Silber: Kleine Analyse von Anbebot und Nachfrage


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kalle4712:

Silber: Kleine Analyse von Anbebot und Nachfrage

 
12.08.03 10:19
Wer meine Postings bei Ariva ein wenig verfolgt hat, der weiß, dass ich viel von Gold- und Silberminen-Aktien halte.

Rohstoffe im allgemeinen sind derzeit grotesk billig. Wird dies so bleiben? Was ist, wenn die Konjunktur in den USA längerfristig nur schleppend verläuft und Aktien daher nicht gut laufen? Welche Folgen haben die irrsinnigen Staatsverschuldungen? Und wenn die Inflation wieder anzieht? (Dies würde mich bei der derzeitigen Niedrigzins-Politik nicht überraschen.)
Daher sollte man erwägen, zur Risikostreuung einen Teil seines Vermögens in echten Werten statt in Papiergeld bzw. Aktien anzulegen.

Die folgende Analyse kann für die Entscheidungsfindung Hilfestellung geben. (Quellenangabe unten)


Der kommende Silberboom

Der Schreiber erwarb erstmals Silber Dollars in den Jahren 1950-1960. Da damals keine Inflation herrschte, konnte er die Silber-Dollars äußerst günstig erwerben und mußte lediglich einen Dollar in Papiergeld dafür bezahlen.
Während der Präsidentschaft von Lyndon B. Johnson wurden Silberdollar von der Bundesregierung nicht mehr geprägt, da wegen des Vietnamkriegs Inflationspolitik zur Kriegsfinanzierung betrieben wurde. In den frühen 70-er Jahren fing der Silberpreis, zusammen mit den Preisen für Gold, Platin und Öl zu steigen an, um im Jahre 1980 nach einer Steigerung von 500% (von 2 $ bis auf 52 $/Unze) seinen damaligen Höhepunkt zu erreichen.

Die Wall Street, die Regierung und die Öffentlichkeit führten den Anstieg auf die angebliche Marktmanipulation durch die texanischen Ölmilliardäre Bunker und Herbert Hunt zurück, was jedoch nicht zutraf. Die Hunts kauften große Bestände von Silber auf (ca. 100 Mio. Unzen). Da der Preis billig war und die Vietnam-kriegsbedingte Inflation ein riesiges Preissteigerungspotential versprach. Sie kauften das Silber durchschnittlich unter 10 $/Unze.

Der Kauf des krass unterbewerteten Silbers durch die Hunts war nichts anderes als die kürzlich durchgeführten sehr großen Käufe von physischem Silber oder Silberbergminenaktien in den letzten 1 oder 2 Jahren durch die Milliardäre Warren Buffet, George Soros und Bill Gates, die wie die Hunts in den 70-er Jahren erkannten, welch riesiges Gewinnpotential in derartig unterbewerteten Investments steckt.

In den späten 70-er Jahren sprangen dann Spekulanten auf den Silbermarkt auf und trieben den Preis bis auf 52 $. Der anschließende Kollaps des Silbers von diesem übertrieben hohen Preis wurde von Washington und der Wall Street den Gebrüdern Hunt in die Schuhe geschoben. Aber diese Vorwürfe waren genauso falsch wie die heute ständig wiederholten Behauptungen der US-Regierung und der Wall Street Gurus, daß die derzeit nach oben manipulierten Aktienmärkte ewig weiter steigen würden.

Die New Yorker Warenbörse COMEX und die amerikanische Warenbörsenaufsichtsbehörde CFTC änderten die Silberhandelsbedingungen auf dem Höhepunkt der Silberspekulation 1980, indem sie die Einschüsse auf die Warenterminkontrakte auf 100% erhöhten, den Gebr. Hunt die Lieferung des von ihnen gekauften Silbers verweigerten und nur noch Verkaufsorders an den Börsen zuließen. Natürlich mußte daraufhin der Markt kollabieren. Aber bevor diese Regeländerungen in Kraft traten, haben Direktoriumsmitglieder der COMEX sehr große Verkaufspositionen in Silber aufgebaut. Sie haben Milliarden verdient in der bisher größten Finanzmanipulation der Geschichte und schoben den anschließenden Silberpreiskollaps den Gebr. Hunt in die Schuhe. Beachten Sie bitte, dass die heutige Aktien- und Finanzmarktmanipulation in bisher ungeahnte Bewertungshöhen, sogar noch größer und gefährlicher als die damalige Silbermarktmanipulation ist.

