zwischen der Übernahme der Restanteile und einem eventuellen ungünstigen Ausgang der Klagen. Zumal sich ja bei der kürzlichen Verhandlung in Braunschweig ein eher günstiger Ausgang angedeutet hat.
Mit einiger Verwunderung nehme ich zur Kenntnis, dass die öffentliche Diskussion (auch diese hier) völlig ausblendet, dass die anderthalb Milliarden entgangenen Steuern für den Fiskus ja keineswegs komplett futsch sind: Steuern auf den Verkau sind Ausgaben, die den Gewinn schmälern. Umgekehrt steigern ersparte Steuern den Gewinn - was wiederum zu höheren Steuern führt. Im Grunde geht es also ohnehin nur um eine zeitliche Verlagerung von Steuern.
Den "überraschenden" Aufkauf der Restanteile sehe ich überhaupt nicht überraschend. Ich hätte mich im Gegenteil gewundert, wenn er noch länger hinausgezögert worden wäre: zwar hat das VW-Management eine rechtsverbindliche Auskunft hinsichtlich der steuerlichen Wirkung vorliegen. Diese Auskunft aber gilt nur auf der Grundlage des aktuell gültigen Gesetzes. Würde sich dieses ändern, wäre die Auskunft hinfällig. Und DASS es sich ändern wird und zwar sehr schnell, davon darf man getrost ausgehen. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn die Änderung bereits in Arbeit ist, denn die anderthalb Milliarden (Steuereinnahmen) sind derart verlockend, dass man auch schon mal Nachtschichten einlegt, um mit einer überraschenden Gesetzesänderungen die Pläne von Volkswagen zu durchkreuzen. Beim Wahlvolk könnte die Regierung damit enorm punkten.
Das alles ist in Wolfsburg sehr wohl bekannt. Deshalb muss das dortige Bestreben der schenllstmöglichen Schaffung vollendeter Tatsachen, um das günstige Zeitfenster gewinnbringend zu nutzen.
Weshalb also die Übertragung nicht nur schnell über die Bühne gehen muss, sondern auch KANN, hat einen einfachen Grund: die erforderlichen Verträge liegen bereits FERTIG auf dem Tisch! Denn -so ist doch stark anzunehmen- diese Verträge waren es ja, die vom Fiskus geprüft wurden, dahingehend, ob sie auf eine Umstrukturierung oder auf einen (steuerpflichtigen) Verkauf hinauslaufen.
Einen Zusammenhang zu den Klagen sehe ich daher nicht. Ich schließe auch aus, dass irgendwelche Gerüchte aus einem Gerichtssaal Volkswagen zur Eile getrieben hätte. Ich gehe davon aus, dass das der Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben wäre. Die Masse der Anleger (VW und Porsche) hat mindestens ebenso große Ohren, wie das VW-Management! Davon abgesehen, dass es sich bei den Klagen in Braunschweig ja nur um einen kleinen Teil handelt. Es wird ja auch in Stuttgart und in den USA verhandelt.
Zu guter Letzt möchte ich der These entgegentreten, wonach Volkswagen wegen der Klagen gegen die SE Porsche "aus dem Feuer" nehmen musste. So etwas macht doch gar keinen Sinn. Fakt ist: Beklagte ist (überwiegend) die Porsche SE. Verliert sie, muss sie zahlen. Womit, ist ihr Bier. Nirgendwo steht geschrieben, dass sie dann Porsche hätte versilbern müssen; eine dahin gehende Vermutung ist schlichtweg Unfug. Im übrigen haftet die SE mit ihrem gesamten Vermögen und damit auch mit ihren VW-Anteilen.
Sollte die SE (wenigstens teilweise) unterliegen und zahlen müssen, wird sie sich das Geld vermutlich leihen. Ein Problem wäre das nicht, weil sie ja über exzellente Sicherheiten verfügt.
Vergessen wird bei dieser Diskussion auch, dass die Volkswagen AG selbst ja auch Beklagte ist. Welchen Sinne machte es, Porsche-Anteile aus Sicherheitsgründen vom Beklagten A zu Beklagten B zu verschieben?