche-Piëch-Clan in Zuffenhausen. Bedrängt von den Banken, könnte Volkswagen sich Porsche einverleiben: als eine von einem Dutzend Marken – die bittere Rache des Goliath. „Reverse takeover“ nennt das der Fachmann.
Welche Schmach für die tapferen Eroberer! Den Davids wird jetzt Größenwahn vorgeworfen, als gierige Hasardeure werden sie beschimpft. Eine ungerechte Kritik, denn jeder Coup folgte einer unternehmerischen Logik. Jede Familie kannte das Geschäft, auf das sie sich gestürzt hat. Auch die Mittel dafür standen reichlich zur Verfügung. Kredite gab es günstig. Und warum sollten die Unternehmer, die vom Fach waren, hinter den Private-Equity-Investoren zurückstehen, die mit fremdfinanzierten Übernahmen traumhafte Renditen einfuhren?
Die Zinslast drückt auf den Familien
Die Waffen für die Schlacht haben sie sich von den Kämpen auf den Kapitalmärkten geborgt, Investmentbanker waren plötzlich auch in Familienunternehmen gefragt. Schnell lernten die Davids, wie man sich an einen börsennotierten Konzern anschleicht, welcher juristischen Kniffe es zur Eroberung bedarf. Die Milliarden an Schulden, die sie sich auf dem Weg aufluden, haben erst mal niemanden gestört.
Das ist jetzt anders. Nicht die industrielle Logik hat sich geändert, wohl aber die finanzielle Mechanik. Die Krise zwingt die Banken, ihre Kredite drastisch zu kürzen. Der sprichwörtliche Hebel wird abgesägt, „Deleveraging“ heißt das Gebot der Stunde. Sicherheit ist Trumpf. Und das Pfand, das die Familien den Gläubigern bieten – die Anteile an den gekauften Firmen –, hat mit dem allgemeinen Abschwung der Börsen rasant an Wert verloren: Schaeffler hat 75 Euro je Conti-Aktie geboten, zeitweise notierte sie unter 12 Euro. Die Metro-Aktie kostete 60 Euro, als die Haniels ihr Paket erworben haben, zeitweise war sie noch ein Drittel wert. Die Kredite aber sind noch nicht ansatzweise abbezahlt. Das ist nicht gut. Die Banken schrecken auf, zumal die Zinslast auf den Familien drückt.
Im Moment ist nirgendwo viel zu holen
Dabei hatten die Clans sich einen schönen Trick zurechtgelegt: Die Übernahme sollte sich zum Teil selbst finanzieren. Die Gewinne der angegriffenen Konzerne, die nach erfolgter Tat an sie fallen, waren einkalkuliert, um die Schulden zu bedienen. Nur ist im Moment nirgendwo viel zu holen: Conti leidet ebenso wie Schaeffler in der Krise der Automobilindustrie. Selbst VW, das sich vergleichsweise wacker schlägt, schüttet weniger aus, als die Großaktionäre Porsche es sich erhofft hatten. Der David ist gefangen. Die Zeit der Rache und der Suche nach den vermeintlichen Schuldigen ist angebrochen. Lange gefackelt wird dabei nicht: Im Zweifel ist es im Urteil der Familie der angestellte Manager, der ihr die Misere eingebrockt hat; selbst in Fällen, in denen der jeweilige Clanchef in der ersten Euphorie die Urheberschaft für den Coup für sich beansprucht hatte. So mancher Vorstand erlebt in diesen Tagen die Härte in Familienunternehmen.
Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger wird wohl einen Karriereknick zu verschmerzen haben. Selbst Wendelin Wiedeking, der Mann, der den Porsche-Clan (und sich selbst) reich gemacht hat, wackelt. Ferdinand Piëch wäre ihn gerne schnell los, samt dem Finanzvorstand, dem bis vor kurzem als Zockergenie gefeierten Holger Härter. Dagegen sind die Tage für Eckhard Cordes, obwohl Doppelvorstandschef von Metro wie Haniel, fast schon entspannt. Auch ihn zählt eine interne Opposition an, er hat jedoch die Rückendeckung des Clan-Chefs: Wer Cordes feuern wollte, müsste Franz Markus Haniel gleich mit absetzen. Diese Revolte wagt niemand, dazu müsste es noch schlimmer kommen, sagt ein Kritiker. „Und das wäre dann das Ende von Haniel als Familienunternehmen.“"
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