Über die letzten 20 Jahre hat Silber den größten Teil seiner Gewinne aus den 70-er Jahren abgebaut und ist auf eine Basis von ca. 5 $/Unze zurückgefallen, auf der es heute handelt. Dies entspricht nach Inflationsbereinigung dem niedrigsten Silberpreis seit 100 Jahren. Silber ist somit das am meisten unterbewertete Finanzinstrument der Welt und mußte aus diesem Grund die Aufmerksamkeit der Milliardäre Buffet, Soros und Gates gewinnen.

Die heutigen fundamentalen Faktoren des Silbermarktes entsprechen weitgehend der Situation der 70-er Jahre, sie sind jedoch noch extremer. Die Nachfrage der Industrie, der Juweliere und der Konsumenten nach Silber sind in den letzten 2-Jahrzehnten permanent gestiegen (Verdoppelung von 1980-2000), wohin gehend die Produktion stetig gefallen ist. Heute besteht das größte Angebotsdefizit in Silber, das es je gab, größer noch als das der späten 70-er Jahre, das damals zu einem 25-fach höherem Preis führte.

Ein ähnliches Zusammentreffen von Faktoren wie damals in den 70-er Jahren: Steigende Weltinflation und Zinssätze, steigende Öl- und Warenpreise, sehr großes Silberdefizit und große politische Instabilität im nahen Osten, all dies weckt das Interesse für das langjährig übersehene Investment Silber. Wie erfahrene Edelmetallinvestoren wissen, ist Silber das am meisten volatile Edelmetall, das sich buchstäblich über Nacht verdoppeln kann.
 

Das riesige Silberdefizit

Eine historische Betrachtung des Silberangebots kann hilfreich sein: Vor einem halben Jahrhundert, nach dem Ende des 2. Weltkriegs, betrugen die Silberbestände 10 Mrd. Unzen, wovon die US-Regierung 4 Mrd. besaß.  Seit dieser Zeit befinden wir uns in einer nie gekannten globalen Wirtschaftsexpansion und einem weltweiten Wohlstand, der bis heute anhält.

Während dieser Zeit wurde Silber in einer Vielzahl von lebensnotwendigen modernen Anwendungsgebieten mit einer phänomenalen Rate verbraucht. Heute sind die weltweiten Silberlagerbestände (privat oder Regierung) um mehr als 90% auf unter 1 Mrd. Unze gefallen. In dieser 1 Mrd. Unzen sind zu Beginn des Jahres 2000 enthalten ca. 350 Mio. in Barren und ca. 650 Mio. in Silbermünzen und Medaillen. Zurückzuführen ist dieser enorme Lagerabbau bis auf den heutigen Tag andauerndes Angebotsdefizits. Heute beträgt die Silbernachfrage ca. 170% der Minenproduktion und steigt kontinuierlich weiter. Das riesige Defizit besteht nun seit über 10 Jahren. Auch in den 70-er Jahren hatten wir ein Defizit, das in den 80-igern verschwand, um in den 90-igern umso stärker zu erscheinen. Die riesigen Lagerbestände vom Beginn des 20. Jahrhunderts wurden somit abgebaut, was eine Preisexplosion des Silbers verhinderte. Diese Lager sind nunmehr nahezu leer.
 

1. Silbernachfrage

Ähnlich wie Platin und Palladium liegt der Löwenanteil der Silbernachfrage in der industriellen Anwendung, bei der Silber nur einen kleinen Teil des Endprodukts ausmacht. Folglich spielt eine ver-3, ver5-, ver10-fachung des Silberpreises keine Rolle bei der Preisfestsetzung des industriellen Endprodukts. Ein starker Preisanstieg des Silbers führt somit nicht zu einem Nachfragerückgang bei diesen Produkten und damit auch nicht zu einem Verbrauchsrückgang bei Silber.

