22.06.2002: Ceyoniq wird zur GmbH
AG vom Neuen Markt ausgeschlossen
Bielefeld (mika). Mit dürren Worten vermeldete Dr. Hartmut Stange, der Insolvenzverwalter der Bielefelder Ceyoniq AG, Freitag die Rettung. Zumindest für einen Teil des Software-Unternehmens: „Die Ceyoniq GmbH wird ab dem 01. 07. 2002 mit rund 105 Mitarbeitern den Geschäftsbetrieb der Ceyoniq AG übernehmen“, so Stange.
Dem Bielefelder Rechtsanwalt ist es demnach gelungen, innerhalb von rund zwei Monaten Investoren zu finden: Dies seien „mehrere namhafte Großkunden aus dem Versicherungsbereich“, hieß es. Den Kunden bleibe ein kostspieliger Wechsel zu Anbietern ähnlicher Software (für Archivierung und Dokumenten-Management) damit erspart, so Stange: „Die auf dem Markt hervorragend eingeführten Produkte stehen auch in Zukunft uneingeschränkt zur Verfügung. Weiterentwicklung, Wartung und Support sind gewährleistet.“
Die nötigen Investitions-Summen wurden nicht beziffert. Nach Informationen aus dem Umfeld von Ceyoniq gehören zu den Investoren die DEVK (Köln) und ein Konsortium einer Hand voll weiterer Kunden.
Ceyoniq soll diesen unbestätigten Informationen zufolge von 80 Mitarbeitern im Stammhaus in Bielefeld und 25 Mitarbeitern in der Niederlassung München weiter geführt werden. Die von Insolvenzverwalter Stange eingesetzten Interims-Vorstände Burkhard Krokowski und Stefan Menzel werden demnach nicht mehr der neuen Unternehmensleitung angehören. Statt dessen soll ein externer Berater an die Spitze rücken.
Der erst 2001 bezogene, für 14 Millionen Euro errichtete Verwaltungsneubau in Bielefeld-Brackwede dürfte künftig zu groß sein: Wahrscheinlich werde die Frankfurter DZ Bank, die das Gebäude finanziert habe, zusätzliche Mieter suchen.
Rund 150 Mitarbeiter der Ceyoniq AG werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Wie Hartmut Stange dazu mitteilte, stehe ein Interessenausgleich und ein Sozialplan kurz vor dem Abschluss mit den Betriebsräten.
Einzelne Tochtergesellschaften des einst fast 1.000 Mitarbeiter zählenden Konzerns – darunter Insiders (Kaiserslautern) und die US-Tochter Ceyoniq Inc. – sind inzwischen verkauft worden. Die amerikanische Gesellschaft habe eine Gruppe um den Hauptaktionär der Vorläuferfirma Treev Inc. gekauft. „Für die übrigen ausländischen Töchter werden ebenfalls schnelle Lösungen gesucht“, so Stange.
Noch nicht geklärt zu sein scheint die Zukunft des 60-Prozent-Anteils an der börsennotierten Group AG (Karlsruhe). Nach Karlsruhe seien bisher keine Informationen gedrungen, so der Group-Vorstand .
Die Deutsche Börse AG in Frankfurt teilte unterdessen mit, die Ceyoniq AG werde zum 14. Juli vom Neuen Markt ausgeschlossen. Das Papier, dessen Kurs gestern von 0,06 auf 0,05 Euro fiel, werde dann zunächst am geregelten Markt weiter gehandelt. „Wegen einer Reihe von Regelverstößen“, so erklärte eine Sprecherin den Ausschluss. Dazu gehöre das Fehlen eines Jahresberichtes für das Jahr 2001. Ein entscheidender Grund sei außerdem das Insolvenzverfahren. Die Bielefelder hätten sich bisher gegen den Ausschluss nicht gewehrt. Andererseits sei aus Bielefeld auch noch kein Antrag auf Delisting in Frankfurt eingegangen. Experten warnen vor einem Kauf der Aktien: Sollte die Ceyoniq AG (nach Gründung der GmbH) liquidiert werden, würden die Papiere wertlos.
Die Ceyoniq AG hatte am 12. April 2002 den Insolvenzantrag gestellt. Die Ex-Vorstände Thomas Wenzke und Jürgen Brintrup befinden sich seit dem 16. April in Untersuchungshaft. Wenzke wird Betrug mit Forderungsverkäufen vorgeworfen, Brintrup Bilanzbetrug.
QUELLE: NW vom 22.6.2002