manager-magazin.de, 13.12.2002, 10:09 Uhr
Thiel: Märkte trauen der Gewinnprognose nicht
Die Deutsche Bank senkt das Rating auf "Verkaufen". Der Wert rauscht
weiter abwärts.
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Grevenmacher ? Die Aktie der am Neuen Markt notierten Thiel Logistik
ist am Freitag erneut unter Druck gekommen. Die Aktie gab am Morgen
zunächst weitere fünf Prozent auf 3,40 Euro ab, nachdem sie bereits
am Vortag mit Verlusten von mehr als zwölf Prozent geschlossen
hatte.
Die Deutsche Bank hat am Freitag nach Angaben von Händlern den Wert
von "Halten" auf "Verkaufen" abgestuft. Der Logistikkonzern hatte am
Vortag mitgeteilt, er wolle im kommenden Jahr ein Ergebnis vor
Zinsen und Steuern (Ebit) von 40 Millionen Euro erwirtschaften und
lag damit unter den Erwartungen von Analysten. Wegen der weiter
schlechten Konjunkturlage rechnet die 2003 aus Thiel und dem
Konkurrenten Microlog Logistics entstehende Gruppe mit einem
schrumpfenden Auftragsvolumen bei Bestandskunden.
Analysten von SES, HypoVereinsbank, und Helaba Trust zeigten sich
von den Prognosen durch die Bank weg enttäuscht. "Es waren
wesentlich höhere Wachstumserwartungen am Markt", sagte Markus Hesse
von der Hypovereinsbank. Das Wachstum, das Thiel in den letzten
Jahren gezeigt habe, zehre nun an den Ergebnissen. "Die Anpassung
der Konzern- und Managementstrukturen an das historische Wachstum
ist schwer unter einen Hut zu bringen", sagte Hesse. Die
HypoVereinsbank beließt den Wert auf "Underperformer". Ein anderer
Analyst erklärte: "40 Millionen Ebit ist nicht besonders
ambitioniert. Ich hatte eigentlich mit 64 Millionen Ebit für
nächstes Jahr gerechnet, davon zwölf Millionen durch Microlog."
Das Investmenthaus HelabaTrust hat die Aktie von Thiel mit
"Untergewichten" bestätigt. Die Planzahlen seien insgesamt
enttäuschend, erklärte Analyst Mario Kristl. Das Unternehmen werde
weiterhin durch Faktoren wie das schwache Marktumfeld und die
Integrationskosten für die Microlog Logistics belastet. Der Analyst
kündigte an, seine Gewinnschätzung für das kommende Jahr zu
überarbeiten und nach unten korrigieren zu wollen.
M.M. Warburg: "De facto keine Ergebnissteigerung in 2003"
Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle
2003 in der Gruppe rund 80 Millionen Euro erreichen, teilte das
Thiel weiter mit. Ohne Microlog plant Thiel für 2002 ein Ebit von 25
Millionen Euro. Eine Prognose für das Ebitda veröffentlichte die
Firma nicht. Microlog plant für das laufende Jahr einen Gewinn vor
Firmenwertabschreibungen (Ebita) von 13 Millionen Euro. "De facto
bedeutet das keine Ergebnissteigerung für das nächste Jahr", sagte
Analyst Nils Machemehl von M.M. Warburg.
Keine Angaben zu den Integrationskosten
Der Umsatz des neuen Logistikkonzerns solle im kommenden Jahr bei
1,8 Milliarden Euro liegen, nach erwarteten 1,45 Milliarden Euro bei
der bisherigen Thiel im Vorjahr, teilte das Unternehmen mit. "Einem
kräftigeren Anstieg von Umsatz und Ergebnis steht die konjunkturelle
Entwicklung entgegen, die sich in 2003 offenbar noch verschlechtern
wird." Deshalb werde auch mit einem Rückgang beim Auftragsvolumen
bei Bestandskunden gerechnet, was durch kleinere und mittlere
Aufträge von Neukunden kompensiert werden solle. In dem vorgelegten
Budget seien die Integrationskosten für die kürzlich mehrheitlich
übernommene Microlog Logistics bereits enthalten. Angaben zur Höhe
dieser Kosten machte das Unternehmen nicht.
Für 2002 hatte Thiel die Prognosen im Sommer bereits drastisch
reduziert. Microlog plant für das laufende Jahr einen Umsatz von
rund 280 Millionen Euro. Thiel will Microlog bis 2003 komplett
übernehmen. Großaktionär von Thiel ist die Bad Homburger Holding
Delton des Industriellen-Erben Stefan Quandt.