Die industrielle Nachfrage nach Silber ist seit den 50-iger Jahren, insbesondere jedoch in den 90-iger Jahren, derart explodiert, daß nahezu alle Silberbestände seit der Zeit des röm. Weltreichs, die nicht in Form von Schmuck, Tafelsilber oder sakralen Gegenständen vorhanden sind, aufgebraucht wurden.
 

a.) Die einmaligen Eigenschaften von Silber

Silber hat einzigartige Eigenschaften, die in der Industrie nicht zu ersetzen sind. Es ist dehnbar, ermüdungsresistent, korrosionsfest, ist zugfest, leicht verformbar, abnützungsresistent, langlebig, reflektiert Licht, widersteht Hitze, hat die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle, dient als Katalysator, kann leicht mit anderen Metallen zu Schmuckstücken verarbeitet werden, wird als Silberdraht in der Medizin verwendet, ist antibakteriell und wird als Antiseptikum verwendet. Aufgrund dieser einzigartigen Eigenschaften kann Silber in der Industrie nicht ersetzt werden und wird in Zehntausenden von Anwendungen eingesetzt.
 

b.) Die industriellen Anwendungen von Silber

Silber wird zur Herstellung von Hochleistungsbatterien (Silberoxid-Batterien) für Akku-betriebene Maschinen, tragbare elektronische Ausrüstungen, Kameras, Uhren etc. eingesetzt. Silber-Zink-Batterien haben eine Vielzahl von High-Tech-Anwendungen im militärischen Bereich und in der Raumfahrt, z.B. Raketen, Torpedos, Satelliten, Marschflugkörper, intelligente Bomben, etc.. Silberüberzüge werden in Kugellagern verwendet, die in allen Jet-Triebwerken, Dieselmotoren und in der Autoindustrie und allen übrigen Maschinen mit Kugellagern eingesetzt werden. Weiterhin wird Silber benutzt bei Lötarbeiten, in den Schaltkreisen von Computern, Speichermedien und Chips, in Mobiltelefonen (Handys) sowie in der chemischen Industrie in 10-tausenden von Anwendungen.

Silber wird benutzt in Tausenden von elektrischen Einrichtungen, wie Schalter, Kontakten, Sicherungen, Haushaltsgeräten und sämtlichen Schaltern von Autos und Computern. Silber hat Tausende von Hochtechnologieanwendungen, bei denen Wert auf Verläßlichkeit, Präzision und Sicherheit gelegt wird. Da Silber Bakterien tötet, hat es Hunderte von medizinischen und zahnmedizinischen Anwendungen.

Die o.g. Anwendungen aus der Industrie und der Medizin machen ungefähr die Hälfte des Weltsilberverbrauchs aus. Ca. 1/3 wird in Schmuck und Tafelsilber und die verbleibenden 20% in der Photographie verbraucht. Im Jahr 1999 wurden für Schmuck und Tafelsilber 280 Mio. Unzen und für die Photographie rd. 245 Mio. Unzen benötigt.
 

c.) Die photographische Nachfrage für Silber

Seit 1980 haben die Silbergegner aus der Investmentbranche argumentiert, daß die Silbernachfrage in der Photographie zurückgehen wird und durch digitale Photographien ersetzt würde. Seit dieser Zeit ist die photographische Nachfrage nach Silber jährlich gestiegen und beträgt inzwischen 250 Mio. Unzen/Jahr. Allein 1999 betrug der Anstieg 3,9% und im Jahr 2000 soll er 4,5% ausmachen. Hunderte von Millionen von Amateur- und professionellen Photographen rund um die Erde setzen Silberfilme und Silberpapier ein, um viele Milliarden Photos jährlich zu schießen.

Selbst wenn Digitalkameras populär werden sollten, wird die Benutzung von traditioneller Photographie weiter zunehmen, denn sie ist bequem, kostengünstig und bietet weitaus höhere Bildqualität. Kein Material reagiert auf Lichteinfall besser als Silbersalze, die in der traditionellen Photographie verwendet werden. Wenn Sie die Bildqualität einer einmalig einsetzbaren Billigkamera (Kosten ca. 7 $) erreichen wollen, müssen Sie 800 $ für eine Digitalkamera und 2000 $ für einen Computer mit Zubehör ausgeben, um Bilder gleicher Qualität zu erhalten. Silber wird weiterhin benutzt beim Röntgen, in der graphischen Kunst und bei Spielfilmen.
 

d.) Die weltweite Silbernachfrage nahm 1999 auf 877,4 Mio. Unzen zu.

