Intel-Kurs tritt auf der Stelle
Hochspannung vor den Quartalszahlen
Das heutige US-Börsengeschehen steht ganz im Banne der Quartalszahlen von Intel. Eher bescheidene Aussichten des Chip-Equipment-Segments haben den Philadelphia-Semiconductor-Index, das Barometer der US-Chip-Industrie, am Montag weich werden lassen. Dieser Trend setzte sich im frühen Handel zunächst fort, bevor sich nach einer Stunde Handel eine gewisse Stabilisierung abzeichnet.
Die Intel-Aktie selbst hatte nach dem mehr als 90%-igen Gewinneinbruch von AMD relative Stärke gezeigt und bewegt sich in einer engen Handelsspanne .
Analysten erwarten von Intel, dass das abgelaufene Quartal mit einem Gewinn je Aktie von 10 Cent abgeschlossen wurde. Im Vorquartal lag der Wert bei 16 Cent. Beim Umsatz gehen die Schätzungen im Durchschnitt von 6,29 Mrd.$ aus. In den ersten drei Monaten des Jahres waren 6,7 Mrd.$ erlöst worden. Vor einem Jahr lag der Wert bei 8,3 Mrd.$. Die Bruttomarge soll sich in einem Bereich zwischen 47% und 51% einpendeln, wobei das Unternehmen Anfang Juni die Erwartungen an das untere Ende leitete.
Marktbeobachter erwarten, dass Intel im jetzt laufenden Quartal 6,51 Mrd.$ umsetzt und 12 Cent je Aktie verdient. Dahinter steckt die Überlegung, der Chip-Markt als Ganzes werde die Talsohle im Sommer durchschreiten. Diese hochgesteckte Hoffnung kommt mit den Kommentaren und Ausblicken, die der größte Chip-Hersteller der Welt in seiner Telefonkonferenz heute Abend erläutert, auf den Prüfstand und wird größere Auswirkungen auf den gesamten Finanzmarkt der Hochtechnologie haben als die Quartalszahlen selber.
Darüber hinaus aber wird die Bruttomarge daraufhin abgeklopft, welche Spuren der andauernde Preiskrieg mit Wettbewerber AMD hinterlässt. Intel hat erst gestern die Preise für bestimmte Produkte deutlich gesenkt und damit eine neue Runde eingeläutet . Der PC-Markt präsentiert sich äußerst schwach, so dass Preissenkungen keineswegs zwangsläufig zu einer Ausweitung des Absatzvolumens führen. Damit aber schlagen sie voll auf die Ertragssituation durch.
CIBC World Markets hat vor kurzem die eigene Kaufempfehlung bestätigt: „Strong buy“ lautet das Urteil. SG Cowen glaubt, dass Intel seinen Ausblick auf das laufende Quartal nach unten korrigieren muss und erwartet einen Umsatzbereich zwischen 6,2 und 6,5 Mrd.$. Ein Ende des Preiskriegs sei nicht in Sicht. ABN AMRO hat die Intel-Aktie aktuell von „Halten“ auf „Verkaufen“ zurückgestuft. Es bestehe Abwärtspotenzial bis herunter zu 20$. Entweder verfehle das Unternehmen die Prognosen für das zurückliegende Quartal merklich, oder „leiht“ sich Geschäft aus dem dritten Quartal. Dann werden aber die Zahlen des gerade laufenden Quartals stark enttäuschen. Die Konsensusschätzungen für 2001 von 53 Cent und 2002 (76 Cent) seien zu hoch. Die Bank selbst sieht für 2001 einen Gewinn je Aktie in Höhe von 42 Cent und für 2002 einen wert von 60 Cent.
Die INTC-Aktie verliert bei recht lebhaftem Handel 1,3% auf 28,76$. Der 52-Wochen-Bereich liegt zwischen 22,25 und 75,81$. Der Philadelphia-Semiconductor-Index fällt um 0,5% auf 555 Punkte.
Autor: Klaus Singer, 19:54 17.07.01