Das würde den Sparkassen so passen. Über ein Jahr lang füllte die Diskussion über die genaue Gestalt des S-Brokers die Spalten der Wirtschaftszeitungen. Mehr als sieben Jahre hat die Sparkassenorganisation gebraucht, um eine Antwort auf den Angriff der Discount Broker zu finden. Und nun soll mit Consors einer der Revolutionäre gekauft werden. Stefanie Burgmaier
Nur zur Erinnerung: Es war im Jahr 1994, als die DAB Bank und Consors starteten. Sie setzten auf die Wertpapierkunden, die sich selbst helfen können und keine Beratung brauchen. Dafür waren die Preise extrem günstig.
Damit griffen die Revolutionäre vor allem die großen Verbundorganisationen an. Schließlich hatten sich viele Aktiensparer schon oft über die Tipps der Berater in den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen geärgert. Viele nutzten diese Institute lediglich zur Abwicklung ihrer Wertpapiergeschäfte. Und ihnen kamen DAB Bank und Consors gerade recht.
Sparkassen verloren eine halbe Million Kunden
Rund eine halbe Million Kunden kehrten allein den Sparkassen den Rücken und eröffneten ein Depot bei einem Discount Broker. Doch die Verbundorganisationen taten sich mit einer Antwort schwer. Erst wurde das Ausmaß der Wanderungsbewegung klein geredet, dann verzweifelt nach einer Antwort in endlosen Gremiensitzungen gesucht.
Die großen Sparkassen verloren die Geduld. Die Hamburger Sparkasse, die Frankfurter Sparkasse oder die Stadtsparkasse München entwickelten ihre eigenen Lösung für eigenständige Anleger. Erst im März 2000 fiel die Grundsatzentscheidung, dass die Sparkassen einen eigenen S-Broker an den Start schicken.
Dann wurde noch einmal mehr als ein Jahr diskutiert, wie der Broker denn auszusehen habe. Seit dem vergangenen Jahr agiert der neue Broker.
Sparkassen streben Marktführerschaft an
Starthilfe gab dabei der Direktanbieter Pulsiv, der von HSBC Trinkaus & Burkhardt an die Sparkassen veräußert wurde. Damit kaufte sich der S-Broker immerhin 17.500 Kunden ein. Inzwischen handeln 45.000 Kunden beim sparkasseneigenen Anbieter. Doch das ist noch weit entfernt von der angestrebten Marktführerschaft. Würde Consors an den S-Broker wandern, kämen die Sparkassen diesem Ziel ein Stück näher. Sie würden mit einem Schlag eine halbe Million Kunden gewinnen.
Doch darin liegt auch eine große Gefahr. Discount-Broker-Kunden sind scheu und beweglich, scheuer und beweglicher als herkömmliche Bankkunden. Wenn ihnen die Leistungen nicht passen, wechseln sie. Es gibt schließlich genug Alternativen. Deshalb müsste Consors Freiheiten und Identität behalten, damit die Kunden bleiben. Der S-Broker müsste die Kinder der Revolution pflegen, statt sie zu fressen.
© 2002 sharper.de
So long,
Calexa
Nur zur Erinnerung: Es war im Jahr 1994, als die DAB Bank und Consors starteten. Sie setzten auf die Wertpapierkunden, die sich selbst helfen können und keine Beratung brauchen. Dafür waren die Preise extrem günstig.
Damit griffen die Revolutionäre vor allem die großen Verbundorganisationen an. Schließlich hatten sich viele Aktiensparer schon oft über die Tipps der Berater in den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen geärgert. Viele nutzten diese Institute lediglich zur Abwicklung ihrer Wertpapiergeschäfte. Und ihnen kamen DAB Bank und Consors gerade recht.
Sparkassen verloren eine halbe Million Kunden
Rund eine halbe Million Kunden kehrten allein den Sparkassen den Rücken und eröffneten ein Depot bei einem Discount Broker. Doch die Verbundorganisationen taten sich mit einer Antwort schwer. Erst wurde das Ausmaß der Wanderungsbewegung klein geredet, dann verzweifelt nach einer Antwort in endlosen Gremiensitzungen gesucht.
Die großen Sparkassen verloren die Geduld. Die Hamburger Sparkasse, die Frankfurter Sparkasse oder die Stadtsparkasse München entwickelten ihre eigenen Lösung für eigenständige Anleger. Erst im März 2000 fiel die Grundsatzentscheidung, dass die Sparkassen einen eigenen S-Broker an den Start schicken.
Dann wurde noch einmal mehr als ein Jahr diskutiert, wie der Broker denn auszusehen habe. Seit dem vergangenen Jahr agiert der neue Broker.
Sparkassen streben Marktführerschaft an
Starthilfe gab dabei der Direktanbieter Pulsiv, der von HSBC Trinkaus & Burkhardt an die Sparkassen veräußert wurde. Damit kaufte sich der S-Broker immerhin 17.500 Kunden ein. Inzwischen handeln 45.000 Kunden beim sparkasseneigenen Anbieter. Doch das ist noch weit entfernt von der angestrebten Marktführerschaft. Würde Consors an den S-Broker wandern, kämen die Sparkassen diesem Ziel ein Stück näher. Sie würden mit einem Schlag eine halbe Million Kunden gewinnen.
Doch darin liegt auch eine große Gefahr. Discount-Broker-Kunden sind scheu und beweglich, scheuer und beweglicher als herkömmliche Bankkunden. Wenn ihnen die Leistungen nicht passen, wechseln sie. Es gibt schließlich genug Alternativen. Deshalb müsste Consors Freiheiten und Identität behalten, damit die Kunden bleiben. Der S-Broker müsste die Kinder der Revolution pflegen, statt sie zu fressen.
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