Die Nachfrage aus Asien, die in den Jahren 1997 und 1998 aufgrund der dortigen Finanzkrise zurückging, hat das Niveau vor der Krise bereits wieder überschritten. Die Gesamtnachfrage für Silber hat sich in den letzten 14 Jahren verdoppelt und wird weiter um 4% p.a. wachsen. Lediglich die Nachfrage nach Silbermünzen und -Medaillen ging in den 90-iger Jahren zurück. Dieser Trend hat sich seit 1998 gedreht.
 
 

2.) Das Silberangebot

Die Silberminenproduktion deckt nur 58% der Nachfrage, wobei das Defizit seit 1989 stetig zunimmt. Die Silberminenproduktion ging im Jahr 1999 auf 546,8 Mio. Unzen zurück. Das Defizit nahm auf 155,7 Mio. Unzen zu. Das kumulierte Defizit von 1990 - 1999 betrug 1,224 Mrd. Unzen.
 

a.) Die Lagerbestände gehen zurück

Das Silberdefizit wurde in der vergangenen Dekade durch das Einschmelzen von Barren und Münzen sowohl aus Regierungsbeständen wie aus Beständen privater Investoren gedeckt. Des weiteren wird durch die Wiederaufbereitung von Silberschrott (Recycling) das Angebot vergrößert. Bedingt durch technologische Zwänge kann die Schrottaufbereitung auch bei stark steigenden Preisen nur geringfügig gesteigert werden. Bedingt durch den hohen Silberverbrauch gehen die Lagerbestände nunmehr zu Ende. Erstmals seit 100 Jahren verfügt die amerikanische Regierung nicht mehr über eigene Silberlager, so daß das US-Schatzamt seit Oktober 2000 für die Produktion der weltweit geschätzten 1-Unzen-Silbermünze (American Eagle) Silber am Markt kaufen muß.

Steigende Silberpreise führen nicht zu einem schnellen Anstieg der Silberminenproduktion, da 75% des bergmännisch gewonnen Silbers als Koppelprodukt in Blei-, Zink-, Kupfer- und Goldminen anfallen und die Minen wegen des steigenden Silberpreises ihre Produktion nicht ausweiten können, da der Silberanteil zu gering ist. Reine Silberminen benötigen bei gesichert erforschten Lagerstätten mindestens 2 Jahre bis zur Aufnahme einer nennenswerten Produktion.
 

b.) Wo wird das noch vorhandene Silber gelagert?

Der Großteil der noch vorhandenen Silberbestände liegt in Form von Barren und Münzen in der Hand von langfristigen Investoren. Warren Buffet hält über seine Firma Berkshire Hathaway ca. 130 Mio. Unzen.

Die bekannten Börsenlager der COMEX in New York, der Tocom in Tokio sowie andere industrielle Lagerstätten sind auf dem tiefsten Niveau seit Jahrzehnten und betrugen Anfang 2000 zusammen nur noch 113 Mio. Unzen.
 

Schlußfolgerung

Der anhaltende Abbau der Lagerbestände und die Schließung vieler unrentabler Silberminen führen dazu, daß nur noch 5% des ursprünglich vorhandenen Silbers am Ende des Jahres 2000 zur Deckung des Silberdefizits zur Verfügung steht. Dies muß unweigerlich zu einer Explosion des Silberpreises führen.
 

Großanleger bereiten sich auf die kommende Silberhausse vor

So wie die weitsichtigen Milliardäre Bunker und Herbert Hunt in den frühen siebziger Jahren die Gewinnmöglichkeiten des Silbermarktes erkannten, so sehen heute Milliardäre wie Warren Buffet, George Soros und Bill Gates und andere reiche Investoren aus dem nahen Osten die enormen Gewinnchancen im Silbermarkt, einem Markt, der zu den niedrigsten Nominalpreisen seit mehr als 25 Jahren notiert und den niedrigsten Realpreis seit mehr als 100 Jahren aufweist.

