Warum Elon Musk mit SpaceX an die Börse drängt – gefährdet der neue Plan einen erfolgreichen Börsengang?
Wer Elon Musk kennt, der weiss, dass er am liebsten immer der Erste ist. Jetzt hat er einen neuen Plan und dafür muss SpaceX so schnell wie möglich an die Börse, obwohl ein IPO von SpaceX lange Zeit als ausgeschlossen galt. Doch der globale KI-Boom verändert die Prioritäten. Milliardeninvestitionen in orbitale Rechenzentren zwingen den Raumfahrtpionier Musk zu einem strategischen Kurswechsel.
SpaceX war lange das Paradebeispiel eines erfolgreichen privaten Technologieunternehmens. Abgeschirmt von den Zwängen der Börse entwickelte Elon Musk seinen Raketenhersteller zu einem der wertvollsten nicht börsennotierten Konzerne der USA. Ein Börsengang, so betonte das Management immer wieder, komme frühestens infrage, wenn regelmäßige Flüge zum Mars Realität seien.
Doch diese Haltung hat sich grundlegend geändert. Auslöser ist der rasante Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz – und die Idee, diese Infrastruktur langfristig ins All zu verlagern. Solar betriebene KI-Rechenzentren in der Erdumlaufbahn gelten zwar als technisch extrem anspruchsvoll, gewinnen aber zunehmend an strategischer Bedeutung. Musk treibt dieses Thema mit Nachdruck voran und will SpaceX offenbar als erstes Unternehmen in diesem neuen Feld positionieren.
Im vergangenen Sommer lotete der mittlerweile zum Erzfeind mutierte OpenAI-Chef Sam Altman eine mögliche Kooperation oder sogar eine Übernahme des Raketen-Start-ups Stoke Space aus. Und Amazon-Gründer Jeff Bezos äußerte sich wenig später bei einer Veranstaltung in Italien offen zu der Idee, Rechenzentren perspektivisch in den Weltraum zu verlagern, und bezeichnete diesen Ansatz als grundsätzlich sinnvoll.
Danach wurde aus einem mittel- bis langfristigen Ziel von SpaceX, ein von Musk vorrangig priorisiertes Ziel, damit ihm die Konkurrenz nicht zuvor kommt, wie Insider dem Wall Street Journal berichten.
Der Bau und Start tausender spezialisierter Satelliten würde Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe erfordern. Nach Einschätzung von Insidern, mit denen das Wall Street Journal gesprochen hat, ist ein Börsengang daher der effizienteste Weg, dieses Kapital in kurzer Zeit zu mobilisieren. Entsprechend plant SpaceX, zeitnah Banken für den IPO auszuwählen. Intern soll Musk das Ziel ausgegeben haben, den Börsengang bis spätestens Juli abzuschließen.
Hinzu kommt eine zweite strategische Komponente: Musks KI-Unternehmen xAI hinkt im Wettbewerb mit OpenAI, Anthropic und Googles Gemini bei bei Umsatz, Nutzerzahlen und Rechenkapazitäten hinterher. Ein Börsengang von SpaceX könnte indirekt als Finanzierungsmotor dienen – sei es über Beteiligungen, Kapitalumschichtungen oder als Ankerkunde für künftige orbitale Rechenzentren.
Die Verzahnung der beiden Unternehmen ist bereits eng. SpaceX investierte im vergangenen Jahr im Rahmen einer Finanzierungsrunde zwei Milliarden Dollar (Dollarkurs) in xAI. Der KI-Chatbot Grok unterstützt zudem den Kundensupport von Starlink. Sollten Rechenzentren im All Realität werden, gilt xAI als naheliegender Großkunde.
Ein weitere Grund für die Beschleunigung des IPOs von SpaceX dürfte auch sein, dass im Laufe des Jahres weitere Schwergewichte an die Börse streben. OpenAI und Anthropic prüfen ebenfalls den Sprung auf das Parkett und wären dann auch wohl flüssig genug, um entsprechende Pläne für Rechenzentren im All vorran zu treiben.
Doch Musk will allen Parteien zuvorkommen. Wie das Wall Street Journal berichtet, soll Bret Johnson, Finanzvorstand von SpaceX, Mitte Dezember alle ein Memo geschickt haben, in dem er darauf hinwies, dass einer der Hauptgründe für die Prüfung des Börsengangs "KI-Rechenzentren im Weltraum" seien.
Internen Berichten zufolge erzielte SpaceX im Herbst einen Durchbruch bei der Entwicklung orbitaler Rechenknoten. Doch technologisch bleibt das Vorhaben riskant. Zentrale Voraussetzung ist die Einsatzreife von Starship. Die neue Schwerlastrakete bildet die Basis für das Design der KI-Satelliten, hat bislang jedoch noch keine Nutzlasten erfolgreich ausgesetzt. Zwar testet SpaceX das System seit Jahren und meldete zuletzt Fortschritte, doch der operative Nachweis steht aus.
Fazit: Die neuen strategischen Pläne rund um KI-Rechenzentren im All dürften den Börsengang von SpaceX eher stützen als belasten. Statt eines schwer greifbaren Mars-Narrativs rückt ein wirtschaftlich verwertbares Zukunftsprojekt in den Vordergrund, das direkt an den globalen KI-Boom anknüpft.
Orbitale Rechenzentren versprechen planbare Nachfrage, wiederkehrende Erlöse und eine klare industrielle Logik, Faktoren, die an den Kapitalmärkten deutlich höher bewertet werden dürften als langfristige Prestigeprojekte.
Für Investoren könnte sich damit ein neues Wachstumsnarrativ eröffnen, das SpaceX nicht nur als Raumfahrtunternehmen, sondern als Infrastrukturkonzern der nächsten Technologiewelle positioniert. Sollte es Musk gelingen, die technischen Hürden zügig zu überwinden, könnten Rechenzentren im All schneller zum Wachstumstreiber avancieren als interplanetare Raumfahrt.
Redaktion Ariva/MW
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