https://www.ariva.de/forum/...lgethread-492108?page=1567#jumppos39185auf den ersten Blick wirkt es fast zu einfach, wie sauber der Markt die Projektion abgearbeitet hat. Genau deshalb lohnt es sich, das etwas fachlicher auseinanderzunehmen, da steckt mehr Struktur dahinter, als es im Text anklingt.
Einordnung und Einleitung
Der Ansatz simple Projektionen ist im Kern nichts anderes als ein klassischer Measured Move. Die Idee dahinter ist, dass sich Märkte oft in Impuls Korrektur Impuls Strukturen bewegen mit einer gewissen Symmetrie. Gerade nach einem ausgeprägten Selloff und anschließender Stabilisierung ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein neuer Impuls eine ähnliche Ausdehnung erreicht wie der vorherige Move.
Fachliche Details
Im gezeigten Verlauf lassen sich drei saubere Phasen erkennen
1 Impuls nach unten Distribution Selloff
--> hoher Verkaufsdruck, oft begleitet von Kapitulation
2 Seitwärtsphase Bodenbildung
--> Markt findet Balance, Volatilität nimmt relativ ab
3 Breakout und Momentumphase nach oben
--> hier setzt die Projektion an
Die Projektion misst die Höhe der ersten Bewegung und überträgt sie ab dem Ausbruchspunkt. Das Ziel lag bei ca 7258 Punkte was etwa 259 Punkte oder rund 3,7 Prozent entspricht
Warum das funktioniert hat
Orderflow und Positionierung Nach dem Abverkauf sitzen viele Marktteilnehmer auf Shorts --> Break nach oben erzeugt Short Covering
Momentum Shift Übergang von Range --> Trendphase Expansion
Marktsymmetrie Händler orientieren sich implizit an vorherigen Bewegungsgrößen
Liquidität Über den Range Hochs liegt Stop Liquidität --> beschleunigt den Move
Der Markt hat dieses Ziel nicht nur erreicht, sondern leicht überschossen
--> Hoch bei ca 7271
--> Projektion bei ca 7258
--> Überschuss etwa 13 Punkte oder rund 0,18 Prozent
Das ist typisch für solche Setups
--> In dynamischen Phasen wird das Projektionsziel oft nicht punktgenau getroffen, sondern leicht überlaufen durch Momentum und Stops
Auch statistisch ist das kein exotisches Setup
Nach Bulkowski liegen solche Projektionen grob im Bereich von etwa 60 bis 70 Prozent Zielerreichung wobei die Trefferquote deutlich steigt wenn sie mit dem entstehenden Trend und nach klaren Breakouts gehandelt werden
Kritische Würdigung
So sauber der Call im Nachhinein aussieht, so wichtig ist die Einordnung
Die Projektion ist kein präzises Ziel sondern eine Wahrscheinlichkeitszone
Ohne Momentum und sauberen Break funktionieren solche Ansätze deutlich schlechter
Der Post stellt die Methode etwas zu simpel dar und blendet die entscheidenden Kontextfaktoren aus
Zudem entsteht leicht ein Rückschaufehler Ex post wirkt die Bewegung logisch ex ante gibt es aber immer mehrere mögliche Szenarien
Unterm Strich
Der Call war fachlich absolut valide und gut getimt aber weniger wegen der Einfachheit sondern weil Struktur Timing und Marktumfeld zusammengepasst haben Genau diese Bedingungen entscheiden darüber ob solche Projektionen funktionieren oder nicht