Die heute anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank findet in einem schwierigen Umfeld statt. Angesichts eines im freien Fall befindlichen Häusermarkts sowie zum Teil schwacher Quartalszahlen von US-Banken bei zugleich anhaltenden Verspannungen am Geldmarkt gilt es an den Finanzmärkten als sicher, dass die Fed ihren Leitzins um 25 Basispunkte - auf dann 4,50 Prozent - senken wird.
Einige Beobachter halten sogar eine Zinssenkung um gleich 50 Basispunkte für nicht unwahrscheinlich, und auch an den Terminmärkten wird die Chance hierfür immerhin bei 20 Prozent gesehen.
Allerdings gibt es durchaus Gründe gegen eine abermalige zinspolitische Lockerung, vor allem weil die Gesamtwirtschaft der USA bisher keine erheblichen Schwächezeichen gezeigt hat. Das jüngste Beige Book ergab, dass das Wachstum zwischen Ende August und Anfang Oktober in sieben von zwölf Fed-Distrikten relativ robust war, zudem dürfte die US-Wirtschaft im dritten Quartal insgesamt um annualisiert drei Prozent - und damit auf dem Potenzialpfad - gewachsen sein.
Darüber hinaus haben Äußerungen von Fed-Offiziellen zuletzt nicht immer auf die unbedingte Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen hingedeutet. Das gilt auch für Fed-Chairman Ben Bernanke, der am 19. Oktober betonte, die Senkung des Zielsatzes der Fed-Funds-Rate um 50 Basispunkte am 18. September habe allein den Zweck gehabt, schlimmeren konjunkturellen Auswirkungen der Liquiditätskrise vorzubeugen. Bernanke nutzte dabei nicht die Gelegenheit, auf den Rückgang bestimmter Inflationsmessgrößen hinzuweisen, sondern warnte vor anhaltenden Inflationsrisiken, die sich aus steigenden Öl- und Nahrungsmittelpreisen ergeben hätten.
Das aus Sicht von Bankvolkswirten wichtigste Argument für eine abermalige Zinssenkung ist aber nach wie vor nicht in der Realwirtschaft zu suchen. Vielmehr ist es die auch bei der Fed vermutete Befürchtung, die von der Hypothekenmarktkrise ausgelöste Kreditklemme in den USA könnte das Wirtschaftswachstum noch nachhaltig beeinträchtigen. Der Internationale Währungsfonds hat dieses Szenario erst jüngst zum wichtigsten Risiko für das Wachstum der Weltwirtschaft erklärt. Wahrscheinlich werden deshalb die FOMC-Vertreter ihre Bedenken über Bord werfen und für eine weitere Lockerung der Geldpolitik votieren.