alle, die auf steigende vola setzen und in den entsprechenden Zertis stecken, sollten sich das folgende unbedingt mal ansehen. Es gab ja einigen Unmut über die Wertentwicklung der Zertis:
VDAX-Zertifikate nicht ohne Tücken
Seit Monaten setzen Anleger auf einen nachhaltigen Anstieg der Volatilität im Markt. Ein beliebtes Vehikel dazu ist das VDAX-NEW Open END-Zertifikat von Goldman Sachs. Noch ist der Volatilitätsschub ausgeblieben, während gleichzeitig das Bezugsverhältnis dieses Zertifikats immer weiter verwässerte. Doch woran liegt das und worauf sollten Anleger achten?
Wenn die Realität hinter den Erwartungen zurückbleibt, dann ist das an den Börsen zumeist mit Verlusten verbunden. Unterlaufen beispielsweise die Quartalsergebnisse eines Unternehmens die Markterwartungen, geraten die entsprechenden Aktien in der Regel unter Druck – ein Phänomen, das den meisten Anlegern vertraut ist. Dass es bei Anlagezertifikaten auf den Volatilitätsindex VDAX-NEW in ähnlicher Form um das Zusammentreffen von Realität und Erwartungen geht, ist vielen Anlegern indes weniger bekannt und verlangt nicht zuletzt deshalb nach Aufklärung, da VDAX-NEW-Zertifikate etwa von Goldman Sachs in den vergangenen Wochen zu den Umsatzspitzenreitern im Handelssegment Euwax zählten. Und gerade bei diesen Produkten kam es im Juli zu einigen unangenehmen Verwerfungen.
Worum geht’s? Der VDAX-NEW ist ein erst vor wenigen Monaten von der Deutschen Börse neuberechneter Index, der die erwartete Marktschwankung – auch Volatilität genannt –der kommenden 30 Tage des führenden deutschen Aktienindex DAX widerspiegelt. Berechnet wird dieser aus den Mittelkursen aller an der Terminbörse Eurex gehandelten DAX-Optionen. Die Deutsche Börse berechnet jedoch nicht nur einen V-DAX-NEW für die kommenden dreißig Tage, sondern jeweils einen so genannten Subindex für die folgenden drei Monate. Anhand dieser Subindizes ergibt sich somit ein Bild, wie die Erwartung der künftigen Volatilitätsentwicklung ist. Notiert der erste VDAX-NEW Subindex für den aktuellen Monat oberhalb der künftigen Subindizes, wird für die Zukunft mit einer rückläufigen Schwankungsintensität im DAX gerechnet. Liegen dagegen die folgenden Subindizes oberhalb des jeweils ersten VDAX-NEW-Subindex, wird für die Zukunft mit einer steigenden Volatilität gerechnet. Und letzteres ist exakt das Bild, welches der VDAX-NEW und seine Subindizes im bisherigen Jahresverlauf zeichneten. Gleichzeitig haben etliche Anleger erkannt, dass sich die derzeitige Volatilität im DAX seit Monaten auf einem historisch niedrigem Niveau bewegt und daraus den Wunsch entwickelt, mit Anlagezertifikaten etwa auf den VDAX-NEW, auf einen baldigen Anstieg der Volatilität zu spekulieren.
Um dieser Nachfrage gerecht zu werden hat Goldman-Sachs ein endlos laufendes Anlagezertifikat auf den VDAX-NEW unter dem Namen „VDX-NEW Open END-Zertifikat“ (WKN
GS0DVD) emittiert. Und so wie es die Stärke dieses Zertifikats ist von einem nachhaltigen Anstieg der Volatilität zu profitieren, so zeigt es seine Schwäche, wenn die künftig erwartete Volatilität hoch, die tatsächliche aber niedrig bleibt. Und diese Schwäche haben in den vergangenen Monaten einige Anleger auf unangenehme Weise zu spüren bekommen.
