Aber was ist, wenn die schlechten Nachrichten nachlassen und sich so langsam abzeichnet, dass die Krisen überwunden sind? Wohin dann mit der ungeheuren Liquidität, zu der niedrige Zinsen führen? Es bleiben, wie gesagt, nur wenige Alternativen.
Doch, und das ist wohl die alles entscheidende Frage, wann ist es soweit? Leider kann man sich hier nicht auf die Medien verlassen. Wenn Sie dort zu lesen / hören kriegen, dass die Krise größtenteils vorbei sei, haben die meisten institutionellen Anleger darauf schon längst gesetzt. Aus diesem Grund wird es zuerst zu steigenden Kursen und dann mit den steigenden Kursen zu immer „besseren“ Nachrichten kommen. Wenn alles wieder richtig rosig und sorgenfrei aussieht, wird es zu spät sein - das kennen wir.
Kurse machen Nachrichten
Es ist immer so. Die Medien und die Meldungen folgen den Kursen zeitversetzt. So finde ich es überaus lustig, dass jetzt überall diverse Horrorszenarien wie Unkraut aus dem Boden sprießen. Davon war Mitte 2008 als die Kurse noch stiegen wenig zu lesen. Mich erinnert diese düstere Stimmung fast schon ein wenig an 2003, auch wenn es noch bei weitem nicht so dramatisch ist wie damals. Deutlich ist jedoch zu spüren, dass die Wortwahl der Bären immer aggressiver wird. Da werden jene Statistiken und diese Grafik herausgekramt (meisten kennt man die schon seit Jahren) und als schlussendlicher Beweis des drohenden Untergangs aufgeführt – wieder einmal.
Es tut mir leid, wenn ich das fast schon zynisch schreibe. Aber es ist einfach immer das gleiche Spiel. Nur es ist so wenig hilfreich – denn meistens sind die Vertreter der Horrorszenarien immer genau in der Nähe der Tiefs am lautesten.
Vorsicht ist aber notwendig
Aber gerade in der aktuellen Situation sollte man nicht vorschnell urteilen. Im Moment bin selbst ich vorsichtig. Denn natürlich besteht angesichts der doch großen Probleme in der Finanzwirtschaft eine nicht zu leugnende Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich in eine Baisse an den Aktienmärkte übergehen - aber diese ist zurzeit noch deutlich niedriger als die Wahrscheinlichkeit einer Rallye.
Angst ist immer ein schlechter Ratgeber
Nur selbst wenn es zu einer Baisse kommen sollte, machen solche Horrorszenarien keinen Sinn. Sie verbreiten nur Angst und Angst ist immer einer der schlechtesten Ratgeber an den Börsen. Wie oft hat Angst dazu geführt, dass man am Tief verkauft hat. Wie oft hat Angst dazu geführt, dass man aus dem Markt gedrückt wurde. Also - Angst hat an den Börsen nichts zu suchen und damit auch keine Horrorszenarien (allerdings auch keine Rosa-Blümchenwelt-Analysen)
Wichtiger ist, hier mit klaren Gedanken so emotionslos wie möglich zu analysieren was IST und nicht, was einem die Angst, beziehungsweise das fehlgeleitete Sicherheitsdenken vorgaukelt zu sein.
Weitere Indizien
Aus diesem Grund möchte ich Ihnen weitere Indizien vorstellen und noch einmal an den Präsidentschaftszyklus erinnern, den ich Ihnen schon im letzten Jahr vorgestellt hatte. Bei Wahljahren gilt, dass das erste Halbjahr eher schwach verläuft:

Also, bis jetzt kann man durchaus von einem schwachen Jahresstart sprechen - das steht wohl außer Frage. Interessant ist, dass gerade der März zu den tendenziell eher stärkeren Monate gehört. Ab Mitte April sollte man dann wieder vorsichtiger werden. Diese Entwicklung wird mit dem großen Verfallstag im März zusammenhängen.
Insgesamt bleibt aber das ganze erste Halbjahr schwierig. Ab Juni (spätestens) wird dann die typische Wahlrally starten.
Natürlich ist das nur ein Hinweis, eine Richtung, nicht in jedem US-Wahljahr verlaufen die Kurse genau gleich. Wenn Sie mich jedoch schon länger lesen, wissen Sie, dass der Präsidentschaftszyklus eine gute Grundlage für Prognosen darstellt.
Es passt zusammen
Wenn wir davon ausgehen, dass niedrige Zinsen sich um sechs Monate zeitversetzt auf die US-Wirtschaft auswirken, und betrachten, wann die Fed anfing, die Zinsen zu senken und wann diese das aktuelle Niveau erreicht haben, würde das zu dem Präsidentschaftszyklus passen. Sollte sich also ab Mai/Juni abzeichnen, dass die US-Wirtschaft sich erholt, könnten die Kurse tatsächlich anfangen, immer deutlicher zu steigen. Der März ist auf jeden Fall ein Monat, der hierzu den ersten Startschuss geben könnte.
Also, wir haben nicht nur niedrige und weiter sinkende Zinsen und deren Auswirkung auf die US-Wirtschaft im Rücken, wir haben im Prinzip auch den Präsidentschaftszyklus auf unserer Seite.
Die andere Seite
Gegen einen Anstieg sprechen der schwache Dollar, der damit verbundene starke Ölpreis und die Inflation. Doch hier muss man einschränkend sagen, dass diese beiden Faktoren normalerweise vom Markt als negativ beurteilt werden, weil sie unter regulären Umständen zu Zinserhöhungen führen. Und damit sind wir wieder beim Anfang des heutigen Newsletters: Ben Bernanke versucht zurzeit alles, um die Bereitschaft der Fed zu unterstreichen, die Krise mit sinkenden Zinsen zu bekämpfen.
Aus diesem Grund könnte es sein, dass diese belastenden Faktoren erst einmal zurückgestellt werden. Aber, keine Frage, wenn die Märkte sich erholen und das bis zum Jahresende, dann wird es 2009 kritisch, ob Sie dann aber noch diese ganzen Horroszenarien zu hören bekommen, ist mehr als fraglich.
Immer hübsch antizyklisch!
Viele Grüße
Jochen Steffens