CHART-KOLUMNE: Konsolidierung setzt sich fort
HAMBURG (dpa-AFX) - Mit einem recht deutlichen Schlussspurt in der letzten halben Handelsstunde konnten die US-Standardwerte-Indizes Dow Jones und S&P 500 Index am Donnerstag Abend ihr bis dahin technisch kurzfristig kritisches Bild wieder aufbessern und im Tageshoch schließen. Somit setzt sich zunächst die Konsolidierung (besonders im Kursverlauf des Dow Jones ausgeprägt) in beiden Börsenbarometern fort. In beiden NASDAQ´s scheint die jüngste Abwärtsreaktion ebenfalls zu stoppen.
Besonders im Kursverlauf der US-Indizes wird deutlich: solange charttechnische Begrenzungen von Staubereichen bzw. Konsolidierungszonen nicht wirklich über- oder unterschritten werden, solange gilt der neutrale Charakter des Marktes auch weiterhin. "Vorspringen wollen" macht wenig Sinn. In der Konsequenz bleibt der Dow Jones sowie der S&P 500 Index unverändert neutral in der Beurteilung, mittlerweile wird diese Aussage auch im S&P 500 Index markttechnisch bestätigt.
Zur Orientierung: im Dow Jones definieren sich die Zonenbegrenzungen in den Bereichen 10574 (untergeordnet) und 10524 (übergeordnet) auf der Unterseite, sowie 10717 auf der Oberseite. Im S&P 500 Index leiten sich die Zonengrenzen in den Bereichen um 1222 / 1221 (untere Begrenzung) und 1245 (obere Begrenzung) her. Damit gilt: beide Märkte gelten aktuell auch weiterhin als technisch neutral im Rahmen einer bestehenden Konsolidierungsphase. Diese Aussage behält ihre Gültigkeit, solange im Tageschart keine der genannten Zonengrenzen per Schlusskurs verletzt wird.
In beiden NASDAQ´s liegen uns im Grunde noch immer tertiäre Abwärtstrends, in Reaktion auf den jeweils vorangegangenen sekundären Aufwärtstrend, vor. Von ihrem Ausmaß her schöpften die Reaktionen in beiden Indizes die errechneten minimalen Korrekturpotentiale (bezogen auf die Wegstrecke der vorangegangenen letzten aufwärts ausgerichteten Bewegungsschübe) aus. Im NASDAQ 100 erfolgte dies knapp, hier wäre sogar noch Platz auf der Unterseite gewesen. Im NASDAQ Comp. lag das Reaktionstief des Tertiärtrends sogar einen "Hauch" unter der Minimumkorrektur. Dennoch, die jüngste Entwicklung in den US-Indizes lässt die Erwartungshaltung wachsen, dass möglicherweise nun auch hier der Effekt eintritt, den wir in Europa bereits sahen: Wiederaufnahme der übergeordnet unverändert gültigen Aufwärtstrends.
In den Europa-Indizes ist das Gesamtbild dagegen unverändert klar: die übergeordneten Aufwärtstrends sind weiterhin intakt, sie werden auch zum Wochenende hin in jeder Hinsicht bestätigt, es lassen sich keine sinnvollen Widerstände herleiten und es liegen keine Indikationen vor, die ein Ende des Aufschwungs aus technischer Sicht rechtfertigen würde. Ein kurzfristig erhöhtes Reaktionsrisiko liegt vor, sollte uns jedoch nur zum Nachziehen von Stop-Kursen auf bestehende Long-Positionen bewegen - eine Vorwegnahme einer möglichen Richtungsänderung macht auch hier keinen Sinn. Somit bleiben mittelfristig angedachte Short-Positionen außerhalb unserer Überlegungen und kurzfristige Trading-Shorts sollten diszipliniert abgeschnitten werden, "wenn es nicht läuft".
Als grundsätzliches Fazit halten wir fest: wir bleiben strategisch bullish, die dominante Aufwärtsbewegung gibt die Positionierungsrichtung vor. Erstes wirklich ernstzunehmendes Warnzeichen, dass der Impuls seinem Ende entgegen geht, ist statistisch gesehen erst ein nachhaltiges (per Schlusskurs bestätigtes) Unterschreiten der dann jeweils gültigen Minimumkorrektur.
