Rüstungs-Börsengang wird zum Albtraum: SMAG-Aktie stürzt am ersten Handelstag ab
Markus Weingran
Markus Weingran
Markus Weingran ist seit mehr als 20 Jahren als Kapitalmarkt-Stratege und Aktien-Experte aktiv. Geprägt durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Finanzexperten Hans A. Bernecker verfolgt er einen klaren Anspruch: in jeder Börsenphase das Beste für Anleger herauszuholen. Weitere Einschätzungen und Trading-Ideen teilt er auch täglich in der wallstreetONLINE Börsenlounge auf YouTube.
SMAG bringt mobile Mastsysteme für Streitkräfte an die Börse, doch die Anleger fliehen. Warum die Aktie fast 30 Prozent unter Ausgabepreis startet und vorerst nur auf die Watchlist gehört.
Für dich zusammengefasst:
SMAG wurde 1974 gegründet und beschäftigt rund 170 Menschen.
Die Aktie fiel am ersten Handelstag um fast 24 Prozent.
Der Erstkurs lag bei 35 Euro, unter dem Ausgabepreis von 46 Euro.
SMAG Mobile Antenna Masts ist ein hoch spezialisierter Zulieferer für moderne Streitkräfte. Das Unternehmen aus Salzgitter entwickelt selbsttragende, nicht abgespannte mobile Mastsysteme. Sie tragen Antennen, Radarsysteme und weitere Nutzlasten für taktische Kommunikation, Luft- und Drohnenabwehr sowie elektronische Kriegsführung. Die Systeme lassen sich nach Unternehmensangaben in weniger als zehn Minuten aufbauen. Sie erreichen Höhen von bis zu 40 Metern und können Nutzlasten von bis zu 600 Kilogramm tragen.
SMAG wurde 1974 gegründet und beschäftigt rund 170 Menschen. Mehr als 2.000 Systeme sind in über 20 Ländern im Einsatz. Zum Kundenkreis zählen mehr als 50 Rüstungsunternehmen, Erstausrüster und Behörden sowie 15 Streitkräfte aus Mitgliedsstaaten des Nordatlantikpakts. 2025 stammten 99,1 Prozent des Nettoumsatzes aus militärischen Anwendungen. Damit ist SMAG ein nahezu reiner Rüstungswert.
Das operative Profil klingt zunächst attraktiv. Der Umsatz stieg 2025 von 26,9 Millionen auf 34 Millionen Euro. Für 2026 stellt der Vorstand 55 bis 60 Millionen Euro in Aussicht. Die bereinigte Marge beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 19 bis 21 Prozent erreichen. Mittelfristig peilt SMAG sogar ein jährliches Wachstum der Gesamtleistung von mehr als 40 Prozent und eine Marge von rund 35 Prozent an. Ende 2025 war das Unternehmen frei von Bankschulden und verfügte über eine Nettoliquidität von 8,4 Millionen Euro.
Besonders imposant wirkt der von SMAG genannte Auftragsbestand von 1,4 Milliarden Euro. Anleger sollten die Zahl jedoch genau lesen. Nur 140 Millionen Euro entfielen Ende 2025 auf fest bestellte Aufträge. Weitere 1,031 Milliarden Euro bestanden aus Rahmenverträgen. 229 Millionen Euro waren sogenannte weiche Aufträge, die noch nicht vertraglich gesichert sind. Der riesige Auftragsberg bietet damit Chancen, ist aber keineswegs vollständig mit garantiertem Umsatz gleichzusetzen.
Operativ trifft SMAG auf einen langfristig starken Markt. Europa erhöht seine Verteidigungsausgaben und investiert verstärkt in Kommunikation, Luftabwehr und Drohnenabwehr. Gerade mobile Systeme, die schnell verlegt werden können, passen zu den Anforderungen moderner Streitkräfte.
An der Börse ist die Euphorie jedoch deutlich abgekühlt. Rheinmetall (Rheinmetall Aktie), Hensoldt, Renk und Thyssenkrupp (ThyssenKrupp Aktie) Marine Systems haben seit Oktober zusammen mehr als 58 Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Der deutsch-französische Panzerhersteller KNDS verschob seinen geplanten Börsengang wegen der schwachen Stimmung und der hohen Schwankungen im europäischen Verteidigungssektor. Reuters verweist zudem auf wachsende Zweifel, ob die Branche ihre riesigen Auftragsbestände schnell genug in Produktion, Umsatz und freien Mittelzufluss umwandeln kann.
Noch im Frühjahr sah das Bild freundlicher aus. Vincorion startete im März zu 19,30 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 17 Euro. Auch die Gabler Group eröffnete bei 47,20 Euro nach einem Ausgabepreis von 44 Euro. SMAG sollte die Serie erfolgreicher Rüstungsdebüts fortsetzen. Stattdessen lieferte das Unternehmen den bislang härtesten Rückschlag.
