Zum Ende der WestLB
von Michael Vaupel
Liebe Leserin, lieber Leser,
*** Also sprach diese Woche EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia:
Die WestLB werde zerschlagen!
Und so soll es geschehen.
Bis Mitte 2012 soll dies erfolgt sein - und das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands wird damit keine eigene Landesbank mehr haben. Künftig sollen die Reste der WestLB als "Verbundbank" eine Niederlassung der Helaba sein.
Die Abwicklung kostet auch noch, und nicht zu knapp. Von bis zu 5,85 Mrd. Euro ist die Rede. Anteil des Landes Nordrhein-Westfalen: Wohl ein Milliärdchen.
Da zeigt sich, dass auch staatliche Bankhäuser nicht vor dem üblichen Fehlverhalten der Banker der Jahre 2006 bis 2009 gefeit waren.
Alles auch keine "höhere Gewalt". Die Finanzaufsicht Bafin bemängelte in eindeutigen Worten, dass es bei der WestLB "gravierende Fehler bei der Risikokontrolle" gebe. Verantwortlich: Der gesamte Vorstand. Das war bereits im Jahr 2007. Es gab weitere Mahnungen, eindeutige Worte.
"Kein Kommentar" zunächst bei der WestLB, wie schön. Wenig später entließ der damalige Vorstandschef einige Mitarbeiter, und musste dann selber gehen. Doch ach, es wurde nicht besser.
Selbstverschuldet in den Untergang. Wohl wollten sie Macht, und um mit Zarathustra zu sprechen, zuerst das Brecheisen der Macht, viel Geld - diese Unvermögenden!
Wäre skurril unterhaltsam - wenn nicht am Ende der Steuerzahler dafür aufkommen müsste. Dabei hatte der Haushaltsplan Nordrhein-Westfalen für 2012 noch eine Senkung der Neuverschuldung vorgesehen. Wahrscheinlich Pustekuchen - "dank" WestLB.
*** Und kurz darauf lese ich eine Meldung zu der Entwicklung der Einkommenszuwächse von amerikanischen Top-CEOs - und merke, dass mir "Occupy Wall Street" immer sympathischer wird.
(CEOs = chief executive officers, in etwa Vorstandsvorsitzende)
Konkret: Eine Umfrage zeigt, dass die CEOs in Amerika im letzten Jahr ihre Bezüge um bis zu 40% steigen sahen - und ein CEO verdiente sage und schreibe 145 Mio. Dollar.
(Quelle: Umfrage "US CEO pay").
Die Zuwächse lagen zwischen 27% und 40%.
Topp-Verdiener war John Hammergren von McKesson ("Healthcare") - er verdiente 145,266 Mio. Dollar, größtenteils durch Aktien-Optionen. Hat er das wirklich "verdient"?
Meiner unmaßgeblichen Ansicht zufolge ist die Jahresarbeit keines einzigen Managers 145 Mio. Dollar wert.
Dies alles umso stärker vor diesem Hintergrund: Die durchschnittlichen Gehälter der Angestellten der betreffenden Unternehmen sind kaum gestiegen. Insgesamt gilt für die Mehrheit der amerikanischen Arbeiter(innen), dass der Anstieg ihrer Bezüge noch nicht einmal mit der Inflationsrate mithalten konnte.
Da läuft etwas gewaltig schief, wenn sie mich fragen. Mit meinem Kollegen Bill Bonner tauschte ich mich dazu aus, er spricht von "degneriertem Kapitalismus". Passt.
Zum Glück betrifft das nur die USA, haha. Hierzulande kann es noch gar nicht so schlecht stehen - denn Geld für Bücher von Dieter Bohlen haben die Leute noch.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Traders Daily