Was ist passiert? Um ein endlos laufendes Anlagezertifikat auf den VDAX-NEW berechnen zu können, muss Goldman-Sachs regelmäßig von einem Subindex auf den VDAX-NEW auf einen späteren wechseln. Ganz genau berechnet Goldman Sachs aus den künftigen zwei Subindizes auf den VDAX-NEW mittels eines Interpolationsverfahrens einen synthetischen VDAX-NEW und wechselt einmal im Monat - zum sogenannten Rolltermin - auf den jeweils kommenden Kontrakt. Durch dieses Verfahren verbrieft das VDX-NEW Open END-Zertifikat immer Volatilität vom nächsten monatlichen Ausübungstermin für die daran anschließenden 30 Tagen. Ein Beispiel: Im Juni bildeten die Grundlage für die aktuelle Wertberechnung des Goldman Sachs VDAX-NEW Open END-Zertifikat die Subindizes der Monate Juli und August. Aus diesen beiden Kontrakten ergab sich durch Interpolation ein Wert für die künftig erwartete Schwankungsintensität im DAX, auf die Goldman Sachs die Kurse seines VDAX-NEW Open END-Zertifikats berechnete.
Jedes Mal, wenn ein neuer Rolltermin ansteht, ergibt sich somit ein neuer synthetischer VDAX-NEW, auf den Goldman Sachs seinen Preise berechnet. Gleichzeit darf dem Anleger durch das Rollen zwischen den einzelnen Subindizes kein monetärer Schaden entstehen. Das VDAX-NEW Open END-Zertifikat muss nach dem Rollen immer noch den gleichen Wert haben wie vorher, auch wenn die Basis – der synthetische VDAX-NEW – plötzlich eine andere ist. Und das lässt sich nur dadurch gewährleisten, dass jeweils das Bezugsverhältnis des VDAX-NEW Open END-Zertifikats an den jeweils neuen Kontrakt angepasst wird.
Beim jüngsten Rolltermin am 21 Juli ergab sich jedoch eine ausgesprochen deutliche Diskrepanz zwischen den, in den VDAX-NEW-Subindizes für August und September erwarteten, Volatilitäten. So stand der VDAX-NEW-Subindex für August zum Rollzeitpunkt um 17:30 Uhr bei 12,97 Punkten, der für September jedoch um mehr als 130 Basispunkte höher bei 14,30 Zählern. Dadurch ergab sich eine erhebliche Anpassung des Bezugsverhältnisses des VDAX-NEW Open END-Zertifikats nach unten. Während das Bezugsverhältnis noch vor der Anpassung bei etwa 0,89 lag, verwässerte es durch das Rollen auf einen Wert von lediglich 0,73.
Wie wurde angepasst? Um nachvollziehen zu können, wieso das Bezugsverhältnis durch die Interpolation so deutlich nach unten gerutscht ist muss zunächst einmal die Interpolation des August- und September-Kontrakts des VDAX-NEW verstanden werden. Hier die Interpolationsformel:
Für den synthetischen VDAX-NEW, den Goldman Sachs interpolierte, ergab sich somit ein Wert für die künftig erwartete Volatilität von 15,60 Zählern. Dazu addierte Goldman Sachs die üblichen Rollkosten von 25 Basispunkten hinzu und erhielt einen Wert von rund 15,85 Punkten. Der aktuelle VDAX-NEW-Kontrakt notierte zu diesem Zeitpunkt bei 12,98 Punkten, so dass sich unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses des VDX-NEW Open END-Zertifikat von 0,89 ein Fairer Wert für das Zertifikat von 11,53 Euro ergab. Um diesen Fairen Wert auch nach dem Rollen zu erhalten, musste dieser ins Verhältnis zum neuen synthetischen VDAX-NEW-Kontrakt inklusive der Rollkosten gesetzt werden, woraus sich das neue Bezugsverhältnis von 0,73 nach folgender Formel ergab:
Die Schlussfolgerung: Das VDAX-NEW Open END-Zertifikat ist ein Produkt, mit dem Anleger auf steigende Volatilitäten setzen können, dessen Preis jedoch bereits eine Volatilitätserwartung in Form des synthetischen VDAX-NEW enthält. Diese Erwartung, die nun aktuell bei 15,85 Punkten liegt, muss somit bis zum nächsten Rolltermin vom aktuellen VDAX-NEW-Kontrakt erreicht werden, damit der Anleger keine Verluste erleidet. Vor einem Investment ist es somit zwingend erforderlich, sich mit diesen Wert vertraut zu machen und diesen mit den persönlichen Volatilitätserwartungen abzugleichen.
Sollte die kurzfristige Volatilität, gemessen im jeweils aktuellen VDAX-NEW-Kontrakt weiterhin hinter den hohen Erwartungen der künftigen Kontrakte zurück bleiben, droht auch in Zukunft eine weitere Verwässerung des Bezugsverhältnis im VDAX-NEW Open END-Zertifikat von Goldman Sachs.