Schon die Platzierung war ein Warnsignal
Die Zeichnungsspanne für die SMAG-Aktie lag zwischen 46 und 54 Euro. Anleger konnten die Papiere vom 2. bis 8. Juli zeichnen. Der endgültige Ausgabepreis wurde mit 46 Euro exakt am unteren Ende der Spanne festgesetzt. Das deutete bereits auf eine verhaltene Nachfrage hin.
Insgesamt wurden 2.817.500 Aktien platziert. Davon stammten lediglich 650.000 neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Weitere 1,8 Millionen Aktien verkaufte die SMAG Group. Hinzu kamen 367.500 bestehende Aktien für die Mehrzuteilungsoption. Damit kamen rund 77 Prozent des gesamten Angebots aus dem Bestand des Altaktionärs Aequita.
SMAG selbst nahm über die neuen Aktien brutto lediglich 29,9 Millionen Euro ein. Der weit größere Teil des Platzierungsvolumens entfiel auf Aktien des bisherigen Eigentümers. Der angestrebte Nettoerlös von 30,5 Millionen Euro war nach der Preisfestsetzung nicht mehr erreichbar.
Das gesamte Platzierungsvolumen lag bei 129,6 Millionen Euro. Auf Basis des Ausgabepreises wurde SMAG mit rund 259,9 Millionen Euro bewertet. Nach vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption beträgt der Streubesitz knapp 49,9 Prozent. Aequita hält weiterhin rund 50,1 Prozent.
Privatanlegern wurden über die Zeichnungsplattform DirectPlace lediglich 2.338 Aktien zugeteilt. Zeichnungsaufträge ab fünf Aktien wurden vollständig bedient. Die Aktie wird im Scale-Segment unter dem Kürzel 1SMA gehandelt.
Erster Kurs sorgt für einen Schock
Am Montag folgte die Quittung. Die Deutsche Börse stellte den ersten Kurs bei nur 35 Euro fest. Damit lag die Aktie sofort 23,9 Prozent unter dem Ausgabepreis. Im weiteren Handel rutschte der Kurs zeitweise bis auf 30,80 Euro. Zeichner saßen damit vorübergehend auf einem Verlust von rund 33 Prozent.
Am Nachmittag kostete die Aktie nur noch 31,27 Euro. Das entsprach einem Abschlag von gut 32 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Der Börsenwert war damit von knapp 260 Millionen auf weniger als 177 Millionen Euro geschrumpft.
Auch die Bewertung erklärt einen Teil der Zurückhaltung. Beim Ausgabepreis entsprach die Marktkapitalisierung etwa dem 4,3- bis 4,7-Fachen des für 2026 angepeilten Umsatzes. Auf Basis der prognostizierten bereinigten Marge lag das Verhältnis von Börsenwert zu erwartetem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern grob zwischen 21 und 25.
Das ist für ein kleines Unternehmen mit nur 170 Beschäftigten, ehrgeizigem Kapazitätsausbau und noch zu beweisender Skalierung anspruchsvoll. SMAG will die Produktionsfläche in Salzgitter bis Ende 2027 von rund 10.000 auf mehr als 20.000 Quadratmeter vergrößern. Eine neue Schweißanlage soll die Fertigungskapazität für Mastkomponenten verdoppeln.
Nach dem Absturz auf Kurse um 31 Euro ist die Bewertung deutlich gesunken. Automatisch günstig ist die Aktie deshalb aber nicht. SMAG muss die Gesamtleistung 2026 nahezu verdoppeln, die Produktion massiv ausbauen und zugleich die Marge steigern.
Fazit: Vorerst nur für die Watchlist
SMAG besitzt ein interessantes Nischenprodukt, starke technische Referenzen und einen strukturell wachsenden Absatzmarkt. Die breite internationale Kundenbasis, die geringe Verschuldung und die Einbindung in langfristige Rüstungsprogramme sprechen für das Unternehmen.
Der Börsenstart wirft jedoch viele Fragen auf. Der Ausgabepreis lag bereits am unteren Ende der Spanne. Rund drei Viertel der angebotenen Aktien stammten vom Altaktionär. Der Erstkurs brach fast 24 Prozent ein. Dazu kommen ambitionierte Wachstums- und Margenziele sowie ein Auftragsbestand, dessen größter Teil aus Rahmenvereinbarungen und noch nicht verbindlichen Projekten besteht.
Für mutige Anleger könnte der Kursrutsch irgendwann eine Chance eröffnen. Dafür sollte SMAG zunächst zeigen, dass aus den Rahmenverträgen feste Bestellungen werden und der Kapazitätsausbau ohne Margenprobleme gelingt. Entscheidend sind die ersten belastbaren Geschäftszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Bis dahin bleibt die SMAG-Aktie nur ein Fall für die Watchlist.
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