Wenn man die niedrigen Lagerbestände betrachtet, so kann man sagen, daß Mr. Buffet mit seinen 130 Mio. Unzen den Weltsilbermarkt kontrollieren wird. Soros und Gates sind Eigner der weltgrößten reinen Silberminen, die derzeit jedoch noch nicht produzieren, da die Preise viel zu niedrig sind. Was passiert wenn einige große Ölproduzenten beginnen, 1, 2 oder gar 5% ihrer Petrodollars in Silber anzulegen, wie sie es in den 70-er Jahren taten? Die weltweite Verknappung von Silber würde sich in einem riesigen Preisanstieg manifestieren. Und wie bei Öl und Palladium würde dieser Preisanstieg lange anhalten.

Don McAlvany

Quelle: www.goldseiten.de
Der Text wurde aus dem englischen (frei) übersetzt.
Autor: Don McAlvany
Kontakt: www.mcalvany.com/specialreports/nov/silver.html bzw. www.gold-eagle.com/editorials_00/mcalvany110900.html
dt. Übersetzung: ???, Text gefunden bei www.weigl-fdl.de/ und im J.Küßner Board
Stand: 11/2000
Antworten
kalle4712:

Warum physisches Gold?

 
12.08.03 12:07
Noch ein interessanter Beitrag.

Da Deutschland ja den Bach runtergeht (wer zweifelt noch daran?!), ist der nachfolgende Beitrag interessant für alle Realisten. (Gefunden auf www.goldseiten.de)

Nachfolgender Tesxt ist ein Auszug aus dem Goldbuch von Andreas Rühl – Erscheinungsdatum und –titel noch nicht bekannt. Stand: 07.2003
 
15.1   Warum physisches Gold?

Der Aufbau einer gesunden Vermögensstruktur – die Streuung der Vermögenswerte auf verschiedene Anlageformen, wie Aktien, Renten, Immobilien und Gold – resultiert auf den Erfahrungswerten die im Lauf von Jahrhunderten bei der Vermögensbildung und –vernichtung gemacht wurden.

Aufgrund dieser Erfahrungen nutzen die wirklich erfolgreichen Vermögensverwalter dieser Welt, stets sämtliche Anlageklassen. Die Mischung sorgt für eine optimale Risikostreuung, welche für einen nachhaltigen Kapitalerhalt und interessante Erträge notwendig ist. Auf unterschiedliche Wirtschafts- und Kapitalmarktzyklen wird mit einer flexiblen Gewichtung der einzelnen Anlageklassen reagiert. Dabei wird die Vermögensklasse Gold als strategische Position zu jeder Zeit berücksichtigt. Je nach Wirtschaftszyklus wird lediglich in den vielen Möglichkeiten der Goldinvestition (siehe Kapitel 3) variiert. Die Anlage in physisches Gold – also in effektiv vor einem liegende Goldmünzen und -barren – wird jedoch immer berücksichtigt. Wenn die erfolgreichsten Vermögensverwalter und die reichsten dieser Welt hier nie darauf verzichten, dann stellt sich die Frage, warum es für uns ebenfalls ratsam ist?

In welchen Fällen können wir vom Kauf physischem Gold profitieren?

In den meisten Fällen beabsichtigt der Käufer von steigenden Goldpreisen zu profitieren. Mit diesem Kaufgrund spekulieren Sie darauf, dass Sie Ihre in der Vergangenheit erworbenen Münzen und Barren zu einem höheren Preis wieder verkaufen können. Hierbei sollten Sie berücksichtigen, dass die Kosten für Prägung, Transport und Verwahrung zu einem Aufschlag auf den reinen Goldpreis führen. Bei Münzen ist dieser Kostenaufschlag größer als bei Barren. Je kleiner das Gewicht von Münzen oder Barren, desto größer wird der prozentuale Aufschlag. Wenn Sie keine Befürchtungen haben, dass alternative Kaufmöglichkeiten – wie beispielsweise der Erwerb über Goldzertifikate – dem Bonitätsrisiko des Zertifikate-Ausstellers unterliegen, können Sie sich die Kosten – die durch die oben genannten Aufschläge entstehen – sparen. Die reine Spekulation auf einen steigenden Goldpreis könnte somit kostengünstiger und mit den gleichen Schwankungen wie beim physischen Gold erreicht werden.

