Die EZB-Liquidität halbiert sich – wann wird es für Banken eng?

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Das Euro-Zeichen vor der EZB in Frankfurt.
© querbeet / iStock / Getty Images Plus / Getty Images
Die Überschussliquidität im Euroraum hat sich mehr als halbiert. Noch bleibt der Geldmarkt stabil. Die DZ Bank sieht die EZB vor einer wichtigen Liquiditätsprobe.
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Hinweis

Im Euroraum ist deutlich weniger überschüssiges Geld im Bankensystem als noch vor wenigen Jahren. Die Überschussliquidität fiel laut Christian Reicherter, Analyst der DZ Bank, von rund 4.700 Milliarden Euro im November 2022 auf etwa 2.200 Milliarden Euro. Damit hat sie sich mehr als halbiert.

Der Grund liegt vor allem bei der Europäischen Zentralbank. Sie baut ihre aufgeblähte Bilanz ab. Frei werdendes Geld aus auslaufenden Anleihen wird nicht mehr neu angelegt. So verschwindet nach und nach Zentralbankgeld aus dem Markt.

Für Anleger ist das wichtig, weil Banken ausreichend Liquidität brauchen, um sich gegenseitig Geld zu leihen und ihre Geschäfte stabil zu finanzieren. Wird Liquidität knapp, können die Zinsen am Geldmarkt stärker schwanken. Im schlimmsten Fall entstehen Spannungen im Finanzsystem.

Bislang sieht die DZ Bank dafür aber keine klaren Hinweise. Zwar ist die vorhandene Liquidität ungleich verteilt. Rund 65 Prozent liegen in Deutschland, Frankreich und Belgien. Trotzdem funktioniert die Verteilung im Euroraum offenbar weiter gut.

Auch die Geldmarktsätze senden noch keine Warnsignale. Am besicherten Markt, an dem Banken Geld gegen Sicherheiten leihen, bleibe die Lage ruhig. Am unbesicherten Markt zeige sich ebenfalls kein akuter Stress. Der Abstand zwischen wichtigen kurzfristigen Zinssätzen ist zwar gestiegen. Reicherter sieht darin aber eher ein Zeichen dafür, dass Marktteilnehmer sensibler auf sinkende Liquidität achten.

Auch die Banken selbst wirken bisher entspannt. Sie greifen kaum auf die regulären Geldangebote der Europäischen Zentralbank zurück. Seit Jahresbeginn wurden im Wochentender im Schnitt nur rund 12 Milliarden Euro abgerufen. 

Die Europäische Zentralbank hat sich bereits vorbereitet. Banken können sich weiterhin unbegrenzt Liquidität über ihre Refinanzierungsgeschäfte holen, solange sie ausreichende Sicherheiten stellen. Zudem wurde der Abstand zwischen Einlagezins und Hauptrefinanzierungssatz von 50 auf 15 Basispunkte gesenkt. Das macht die Geldaufnahme bei der Notenbank attraktiver.

Künftig könnte ein neuer längerfristiger Tender dazukommen. Damit könnten Banken Liquidität für einen längeren Zeitraum sichern. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen. Die DZ Bank hält eine Laufzeit von rund 12 Monaten für möglich.

Der Handlungsdruck für die Europäische Zentralbank steigt aus Sicht von Reicherter aber erst, wenn Banken deutlich stärker auf diese Geldangebote zugreifen. Davon ist bislang nichts zu sehen.

Botschaft an Anleger

Die Liquidität im Euroraum sinkt kräftig. Der Geldmarkt bleibt aber stabil. Kritisch wird es erst, wenn Banken wieder spürbar mehr Geld von der Europäischen Zentralbank brauchen.

Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion



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