Schwimmen in Geld: US Beteiligungsfrimen


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Schwimmen in Geld: US Beteiligungsfrimen

 
07.04.05 08:12
US-Branche kann rund eine Billion Dollar investieren – Blick geht nach Europa und Asien

Beteiligungsfirmen haben zu viel Geld

Von Tobias Moerschen

Amerikanische Beteiligungsfirmen suchen in Europa und Asien nach lukrativen Übernahmekandidaten, weil sie im Geld schwimmen und der Markt in den USA eng wird.

HB NEW YORK. „Nach einigen Schätzungen liegen derzeit bis zu 350 Mrd. Dollar nicht investierter Mittel bei Beteiligungsfirmen“, sagt der Chef des Investment-Bankings beim Wall-Street-Haus Morgan Stanley, Terry Meguid, dem Handelsblatt. „Dieses Geld wird in den nächsten Jahren weltweit investiert.“ Weil die Beteiligungsfirmen ihr Eigenkapital durch Kredite ergänzen, könnte die Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren mehr als eine Billion Dollar anlegen, schätzt der Morgan-Stanley-Vorstand.

Private Kapitalbeteiligungsfirmen (Private Equity) spielen eine immer größere Rolle an den Aktien- und Anleihemärkten. Sie sammeln Geld bei US-Pensionsfonds und reichen Privatinvestoren ein und können damit sogar Milliarden-Übernahmen stemmen (siehe „Milliardendeals“). Weil der Markt in den USA inzwischen eng wird, drängen die Kapitalgeber verstärkt nach Europa und Asien. „Die wachsende Konkurrenz in Nordamerika treibt immer mehr Fonds in andere Weltregionen“, sagt Morgan-Stanley-Banker Meguid. Seine Bank begleitete kürzlich den erfolgreichen Börsengang des Bezahlfernseh-Senders Premiere, den das Private-Equity-Haus Permira übernommen hatte.

Ihren Profit erzielen Private-Equity-Firmen, indem sie angeschlagene Unternehmen oder einzelne Sparten billig aufkaufen, aufpäppeln und wieder veräußern. Von ihren Beteiligungen trennen die Kapitalgeber sich gerne über einen Börsengang. „Der Aktienmarkt steht derzeit als Ausstiegsoption offen“, konstatiert Morgan-Stanley-Experte Meguid, „das Kaufinteresse ist groß.“ Allerdings dürften die geradezu idealen Bedingungen für die Branche nicht ewig andauern.

„2003 und 2004 lief das Geschäft großartig. Dieses Jahr wird ein we-nig schwieriger“, sagt John Ford, Sprecher des New Yorker Private-Equity-Hauses Blackstone Group. Er beobachtet, dass Private-Equity-Gruppen bei Unternehmensverkäu-fen nicht mehr unter sich sind. „In-dustrielle Käufer hatten sich eine Weile vom Markt zurückgezogen. Sie kehren jetzt zurück“, sagt Ford. Das treibt die Preise in die Höhe.

Der Einfluss der Beteiligungsfirmen hat aber längst noch nicht seinen Zenit erreicht. „Wir befinden uns noch in der Investitionsphase, in der die enormen Gelder schrittweise investiert werden“, sagt Meguid. Erst in einigen Jahren trete die zweite Phase des Anlageprozesses – der Verkauf – in den Vordergrund. Auch die Beteiligungsgesellschaft Brightpoint geht davon aus, dass der deutsche Markt für Private-Equity-Beteiligungen weiter wachsen wird.

In den USA hatten Private-Equity-Fonds in den späten 80er-Jahren die Industrie wachgerüttelt. In feindlichen Übernahmekämpfen und durch harte Restrukturierungen sorgten sie für mehr Wettbewerb und Gewinnorientierung bei US-Firmen. Morgan-Stanley-Banker Meguid bewertet die Rolle der Beteiligungsfirmen als konstruktiv: „Sie erhöhen heute wie damals die Effizienz bei Unternehmen“, sagt er.

Dank des günstigen Marktumfelds konnten Private-Equity-Firmen zuletzt schon kurz nach dem Einstieg erste Gewinne realisieren. So erwarb Blackstone im April 2004 die Mehrheit am Chemieunternehmen Celanese. Bereits im Januar dieses Jahres brachte Blackstone Celanese an die New Yorker Börse. Und Foundation Coal versilberte Blackstone schon nach wenigen Monaten. Den US-Kohleförderer hatte Blackstone zuvor der deutschen Ruhrkohle AG abgekauft. Im Schnitt halten Beteiligungsfirmen ihre Zukäufe aber mehrere Jahre im Portefeuille.

Das schnelle Umschlagen von Beteiligungen ermöglicht traumhafte Renditen. Das Konzept funktioniert jedoch nur, solange die Finanzmärk-te einen zügigen, profitablen Weiterverkauf erlauben. Morgan-Stanley-Banker Meguid weist daraufhin, dass sich die Idealbedingungen ändern können. „Wir könnten eine Art Verstopfung erleben, wenn Private-Equity-Firmen ihre Zukäufe nicht mehr loswerden“, sagt er. Ähnliches hatten Wagniskapitalgeber nach dem Platzen der Internet-Spekulationsblase an den Börsen erlebt. Zwischen Ende 2000 und 2002 war das Interesse an Börsengängen erloschen und die Wagniskapital-Firmen blieben länger als geplant auf ihren Beteiligungen sitzen
Rekord: Zu Beginn der Woche einigte sich ein Konsortium von sieben Beteiligungsfirmen auf die 11,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Finanzsoftware-Spezialisten Sungard. Das war der größte Private-Equity-Deal seit dem Kauf des Nahrungsmittel- und Tabakriesen RJR Nabisco vor 15 Jahren.
Größenvergleich: Die Kaufsumme für Sungard übersteigt den Börsenwert deutscher Großunternehmen wie Infineon, Adidas oder Lufthansa.

Prognose: Doch der neue Rekord könnte bald schon fallen, denn Private-Equity-Firmen umkreisen auch Wind, die Mobilfunktochter des italienischen Energiekonzerns Enel. Für Wind sind noch höhere Summen im Gespräch.


HANDELSBLATT, Donnerstag, 07. April 2005, 07:14 Uhr



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