Handelt es sich um eine strategische Beimischung von Goldmünzen und -barren, steht der mögliche Anstieg des Goldpreises gar nicht im Vordergrund. Erinnern Sie sich an das Kapitel "1.1. Die Geschichte des Geldes"? Gold ist das Ursprungsgeld, seine Bedeutung, kommt immer dann vermehrt zu tragen, wenn das Vertrauen in die Papierwährungen nachlässt oder im schlimmsten Fall vernichtet wird. Beim strategischen Münzen- und/oder Barrenkauf sind es eher die Erfahrungen der letzten Jahrhunderte, die Tatsache, dass letztlich jedes Währungssystem über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt ist und entweder durch Hyperinflation oder Staatspleite zur Vernichtung von Papiergeld führt. Wenn das der Grund für eine Beimischung in Ihre Vermögensstruktur ist, ist es weniger die Spekulation auf steigende Goldpreise, sondern eine finanzielle Absicherung für die denkbaren und in den letzten Jahrhunderten mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder erlebten "worst-case" Szenarien.

"Worst-case" Szenarien – was ist das? Um eine kleine Vorstellung zu bekommen wann physisches Gold seiner strategischen Bedeutung gerecht wird, brauchen wir nicht einmal weit in die Wirtschaftshistorie zurück gehen. Es reicht ein Blick nach Argentinien. Ein Land, dass sich im Lauf der Zeit mehr und mehr verschuldete. Dies führte zu einem immer größer werdenden Vertrauensschwund. Befürchtungen der Staat könnte seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, führte mehr und mehr zum Vertrauensverlust in die eigene Währung. Die Bevölkerung fing an, ihre Ersparnisse bei den Banken abzuheben um sie schnell noch zu verkonsumieren, solange das Geld noch als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Der Run auf die Banken nahm solange zu, bis deren liquide Mittel aufgebraucht waren. Die Bankenschalter wurden geschlossen! Das Vertrauen in die eigene Währung war vernichtet. Anleger die glaubten, sich mit Anlagekonten in „harten“ Währungen vor dem Kollaps schützen zu können, wurden durch einen staatlich angeordneten Zwangsumtausch quasi enteignet. Beim Einkauf für das tägliche Leben zählte alles andere nur nicht die eigene Währung. Unter anderem entwickelten sich Warentauschmärkte. In Deutschland war es nach dem zweiten Weltkrieg die Zigarettenwährung, die durch Warentausch, die Reichsmark ersetzte. Wer solch extreme Finanzkollapse mit erlebt, wird schnell erkennen, dass selbst sachwertorientierte Vermögensteile, die ihm während eines intakten Finanzsystems den Status eines Wohlhabenden geben, keine Lösung sind. Schließlich steht kein Tauschmittel bzw. Wertaufbewahrungsmittel zur Verfügung das akzeptable Verkaufserlöse für Immobilien oder substanzhaltige Unternehmen ermöglicht. In solchen "worst-case" Situationen profitieren Sie von Ihrem physischen Gold. Im täglichen Leben hilft es Waren zu kaufen, die schwer zu erhalten sind. Für die Zeit nach dem Finanzkollaps – jeder Zusammenbruch von Finanzsystemen führt zu neuen Finanzsystemen – können Sie verfallene Immobilien- oder Unternehmenspreise nutzen, um sich mit Ihrem Ursprunggeld Gold Vermögensvorteile in der Zukunft zu schaffen.
Schaurige Zeilen! Nicht wahr? Ist es denn überhaupt realistisch, dass wir solche Horrorsituationen erleben? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Allerdings kann ich es mir sehr gut vorstellen. Wer will uns letztlich garantieren, dass unsere heutigen Finanzsysteme – die sowohl in Europa, wie auch in den USA allein auf Vertrauen aufgebaut sind – auf immer und ewig erhalten bleiben? Der Staat? – die Vergangenheit lässt grüßen! Die Notenbanker Greenspan oder Duisenberg? – für wie viele Bürger reicht deren Goldbesitz? In Deutschland gehen Lebensversicherungsgesellschaften nur nicht pleite, weil man sie in kurz zuvor gegründete Auffanggesellschaften unterbringt. Die Vorstände der großen Banken diskutieren mit der Bundesregierung ebenfalls über Auffanggesellschaften. Sind das Indizien für ein gesundes Finanzsystem?
Wenn man die Verschuldung der Kommunen, Länder und des Staates addiert – ob in vielen Ländern Europas oder auch der USA – ist eine expotentiale Entwicklung erkennbar. Das Gesetz über den Zins- und Zinseszinses lehrt uns, das expotential entwickelnde Zahlen nicht mehr umzudrehen sind.
Die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Finanzkollaps ist in den letzten Jahren jedenfalls ein vielfaches größer geworden. Das spricht in jedem Fall für die Strategie der erfolgreichen Vermögensverwalter – die Beimischung von physischem Gold.

