Hans Peter Juretzki ist 49 Jahre alt. Er kommt aus einer Bickendorfer Arbeiterfamilie und hat Starkstromelektriker ge-lernt. Seit 1973 ist er SPD- Mitglied. Ein bisschen sieht er aus wie Jürgen von der Lippe, nur etwas weicher und sympathi-scher. Und er spricht dieses wunderbar fröhlich dahinplätschernde Kölsch.
Ihn hat der Kölner Klüngel doppelt getroffen. Er ist der Geschäftsführer des „Arbeitskreises für das Ausländische Kind“. Und weil sein Vorgänger eine Viertel Million Euro unterschlagen hat, kann Hans Peter Juretzki nicht mehr viel bewerkstelligen für das ausländische Kind. Er ist halt „noch am Abbezahlen“, wie er sagt.
Peter Juretzki ist aber außerdem auch noch der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende der SPD von Bickendorf-Ostendorf. Und jetzt hat er es wie viele Genossen in NRW wirklich schwer, Wahlkampf zu machen. Als alle Plakate und Werbeflyer gedruckt waren, musste der ursprüngliche Kandidat für Bicken-dorf/Ostendorf zurücktreten, weil ihm in einem Parteiordnungsverfahren nachge-wiesen wurde, dass auch er eine Spendenquittung von 3000 Mark angenommen hat. Weil er einer der ersten war, bei dem die Partei das durchexerziert hat, musste er tatsächlich gehen. Andere, die später drankamen, durften bleiben, auch wenn sie höhere Quittungen angenommen oder ausgestellt hatten. Die Journalisten haben irgendwann eben nicht mehr so genau hingeschaut.
„Das klingt jetzt wieder so, als ob das in Köln alles so ein fieser Klüngel ist“, sagt Hans Peter Juretzki. „Ist es aber im Prinzip nicht. Nicht mehr jedenfalls, als überall anderswo auch.“
Das Prinzip erklärt Juretzki so: „Jeder Übungsleiter und jeder Vereinsvorsitzende im Land bezahlt doch nur noch mit Spendenquittungen. So finanzieren sich doch alle gemeinnützigen Vereine ihre Eigenmittel.“
Und jetzt schauen sich die Reporterin und der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende nach einander sehr erstaunt an: Alle Vereine finanzieren ihre Eigenmittel über Spendenquittungen?
Hans Peter Juretzki kann sehr freundlich schauen, als wollte er sagen: So blöd können Sie doch nicht sein, wenn Sie bei einer großen Zeitung arbeiten, dass sie das nicht wissen.
Mit Spendenquittungen bezahlen, das geht offenbar so: Die Kapelle beim Bickersdorfer Vedelfest zum Beispiel nimmt normalerweise 500 Euro. Denen sagt man dann: Die 500 Euro kriegst du nicht. Du kriegst dafür eine Spendenquittung, auf der steht „1000 Euro erhalten und 1000 Euro gestiftet“.
Und dann können die ihre fiktiven 1000 Euro von der Steuer absetzen und haben so indirekt 500 Euro bekommen?
„Genau. Und ich halte das auch für legitim. Anders würde es doch gar nicht mehr funktionieren in diesem Land.“
Und weil es anschließend ein wenig nachdenklich und still geworden ist im Konferenzraum der Arbeitsgemeinschaft für das ausländische Kind, sagt Peter Juretzki auch noch mit kindlichem Trotz in der Stimme: „Helmut Kohl hat bis heute nicht gesagt, wo seine Flocken her sind.“
Auszug aus der SZ vom 7.9.02, ("Ausgebrannt und Ausgebrannt")