....Ausgerechnet Nick Ferguson, ein alter Hase der Beteiligungsszene, hatte aus dem Nähkästchen geplaudert. In einem Interview gab er zu, dass seine Kollegen bei ihren Übernahmen (Buyouts) weniger Steuern zahlten als eine Putzfrau auf der Insel.
Zwar war es Tony Blair und den USA auf dem jüngsten G8-Gipfel noch gelungen, Private-Equity Gesellschaften und Hedgefonds vor Einschränkungen zu schützen und die Forderungen nach größerer Transparenz weitgehend abzuschmettern. Doch der Druck, diese an eine kürzere Leine zu legen, kommt jetzt für Blairs Nachfolger, den bisherigen Finanzminister Gordon Brown, aus den eigenen Reihen und aus der breiten Öffentlichkeit.
Vergangene Woche haben sich weitere vier Chefs großer Private-Equity-Firmen vor einemFinanzausschuss des Unterhauses erklären müssen. Das war bereits die dritte Anhörung. ...Der Kern der Debatte betrifft die krasse steuerliche Bevorzugung der Bosse von Private-Equity-Firmen, wenn diese heute ein Unternehmen kaufen und es morgen – oft hoch verschuldet, aber mit ein paar tausend Leuten weniger Personal – mit Milliardengewinn weiterverkaufen.
Um dieses „Unternehmertum“ auf der Insel zu fördern, hatte ausgerechnet Gordon Brown vor neun Jahren jenen Firmenbesitzern, die ihr Unternehmen nach zehn Jahren verkaufen, eine von 40 auf zehn Prozent verringerte Wertzuwachs-Steuer („capital gains tax“) eingeräumt. Später senkte Brown die „Haltefrist“ auf fünf Jahre und 2002 auf nur noch zwei Jahre. Das war der Startschuss für die „Megabucks“ – der traditionell mit extrem kurzen Zeithorizonten operierenden privaten Beteiligungsgesellschaften.
Berücksichtige man noch weitere Steuerkonzessionen, zahlten die Buyout-Bosse sogar noch „deutlich weniger“ als die zehn Prozent Abgaben, stimmte jetzt selbst die „Financial Times“ in den Chor der Kritiker ein.Die Hedgefonds verfolgen das Debakel der von einem Labour-Abgeordneten als „Meister des Universums“ bezeichneten Chefs der Private-Equity-Gesellschaften „mit Entsetzen“, heißt es......Ein offenes Ohr fand der Gewerkschafter auch mit seiner Klage, dass sich die Private Equity Fonds oft auf Kosten der von ihnen übernommenen Unternehmen bereicherten, indem sie die Schulden in die Unternehmen packten und Tausende Mitarbeiter abbauten. Sie gingen mit Menschen wie mit „Chips beim Roulette“ um.Auf dem Hearing am 4. Juli mussten die Chefs der vier Private-Equity Firmen auch den Vertretern der Finanzaufsicht FSA Rede und Antwort stehen. Falls diese zu dem Schluss kommen sollte, dass manches der durch ein Buyout hoch verschuldete Unternehmen letztlich eine Gefahr für die Wirtschaft und das Finanzsystem darstellte, könnte eine weitere Säule in der Verteidigungslinie der bedrängten Branche brechen. Nämlich, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Umstrukturierung der britischen Wirtschaft leiste....allerdings:Als eine seiner ersten Amtshandlungen holte Brown zwei der prominentesten Vertreter der Private-Equity-Branche, Damon Buffini von Permira und (Sir) Ronald Cohen von Apax, in einen neuen Wirtschaftsrat.www.diepresse.com/home/wirtschaft/...schaft/economist/index.do