"Politische Börsen haben kurze Beine"


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"Politische Börsen haben kurze Beine"

 
12.09.01 22:14
Nur das Zusammenspiel mit ökonomischen Faktoren belastet langfristig  
Berlin - Die Bezeichnung "Salami-Crash" hat zunächst ausgedient. Die internationalen Finanzmärkte reagierten mit Entsetzen und drastischen Kursverlusten auf die Terroranschläge in den USA. Die Angst der Investoren ist groß, dass aus einer politischen Krise nun auch eine handfeste ökonomische Belastung wird. Denn der Terror könnte die amerikanische Wirtschaft endgültig in Richtung Rezession befördern. Der Bremer Ökonom Rudolf Hickel erwartet, dass in den USA ein "Angstsparen" einsetzt und "die Rezession jetzt schneller und tiefer kommt".
Das verheißt für die Wall Street, die am Donnerstag vermutlich wieder den Handel aufnimmt, nichts Gutes. Denn die ausgemachten Börsen-Crashs in der Vergangenheit hatten bisher vor allem ökonomische Ursachen. So hatte der so genannte Schwarze Montag 1987, als der Dow Jones in wenigen Stunden um 508 Punkte oder fast 23 Prozent abstürzte, damals viel mit einem historisch hohen US-Handelsdefizit zu tun. Das Fass zum Überlaufen brachte der damalige Finanzminister James Baker, als er seinen Handelspartnern wegen des ausufernden Defizits im Außenhandel mit einem schwachen Dollar drohte. Dem Crash von 1929 war eine über acht Jahre dauernde Hausse vorausgegangen. Immer mehr Anleger kauften sich Aktien auf Pump. Die Wirtschaft überhitzte, die Notenbank zögerte zu lange mit einem Eingreifen, und die Blase platzte mit lautem Knall. Dieser Kollaps setzte die Kräfte von Deflation und Depression frei.

"Bei politischen Einflüssen haben sich die Märkte dagegen in kurzer Zeit wieder erholt", berichtet Claudio Mazzoni, Leiter des Portfolio Consulting beim Bankhaus Leu in Zürich. So führten politische Belastungen wie die Kubakrise zwar zunächst zu drastischen Kursverlusten, konnten den Aufstieg des Dow Jones aber nur kurzfristig stoppen. Selbst das Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy löste an Wall Street nur vorübergehende Schockwellen aus. Ein Verlust von über 20 Indexpunkten nach der Anschlagsmeldung wurde in den kommenden Tagen mehr als wettgemacht. Beim Anschlag auf US-Präsident Ronald Reagan 1981 reagierte Wall Street nur mit minimalen Verlusten. Der zweite Golfkrieg führte sogar zu einer Hausse an den amerikanischen Aktienmärkten. Die Euphorie über die ersten Erfolgsmeldungen ließen die Kurse im Januar 1991 steil ansteigen. Schon der Einmarsch irakischer Truppen ein halbes Jahr zuvor hatte an Wall Street zu Kursgewinnen geführt. Börsianer spekulierten damals darüber, dass die mit dem drohenden Krieg verbundenen Rüstungsinvestitionen die US-Wirtschaft aus ihrem bedrohlichen Abschwung herausreißen könnten. Steil abwärts ging es zwar noch einmal Mitte August 1991, als Altkommunisten einen Putschversuch in Moskau unternahmen. Doch auch hier bestätigte sich die alte Börsenweisheit, "dass politische Börsen kurze Beine haben". Denn nachdem sich nach wenigen Tagen ein Scheitern des Staatsstreiches abzeichnete, nahm der Dow Jones seine Aufwärtsbewegung wieder auf. Sie führte den Index schließlich über die Marke von 11.000 Punkten im März 2000, bis die Internet-Fantasie wieder in sich zusammenfiel.
"Die Amerikaner haben aber aus den früheren Crashs gelernt", meint ein Börsianer, der ungenannt bleiben wollte. "Die Regierung wird nun Druck auf die Investmentbanken ausüben, um das Schlimmste zu verhindern." Bereits 1987 hätten Regierungsvertreter am Tag nach dem Crash hinter den Kulissen darauf gedrungen, den Markt durch Kauforders im großen Stil zu stabilisieren. "Ähnliche Absprachen dürften auch jetzt getroffen werden. Mit dem Aussetzen des Handels habe man Zeit gewonnen", meint der Stratege. Zudem hat die US-Notenbank bereits angekündigt, zusätzliche Liquidität bereitzustellen, sofern dies nötig werden sollte.

Gruß Kostolmoney

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9745400lopi:

up. o.T.

 
12.09.01 23:14
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