Washington Mutual: Ein Niedergang mit Fragezeichen
Sie war einst die größte Sparkasse der USA. Doch im September 2008, nur zehn Tage nach dem Bankrott der Investmentbank Lehman Brothers, brach auch Washington Mutual zusammen. Sehr zum Verdruss der Aktionäre.
Es war die bis dahin größte Bankenpleite in den USA: Washington Mutual, die sechstgrößte Bank der USA mit einer Bilanzsumme von einst 350 Milliarden Dollar habe nicht über ausreichend Liquidität verfügt, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, erklärten die Aufsichtsbehörden Ende September 2008. Die Sparkasse habe sich daher in einem unsicheren und unsoliden Zustand bezüglich ihrer Geschäftstransaktionen befunden.
Der Pleite Ende September waren in den beiden Wochen zuvor Einlagenabflüsse in Höhe von 16,7 Milliarden Dollar vorausgegangen. Die Bank wurde schließlich zerschlagen und zu wesentlichen Teilen an die Investmentbank JP Morgan veräußert – für 1,9 Milliarden Dollar. Nach Einschätzung von Aktionären viel zu wenig.
Zahlreiche Privatanleger, darunter auch etliche Deutsche, klagen seitdem auf Entschädigung. Sie wollen, dass die genauen Umstände, die zur Insolvenz der WaMu geführt haben, aufgeklärt werden. Der Fall hat solche Ausmaße angenommen, dass sich inzwischen mehr als 900 Anleger zu einer weltweiten Vereinigung zusammengeschlossen haben, um ihre Kräfte zu bündeln.
Aufgrund der zahlreichen Einwände – es sollen mehrere Hundert sein – muss das zuständige Konkursgericht in Delaware immer neue Anhörungen durchführen. Wann ein Urteil zu erwarten ist, steht deshalb noch nicht fest. Auch die Höhe einer eventuellen Entschädigung bleibt ungewiss. In den Foren der Aktionäre ist immer wieder die Rede von zwei bis vier Dollar je Aktie. Auch Verschwörungstheorien machen die Runde, von mafiösen Machenschaften ist die Rede, wenn es um die Abwicklung der WaMu geht.
Der Fall war auch lange Zeit beliebtes Diskussionsthema auf deutschsprachigen Internetplattformen. Dort geriet die zu einem Pennystock geschrumpfte WaMu-Aktie ins Visier von Zockern und Spekulanten. Inzwischen ist der Wert jedoch nahe Null gesunken und wird kaum noch gehandelt.
Mehr zum Top-Thema
Die Zombies der Finanzkrise
IKB: Verkaufsgerüchte und Online-Angebot
HRE: der Traum vom Wiederaufstieg
AIG: Auferstanden aus Ruinen
WASHINGTON MUTU...
0.02+0.00+3.57%
Klage gegen Führungsriege
Derweil hat die staatliche Einlagensicherung FDIC Klage gegen den früheren WaMu-Chef Kerry Killinger eingereicht. Auch zwei weitere Manager und zwei Ehefrauen sind betroffen. Die FDIC wirft der Gruppe vor, die Bank aus eigener Profitsucht in hochspekulative Geschäfte getrieben zu haben.
Sie versucht, ihr verlorenes Geld von den Bankmanagern zurückzubekommen. "Die Beklagten sollten für die Verluste der Bank haftbar gemacht werden", heißt es in der Klageschrift. Sie hätten grob fahrlässig gehandelt und die Bank mit ihrem Missmanagement in die Pleite geführt. Die genaue Schadenssumme muss nun das Gericht festlegen. Es soll sich um 900 Millionen Dollar handeln.
Die Umstände der Insolvenz der WaMu werden demnächst auch in einem Buch besprochen. Die Journalistin Kerstin Grind, die zuvor regelmäßig über die umstrittene Abwicklung der Bank berichtet hatte, will darin ihre Recherchen zu dem Fall zusammenfassen. Voraussichtlicher Titel: "The Rise and Fall of WaMu". Erscheinen soll das Werk Anfang kommenden Jahres.
Klage gegen Führungsriege
Derweil hat die staatliche Einlagensicherung FDIC Klage gegen den früheren WaMu-Chef Kerry Killinger eingereicht. Auch zwei weitere Manager und zwei Ehefrauen sind betroffen. Die FDIC wirft der Gruppe vor, die Bank aus eigener Profitsucht in hochspekulative Geschäfte getrieben zu haben.
Sie versucht, ihr verlorenes Geld von den Bankmanagern zurückzubekommen. "Die Beklagten sollten für die Verluste der Bank haftbar gemacht werden", heißt es in der Klageschrift. Sie hätten grob fahrlässig gehandelt und die Bank mit ihrem Missmanagement in die Pleite geführt. Die genaue Schadenssumme muss nun das Gericht festlegen. Es soll sich um 900 Millionen Dollar handeln.
boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_534932