TALLINN (dpa-AFX) - Estlands Außenminister Margus Tsahkna hat die jüngsten Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder und Warnungen vor einer "Dämonisierung" Russlands scharf kritisiert. Aufrufe, ein Land, das den brutalsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg führt, nicht zu dämonisieren, seien "schlichtweg entsetzlich", schrieb Tsahkna auf der Plattform X. Gleiches gelte für die Andeutungen auf eine erneute Zusammenarbeit im Energiebereich mit Russland.
Schröder hatte zuvor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine in einem Gastbeitrag für die "Berliner Zeitung" als völkerrechtswidrig bezeichnet, aber zugleich nachgeschoben: "Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind". Auch plädierte der SPD-Politiker, der seit Jahren wegen seiner langjährigen Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik steht, für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus dem Land.
Tshakna: "Wandel durch Handel ist gescheitert"
In einer weiteren Mitteilung seines Ministeriums bezeichnete Tshakna die Äußerungen des Altkanzlers als "heimtückischen Versuch", Europa zu spalten. Damit solle es vom aktuellen Kurs des Drucks auf Russland abgebracht und zu alten Fehlern zurückgeführt werden. "Russlands umfassende Aggression gegen die Ukraine ist die direkte Folge jahrelanger Beschwichtigungspolitik und jahrzehntelanger Überzeugung, Handel könne Aggressionen eindämmen", schrieb der estnische Außenminister. "Wandel durch Handel ist gescheitert". Es gebe kein Zurück.
Estland grenzt im Osten an Russland. Das baltische EU- und Nato-Land ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt./awe/DP/jha
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