Telekom könnte Investitionen bremsen


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Telekom könnte Investitionen bremsen

 
17.09.01 02:40

Telekom könnte Investitionen bremsen


Von Bertrand Benoit, Andreas Krosta, Dan Roberts und Guido Warlimont

Die Deutsche Telekom könnte ihre Investitionen im nächsten Jahr um über 1 Mrd. Euro zurückfahren, um den geplanten Abbau von Schulden zu erreichen.


Bisher plant das Unternehmen mit Investitionen von 11,5 Mrd. Euro. Doch Konzernchef Ron Sommer sagte, er sei zuversichtlich, dass der Konzern seine Schulden wie geplant senken könne, auch weil es Flexibilität bei den Investitionen gebe.

Mit Verbindlichkeiten von 65,5 Mrd. Euro Ende Juni gehört die Telekom zu den am höchsten verschuldeten Unternehmen weltweit. Der Konzern hat angekündigt, die Schulden bis Ende nächsten Jahres auf 50 Mrd. Euro zu senken. Doch wie bei anderen Unternehmen wird dies durch die fallenden Aktienkurse erschwert.

Schlechte Nachrichten für Zulieferer


"Es gibt Spielraum bei den Investitionen, die wir zurückfahren könnten, ohne dass wir unsere Wachstumsprognosen in Gefahr brächten. Man muss die Maschine nicht mit Höchstgeschwindigkeit fahren", sagte Sommer. Seine Aussagen dürften ein weiterer Grund zur Sorge für die Hersteller von Telekommunikationsanlagen werden, wie Ericsson, Nokia oder Siemens. Die Telekom ist einer ihrer größten Kunden weltweit. "Es gibt Flexibilität bei den Investitionen in allen Bereichen. [...] Das ist nur für die Zulieferer eine schlechte Nachricht", sagte Sommer.


Der Konzernchef betonte, das Ziel sei weiterhin erreichbar, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis zum Jahr 2004 um 14 Prozent jährlich zu steigern - auch wenn die Investitionen gesenkt würden. Der Telekom-Konkurrent France Telecom hatte in der vergangenen Woche gewarnt, er könne seine Pläne zur Senkung der Schulden nicht einhalten.


Auch mit Blick auf die Terroranschläge in den USA zeigte sich Sommer besorgt. "Ich war sehr besorgt über die Schuldensituation in der Branche. Und heute bin ich es um so mehr." Schließlich sei nicht klar, wie die Anleihenmärkte auf die Anschläge reagierten. Zu viele Firmen hätten ihre Finanzierung mit der Vorstellung eines "ewig währenden Paradieszustandes" geplant.

Kein schneller Börsengang von T-Mobile


Trotz der hohen Schulden will sich Sommer nicht zu einem übereilten Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile drängen lassen. Ein solcher Schritt könnte dem Konzern nach Schätzungen bis zu 10 Mrd. Euro in die Kasse spülen. Die Telekom hat den ursprünglich bereits für 2000 geplanten Börsengang jedoch auf frühestens nächstes Jahr verschoben. Agenturen für die Bonitätsbewertung wie Standard & Poor’s oder Moody’s sehen in dem T-Mobile-Börsengang einen wichtigen Baustein für den Schuldenabbau der Telekom.


"Wir lassen uns nicht durch die Ratingagenturen dazu drängen, [den Börsengang] zu einem falschen Zeitpunkt durchzuziehen", sagte Sommer. Selbst wenn die Bonitätsbewertung der Telekom herabgestuft werde, verursache das lediglich Kosten von 90 Mio. Euro an Zinszahlungen pro Jahr. Ein missglückter Börsengang könne dagegen viel teurer werden.

Keine Einigung mit Hutchison


Sommer räumte ein, dass es weiterhin keine Einigung mit dem Großaktionär aus Hongkong, dem Konzern Hutchison Whampoa, gibt, wann und wie dieser seine Telekom-Aktien verkaufen wird. Der überraschende Verkauf eines ersten Pakets von T-Aktien aus Hutchison-Besitz, hatte im August einen Kurssturz ausgelöst. Der Tiefpunkt wurde vergangene Woche erreicht, als die T-Aktie zeitweise unter den Ausgabepreis beim Börsengang 1996 fiel.


Sommer sagte, er halte den Verkauf von Aktienpaketen, die Großaktionäre durch die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Voicestream durch die Telekom erhalten hatten, für ein kurzfristiges Problem, das weitgehend unter Kontrolle sei. "Wir wissen alle, am Jahresende ist dieses Thema vom Tisch. Für die Arbitrageure wird es jetzt sehr risikoreich auf fallende Kurse der T-Aktie zu setzen, weil fundamental derzeit keine Verbindung mehr zwischen dem Wert des Unternehmens und dem Aktienkurs besteht."


Er erwarte, dass sich die Aktienkurse im nächsten Jahr stabilisierten, sagte der Konzernchef. Außerdem sei die Zahl der Aktien in der Hand verkaufswilliger Großaktionäre klein im Vergleich zum täglich gehandelten Volumen. Er sieht deshalb in dem niedrigen Aktienkurs keinen Grund für einen Strategiewechsel: "Sie können dieses Unternehmen nicht nach kurzfristigen [Börsen-]Schwankungen führen. Dies ist ein Tanker, nicht eine kleines Segelboot."

ftd.

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