Und Merkel weiß, dass die deutschen Sparer von dem Anleiheprogramm der EZB enorm profitieren können. Es wird häufig übersehen, dass die deutschen Anleger durch die außergewöhnlich niedrigen Zinsen geprellt worden sind. Zustande gekommen sind die niedrigen Renditen, weil Deutschland während der Krise zu einem sicheren Anlegerhafen wurde: Auf der Suche nach möglichst risikolosen Anlageprodukten haben Investoren aus allen Teilen der Euro-Zone ihr Geld nach Deutschland gebracht, das hat die Zinsen gedrückt - auch für deutsche Anleger. Und als wäre das noch nicht genug, erhöhen die außergewöhnlich niedrigen Zinssätze gleichzeitig die Inflationsgefahr, indem sie Deutschlands Wirtschaftsaktivität ankurbeln und den Euro gegenüber anderen Währungen drücken. Für Deutschlands Exporte ist das zwar positiv, doch zum einen haben diese keine zusätzliche Unterstützung nötig, und zum anderen senkt der schwache Euro die Realzinsen für die Sparer noch weiter.
Draghi hat ein Gegenmittel parat. Durch das Anleihekaufprogramm senkt die Zentralbank den Risikoaufschlag auf Vermögenswerte der Peripherieländer, im Gegenzug schwindet Deutschlands Bedeutung als sicheres Anlageziel. Auf diese Weise werden Deutschlands Sparer entlastet. Zudem sinkt die potenzielle Belastung für die deutschen Steuerzahler, die sich aus den Rettungsprogrammen ergibt, wenn die Anleihen der Peripherieländer durch das Kaufprogramm der EZB sicherer werden. Der Italiener hat also eine geniale Möglichkeit gefunden, den deutschen Sparern und Steuerzahlern die Last von den Schultern zu nehmen, die sich aus Deutschlands Status als besonders sicherer Anlagestandort ergibt.