ÖL-PREIS
Beeindruckend bleibt der Anstieg des Öl-Preises. Mit 66.11 USD im bisherigen Tageshoch im Crude-Oil-Light-Sweet und einem Spitzenpreis von 65.67 USD im Brent-Crude-Oil, setzt Öl seine stabile Hausse fort. Neue Rekorde - fast Tag für Tag. Widerstände sind nicht vorhanden, markt- wie charttechnisch ist alles im "Grünen Bereich" (abgesehen von einer kurzfristigen, temporären Überhitzung auf der Oberseite), somit bleiben wir auch hier strategisch bullish.
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Positionseröffnungen in solch beständigen Trends überhaupt noch Sinn machen, oder ob man "hilflos" zusehen muß, wie einem der Markt wegläuft. Hierzu einige grundsätzliche Anmerkungen, wie wir das sehen (somit nur eine persönliche Ansicht unsererseits):
- Solange alle Indikationen für eine Trendfortsetzung sprechen, ist ein Einstieg grundsätzlich zu jeder Zeit möglich. - Das Risiko, als Letzter in den Markt einzusteigen, kann einem nie genommen werden, auch nicht, wenn im Zuge einer Reaktion ein Kaufsignal auftritt - selbst dieses kann am Ende versagen. Zugegeben, abgeschlossene Reaktionen mit anschließenden Kaufsignalen erhöhen die Chance auf einen erfolgreichen Trade, bieten aber ebenfalls keine Gewähr. - In der Konsequenz ist es somit immer zwingend, mit Stop-Kursen zu arbeiten. - Bezogen auf Marktphasen, wie wir sie gerade im Öl-Preis sehen, sei angemerkt: mitunter macht es Sinn, nur eine Teilposition zu eröffnen, für den (größeren) Positionsrest sollte tatsächlich eine Zwischenreaktion abgewartet werden, welche allerdings oberhalb des dann errechneten minimalen Korrekturpotentials erfolgen sollte !!!
BUND-FUTURE
Der Bund-Future beeindruckt durch seine Zähigkeit. Im Zuge der Stabilisierung der US-T-Bond-Futures setzt sich tatsächlich auch die Nachfrage im Bund erwartungsgemäß weiter durch (siehe Aussagen in den Kommentaren der letzten Tage). Allerdings darf nicht vergessen werden: sowohl in den Kursverläufen der T-Bond-Futures, als auch im Bund-Future selbst, dominiert derzeit eine übergeordnete Abwärtstendenz (stärker und eindeutiger in den T-Bond-Futures ausgebildet). Somit unterstellen wir aktuell eine technische Reaktion auf der Oberseite.
Im Bund-Future hat die Nackenlinie der übergeordneten Doppelspitze bisher gehalten - das ist schon einmal Fakt !!! Die Unterstützung um 121.28 / 121.15 behält ihre Gültigkeit. Bereits in den Tageskommentaren der letzten Tage wiesen wir auf die auftretende Nachfrage hin, die dem Kursverlauf nahe der Unterstützung immer wieder unter die Arme griff. Am Donnerstag schaffte es der Bund-Future, den Kursverlauf an die derzeit gültige Widerstandsebene bei 121.77 / 121.85 zu heben (Tageshoch 121.78). Jetzt wird sich zeigen, ob die Kraft ausreicht, diese Hürde zu überspringen. In diesem Falle eröffnet sich weiteres Aufwärtspotential in Richtung 122.78. Wichtig ist hierbei jedoch: schafft der Bund-Future es tatsächlich, diesen Sprung zu realisieren, ist das Thema "Doppelspitze" erst einmal vom Tisch.
DAX
Widerstände: 5126 (O);
Unterstützungen: 4934 (O), 4803 (O), 4637 / 4623 (u), 4517 (O), 4490 (O);
Aktuell angepasste Korrekturpotentiale, bezogen auf die Wegstrecke des laufenden Aufwärtsimpulses, ausgehend vom 07. Juli 2005:
4807 / 4780 Minimumkorrektur
4716 Normalkorrektur
4651 / 4625 Maximumkorrektur
Sowohl im DAX-Index, als auch im FDAX liegt uns per Donnerstag ein so genannter negativer Inside bar vor. Lehrbuchmäßig wäre diese Zweitageskombination ein Verkaufsmuster und sollte damit im Grunde eine erneute erwartete Reaktion einleiten. Auch wenn die Vorgaben aus den USA heute zumindest in der Eröffnung alles andere als schwache Kurse erwarten lassen, wollen wir dennoch überprüfen, was denkbar wäre.
