Das Kapital: Kein Vorzug für Porsche-Aktionäre
Über die starken Zahlen von VW freuen sich auch Porsches Vorzugsaktionäre, halten sie doch eine gehebelte Wette auf VW. Doch aktuell müssen sie sich mit mehr als der notorischen Informationsasymmetrie rumschlagen.
Das nennt man wohl seine PS auf die Straße bringen. Volkswagen s am Freitag gemeldete Rumpfdaten für die ersten neun Monate sind so gut, dass sich in den detaillierten Zahlen eigentlich nichts mehr verstecken kann, was dieses Ergebnis noch schmälern könnte. Abgesehen von dem Unfug, die Anleger überhaupt mit Rumpfzahlen zu überraschen, wenn das volle Zahlenwerk drei Arbeitstage später präsentiert wird. Mit fast 2 Mrd. Euro erzielte VW so viel Betriebsgewinn wie im Vorquartal, trotz eines um 7,4 Prozent reduzierten Umsatzes. Damit stieg die Betriebsmarge auf satte 6,5 Prozent - VWs mittelfristiges Ziel sind fünf Prozent. Dank einer üppigen Mittelgenerierung sitzt VWs Industriegeschäft nun auf einer Nettokasse von 19,6 Mrd. Euro. Wenn es denn einen Wermutstropfen gäbe, dann der, dass VWs globaler Marktanteil trotz eines Absatzplus von 12,9 Prozent nach neun Monaten gegenüber Vorjahr nur von 11,5 auf 11,6 Prozent stieg. Es lief halt, volumenmäßig, auch bei anderen Herstellern 2010 gut.
Doch leider stehen bei VW die operativen Zahlen ja seit einigen Jahren im Schatten anderer Themen, etwa der VW-Porsche-Saga. Die Befürchtung, dass man als außenstehender Aktionär regelmäßig im Dunkeln tappt, bestätigten Porsche s Kommentare vergangene Woche zur Verschmelzung mit VW. Nicht nur eine Verzögerung, sondern sogar ein Ausbleiben der Fusion ist mittlerweile denkbar. Zudem erfahren die freien Porsche-Aktionäre nebenbei, dass sie an einer Wertsteigerung der Porsche AG, die ja hälftig bereits im Besitz von VW ist, nicht partizipieren würden. Denn der Wert der Kaufoption, die VW an den restlichen 50 Prozent der AG hält, wird bei der Berechnung des Austauschverhältnisses mit berücksichtigt. Porsches Vorzugsaktionäre fahren noch aus weiteren Gründen derzeit einen heißen Reifen. Zwar könnte bei den aktuellen Kursen der Einstieg beim 32-prozentigen Besitzer von VW - Porsche - kostengünstiger als der direkte Einstieg bei VW erscheinen.Doch der Hebel, der sich durch Porsches hohe Verschuldung ergibt, kann schnell nach hinten losgehen und Porsches Eigenkapital aufzehren, falls es bei VW einen größeren Kursrutsch gibt. Darüber hinaus fängt man sich bei Porsche als Aktionär schwebende Verfahren mit der deutschen Steuerbehörde (Streitwert über 1 Mrd. Euro) und vor allem mit den unberechenbaren US-Gerichten ein. Das kann zwar alles gut ausgehen, dann ist Porsche schnell 100 Euro wert. Wenn nicht, steht man mit leeren Händen da.
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