Welche Münz- oder Barrengröße ist für eine strategische Investition die richtige Wahl?
Diskussionen zu dieser Frage finden oft keinen Konsens. Um den geringsten Kostenaufschlag zu haben, dürfte man nur Barren ab 500 g Gewicht kaufen. Ob diese "großen" Barren für die Lebenshaltung in den oben geschilderten "worst-case" – Szenarien geeignet sind, kann ich mir schwerlich vorstellen. Ob das Argument, man könne sich ja dann Scheiben von einem Goldschmied abtrennen lassen, zieht? Wegen ein paar Euro Kostenersparnis scheint das für eine strategische Ausrichtung kein schlagendes Argument. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Goldschmied seine Arbeit in Gold aufwiegen lässt und der vermeintliche Abnehmer solchen Scheiben eher misstrauisch gegenübersteht, dürfte relativ hoch sein. Wenn Sie sich ernsthaft für die Möglichkeit eines Finanzkollaps absichern wollen, dürfte die Aufteilung auf unterschiedliche Münzen (Krügerrand, Maple Leaf und Golden Nugget) und Barren, jeweils in verschiedenen Gewichtsgrößen, die bessere Lösung sein.

Welche Form der Verwahrung sollten Sie wählen?
Auch hier scheiden sich die Geister! Effektiv ausgeliefertes Gold ist einerseits schön anzusehen und wenn Sie es in der Hand halten sehr faszinierend, andererseits ist es immer mit dem Risiko des Abhandenkommens verbunden. Eine sichere Aufbewahrung ist daher wesentlich, für eine erfolgreiche Absicherung gegenüber den "worst-case" – Szenarien.
Was ist sicher? Für den einen ist es die Küchenschublade, der eigene Tresor oder das Vergraben im Gartenbeet – für die meisten kommt nur der Banksafe in Frage. Um die Eingangsfrage sinnvoll zu beantworten, greife ich auf die Geschichte zurück. Wenn das Vertrauen in bestehende Währungen zerrüttet ist und die Banken ihre Tore schließen, haben Sie bei der Verwahrung in einem Banksafe auch keinen Zugang mehr zu Ihren Münzen und Barren!
In den USA wurde während der Weltwirtschaftskrise, im April 1933, der Besitz von Gold verboten. Innerhalb eines Monats mussten sämtliche Münzen und Barren bei der amerikanischen Notenbank abgegeben werden. Wer freiwillig abgab wurde unter dem Marktpreis liegend zwangsentschädigt. Wurde Gold bei staatlich angeordneten Durchsuchungen gefunden, wurde ersatzlos enteignet. Hierzu wurden unter anderem Bankschließfächer systematisch durchsucht.
In der Denke von "worst-case" – Szenarien scheint es also sinnvoll zu sein, Aufbewahrungsorte zu wählen die unabhängig von irgendwelchen Schalteröffnungszeiten und oder gar nachvollziehbaren Schließfächern sind.

Generell gilt für den strategischen Besitz von physischem Gold:
Im Notfall sollten Sie 24 Stunden am Tag darauf zurückgreifen können. In der Hoffnung das dies nie notwendig sein wird.

Wer auf die Absicherung durch Gold verzichtet macht nichts anderes als mit seinem gesamten Vermögen zu garantieren, dass zu Lebzeiten kein Finanzchaos eintreten wird. Eine ziemlich große Garantie.
 
© Andreas Rühl
 
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