@uelle:news@orf.at
Die Finanzkrise beschäftigt auch vier Jahre nach ihrem Hochkochen noch die US-Gerichte: Gegen die US-Großbank JPMorgan Chase ist erneut Klage wegen des Verkaufs hochriskanter Immobilienpapiere erhoben worden, der zum Bankrott von drei Genossenschaftsbanken geführt hat.
In einer Erklärung vom Freitag erhebt die für Genossenschaftsbanken zuständige US-Aufsichtsbehörde National Credit Union Administration (NCUA) den Vorwurf, mit dem Verkauf von Derivaten im Wert von 2,2 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro), die auf hochriskanten Immobilienkrediten basierten, seien die Börsengesetze gebrochen worden.
Verkauf trieb Banken in die Pleite
Getätigt wurden die Geschäfte vom Bankhaus Washington Mutual, das auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im September 2008 von JPMorgan Chase gekauft worden war. Washington Mutual und sein Mutterkonzern JPMorgan Chase hätten die drei Genossenschaftsbanken U.S. Central, Western Corporate und Southwest Corporate getäuscht, indem sie ihnen die hochriskanten und komplexen Papiere verkauft hätten, erklärte die NCUA. Die drei Genossenschaftsbanken seien daraufhin „insolvent geworden und mussten daher unter Aufsicht der NCUA gestellt werden“. Schließlich seien sie wegen der Verluste durch die Papiere abgewickelt worden.
Laut Klageschrift hatte Washington Mutual den Charakter der Derivate in vielfacher Hinsicht falsch dargestellt und wichtige Informationen verschwiegen. „Die Eindämmung und Reparatur der von Unternehmen wie Washington Mutual verursachten Schäden waren sehr teuer, und diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen“, kritisierte NCUA-Chefin Debbie Matz in der Erklärung. Alle von der NCUA beaufsichtigten Genossenschaftsbanken hätten diese Bürde mittragen müssen.
Nicht die erste solcher Klagen
Die NCUA leitete ähnliche Verfahren unter anderem gegen die Finanzinstitute Barclays Capital, Credit Suisse, Goldman Sachs und die von JPMorgan Chase erworbene Bank Bear Stearns ein. Mit Deutsche Bank Securities, Citigroup und HSBC schloss sie Vergleiche mit einem Umfang von mehr als 170 Millionen Dollar. Gegen JPMorgan Chase läuft auch eine Klage, die die New Yorker Staatsanwaltschaft im Oktober wegen falscher Angaben von Bear Stearns beim Verkauf von Hypothekenpapieren eingereicht hatte.
Verwicklung in größten Betrugsskandal aller Zeiten?
Gleichzeitig erhöhen die amerikanischen Aufsichtsbehörden auch im Fall des Milliardenbetrügers Bernard Madoff den Druck auf JPMorgan. Nach Informationen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg setzte Generalinspektor Eric Thorson den Verantwortlichen ein Ultimatum, um im Fall des Milliardenbetrügers doch noch mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Demnach hätte die Bank bis zum 11. Jänner Zeit, Dokumente zu übergeben, von denen sich die Kontrolleure einen Einblick in die Verwicklungen der Bank in den Fall erhoffen. Andernfalls droht Thorson mit Sanktionen.
Madoff wurde 2009 wegen des größten Anlagebetrugs in der Geschichte der Wall Street zu 150 Jahren Haft verurteilt. JPMorgan war mehr als zwei Jahrzehnte lang dessen Hausbank - Madoff wirft ihr vor, von den Betrugsgeschäften gewusst zu haben, was JPMorgan kategorisch abstreitet.