Wie sehr Dividenden die Gesamtstrategie beherrschen, zeigt das Beispiel Deutsche Telekom. Der Konzern dürfte trotz eines um sieben Prozent geringeren Gewinns vor Steuern und Abschreibungen die Dividende erhöhen – und damit über 80 Prozent des Nettogewinns an die Aktionäre weitergeben.
Was bei Aktionären gut ankommt, stößt bei Experten auf Skepsis. „Wenn die Gewinne nicht mitsteigen, drohen künftig Kürzungen“, sagt LBBW-Stratege Frank Schallenberger. 2002 und 2003 hatte die Telekom die Dividende gestrichen. Der Aktienkurs geriet dadurch verstärkt unter Druck. Auch in den folgenden Jahren zählte die T-Aktie zu den größten Verlierern im Dax.
Als einziger Dax-Konzern wird Tui mit einer Dividende von 0,77 Euro pro Aktie sogar an die Substanz gehen: Der Nettogewinn liegt wahrscheinlich 12 Cent niedriger. „In guten wie in schlechten Zeiten hält Tui seine Anleger mit konstanten Dividenden bei der Stange. Das ist in Ordnung, solange Unternehmen nicht mehrere Jahre in Folge an die Substanz gehen“, sagt Schallenberger. Beispiele wie in Italien, wo der Energiekonzern Enel über Jahre mehr ausschüttet, als er verdient, gibt es in Deutschland nicht. Einen Teil der Dividende finanziert Enel durch Beteiligungsverkäufe.
Da die deutschen Konzerne 2007 erneut Rekordgewinne erwirtschaften dürften, werden die Dividenden 2008 wieder steigen. „Die Nagelprobe, ob Firmen kontinuierlich stabile Ausschüttungen präsentieren, steht erst an, wenn die Gewinne nicht mehr sprudeln“, sagt Schallenberger.
Doch noch ist kein Ende des Gewinnsegens in Sicht und deshalb sprudeln die Dividenden. Allein im Mai dürften die Firmen – einschließlich der Altana-Sonderdividende – rund 18 Mrd. Euro ausschütten. Das entspricht dem gemeinsamen Börsenwert von Lufthansa und MAN. Insgesamt schütten die Dax-Konzerne für das Geschäftsjahr 2006 voraussichtlich rund 26 Mrd. Euro aus.
Einsame Spitze ist Altana. Die Bad Homburger kommen mit einer Sonderausschüttung von 4,5 Mrd. Euro oder 31 Euro je Aktie für den Verkauf des Pharmabereichs auf eine Dividendenrendite von über 70 Prozent. Doch Altana-Aktionäre geben dafür auch einen Großteil ihres Geschäfts auf und müssen wohl mit einem ebenso hohen Kursabschlag am Tag der Dividendenzahlung rechnen.
Interessanter als solch hohe Sonderdividenden sind die „herkömmlichen“ Ausschüttungen. Gleich 7 der 30 Dax-Konzerne steigern ihre Dividende um mehr als ein Viertel. Ebenfalls 7 Unternehmen überschreiten die Milliarden-Marke. Mit 97 Prozent dürfte RWE seine Dividende am stärksten steigern. Die Zuversicht gründet sich auf die sprudelnden Gewinne infolge der steigenden Energiepreise und den Verkauf der britischen Tochter Thames Water. Da der Versorger nach eigener Aussage eine Ausschüttungsquote von 70 bis 80 Prozent anstrebt, ergibt sich eine Gesamtdividende von knapp 1,8 Mrd. Euro oder 3,45 Euro pro Aktie. „Solch ein Verhalten ist zwar lobenswert, aber RWE dürfte diese hohe Dividende auf Dauer kaum halten können“, sagt LBBW-Experte Frank Schallenberger.
Mit einem Plus von 44 Prozent sticht auch die Deutsche Bank hervor. Der Branchenprimus hatte im Laufe des Jahres angekündigt, schrittweise seine Ausschüttungsquote auf 50 Prozent zu erhöhen. Bei einer veranschlagten Quote von 35 Prozent im nächsten Jahr ergeben sich pro Aktie 3,60 Euro. Wie sehr Dividenden bei Aktionären an Gewicht gewinnen, verdeutlicht die Deutsche Börse. „Hier orientiert sich das Management an festen Ausschüttungsquoten“, sagt LRP-Analyst Andreas Hürkamp. Hintergrund ist der Streit aus dem Vorjahr um die Übernahme des britischen Wettbewerbers LSE. Damals übten die beiden Hedge-Fonds Atticus Capital und TCI erfolgreich Druck auf die Deutsche Börse aus, doch lieber die Ausschüttung kräftig zu erhöhen, statt die LSE zu kaufen. Dieser Maxime dürften die Frankfurter weiter treu bleiben (müssen). Die Strategen rechnen angesichts der weiter steigenden Gewinne mit knapp drei Euro. Das wäre ein Plus von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und entspräche dem Gewinnzuwachs im laufenden Jahr.
Doch es gibt immer noch knausrige Unternehmen. Die Automobilspezialisten BMW und Continental dürften weniger als ein Fünftel ihres Gewinns an die Aktionäre weitergeben. Solange die Aktienkurse indes kräftig steigen, murren Aktionäre nicht. Auch der Sportartikelhersteller Adidas und der Versicherungsriese Allianz schütten wenig aus. „Angesichts rasant steigender Gewinne werden die Konzerne
ihre Dividenden erhöhen, aber Dax-Standard erreichen sie nicht“, sagt Hürkamp.
Gruss Ice
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Börsengewinne sind Schmerzengeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld...(A.K.)