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MARBURG (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom hat am Dienstag die Leitungen zum früheren Konkurrenten TelDaFax abgeknipst. Erstmals seit dem Fall des Telefonmonopols vor mehr als drei Jahren wurden damit einem der größeren Telefon-Billiganbieter die Mietleitungen durch den einstigen Monopolisten endgültig gekappt. Der Grund sind unbezahlte Rechnungen in Höhe von 65 Mio. DM. TelDaFax-Vorstand Stefan Koch kündigte für Freitag den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens an.
Als neuen Partner nannte er MCI Worldcom . Die Gespräche der derzeit noch etwa 30-000 Vertragskunden der börsennotierten TelDaFax würden zu den bisherigen Tarifen über das Netz von MCI Worldcom geleitet, sagte Koch der Nachrichtenagentur dpa.
UMSTELLUNG AUF MCI-NETZ - KEINE ÜBERNAHME
Die Umstellung auf das MCI-Netz werde schrittweise in den nächsten Tagen erfolgen. Koch widersprach Medienberichten, wonach TelDaFax von der US-Unternehmen MCI übernommen werden soll. "Es gibt keine Übernahme. Wir kaufen lediglich Telefonminuten von MCI und verkaufen sie an unsere Vertragskunden." Laut Koch wird das Marburger Unternehmen das Call-by-Call-Geschäft über die Einwahl 01030 nicht weiterführen.
Das Landgericht Köln hatte am vergangenen Freitag eine einstweilige Verfügung vom April aufgehoben. Damit war die Telekom zunächst verpflichtet worden, TelDaFax gegen Vorauskasse von wöchentlich fünf Mio. DM in ihr Netz zu nehmen. Bereits im April war TelDaFax wegen offener Rechnungen für etwa zwei Wochen abgeschaltet worden und hatte in dieser Zeit viele Kunden verloren. Einer möglichen Klage gegen die Telekom gibt Koch wenig Chancen. "Man muss erkennen, wenn die Schlacht verloren ist."
TELDAFAX VERKAUFT NEBST TÖCHTERN AUCH DAS EIGENE TELEFONNETZ
Nach Angaben von Koch wird TelDaFax entgegen früherer Planungen neben ihren Tochter-Firmen auch ihr 2.800 Kilometer umfassendes Telefon-Netz verkaufen. Ein Teil der derzeit noch 230 Arbeitsplätze in Marburg soll trotz des Finanzdebakels erhalten werden, sagte er. TelDaFax trete künftig als Wiederverkäufer von Telefondienstleistungen auf. In diesem Bereich könnten etwa 30 Arbeitsplätze gesichert werden. Nach Schätzungen von Koch könnten weitere rund 100 Angestellte in einer neuen Service-Gesellschaft unterkommen, die Dienstleistungen für andere Anbieter übernimmt.
TelDaFax hatte nach eigenen Angaben zeitweise bis zu 144.000 Vertragskunden in Deutschland. 1999 war ein Umsatz von 670 Mio. DM ausgewiesen worden. Nach Telekom-Angaben wurden bisher etwa zehn kleineren Telefongesellschaften die Mietleitungen unter anderem wegen Insolvenz gekündigt. In den vergangenen Jahren waren bundesweit etwa 400 Lizenzen für Telekommunikationsanbieter vergeben worden. /ro/DP/so/hi