Unterstellen wir, dass wir eine Musterkombination, wie wir sie jetzt im FDAX vorliegen haben, tatsächlich als Verkaufsmuster ausnutzen wollten und eröffnen die Short-Position nach Musterausbildung (im praktischen Falle wären wir dann Donnerstag Abend short gegangen), testen wir jetzt, welchen statistischen Erfolg wir bis jetzt damit hätten haben können.
(1) Wir eröffnen die Short-Position bei Mustervollendung auf Basis des Schlusskurses. Musterdefinition beschreibt die Zweitageskerzen in sich und zueinander, wie vorliegend, der Trend wird über einen steigenden 5 Tagedurchschnitt definiert. Positionsschließung erfolgt auf Basis des heutigen Eröffnungskurses. Gemessener Zeitraum: 11 Jahre. Ergebnis wäre negativ (insgesamt Verlust), unruhige Ertragskurve - fallend, dennoch Trefferquote von 54,90 Prozent, aber nur Profitfaktor von 0,87. Das heißt: Gewinne fielen sehr knapp aus, Verluste waren dagegen heftig.
(2) Wir eröffnen die Short-Position bei Mustervollendung auf Basis des Schlusskurses. Musterdefinition beschreibt die Zweitageskerzen in sich und zueinander, wie vorliegend, der Trend wird über einen steigenden 5 Tagedurchschnitt definiert. Positionsschließung erfolgt nach einem erreichten Profit von 1 Prozent, Stop-Kurs am oberen Ende des Kursmusters. Gemessener Zeitraum: 11 Jahre. Ergebnis wäre positiv (insgesamt Gewinn), unruhige Ertragskurve - in den letzten Jahren jedoch kontinuierlich ansteigend, Trefferquote von 47,06 Prozent, Profitfaktor von 1,43. Das heißt: gute Gewinne, Verluste hielten sich in Grenzen.
(3) Wir eröffnen die Short-Position bei Mustervollendung auf Basis des Schlusskurses. Musterdefinition beschreibt die Zweitageskerzen in sich und zueinander, wie vorliegend, der Trend wird über einen steigenden 5 Tagedurchschnitt definiert. Positionsschließung erfolgt nach einem erreichten Profit von 2 Prozent, Stop-Kurs am oberen Ende des Kursmusters. Gemessener Zeitraum: 11 Jahre. Ergebnis wäre positiv (insgesamt Gewinn), unruhige Ertragskurve - auch hier steigt die Kurve erst in den letzten Jahren steiler an, Trefferquote von 36 Prozent, Profitfaktor von 1,37. Das heißt auch hier: gute Gewinne, Verluste hielten sich in Grenzen.
(4) Wir eröffnen die Short-Position bei Mustervollendung auf Basis des Schlusskurses. Musterdefinition beschreibt die Zweitageskerzen in sich und zueinander, wie vorliegend, der Trend wird über einen steigenden 5 Tagedurchschnitt definiert. Positionsschließung erfolgt nach einem erreichten Profit von 4 Prozent (!), Stop-Kurs am oberen Ende des Kursmusters. Gemessener Zeitraum: 11 Jahre. Ergebnis wäre positiv (insgesamt Gewinn), unruhige Ertragskurve - auch hier steigt die Kurve erst in den letzten Jahren steiler an, Trefferquote nur noch von 24 Prozent, Profitfaktor von 1,26. Das heißt hier: sehr gute Gewinne, wenn es denn läuft, Verluste hielten sich in Grenzen.
Was zeigt uns das? Kurzfristig taugt das Muster im FDAX nichts. Bessere Ergebnisse erhält man, wenn man die Eröffnung im FDAX am Folgetag abwartet (weil diese unter Umständen höher ausfällt als Schlusskurs Vortag). Setzt sich der Abwärtsimpuls dann tatsächlich durch, ist er mitunter heftig, was die vergleichsweise guten Ergebnisse bei schlechter / magerer Trefferquote belegen.
---Uwe Wagner---
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Quelle: dpa-AFX