Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland

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Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Happy End
Happy End:

Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland

 
14.04.02 09:46
#1
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Firmenpleiten haben in den letzten Jahren stetig zugenommen.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Medienmogul Leo Kirch muss Insolvenz für sein Kerngeschäft, die Kirch Media, anmelden. Damit ist die größte Firmenpleite der deutschen Nachkriegsgeschichte perfekt. Die Kirch-Gruppe hat mehr als 6,5 Milliarden Euro Schulden.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Berliner Opfer der Pleitenserie: Herlitz. Der Bürowarenhersteller meldet Insolvenz an, rund 1.400 Arbeitsplätze in der Hauptstadt und im Umland sind gefährdet.


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Dornier stürzt ab - dem deutsch-amerikanischen Flugzeughersteller droht trotz voller Auftragsbücher die Pleite.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Holzmann kann nicht zahlen - das traditionsreiche Bauunternehmen hat trotz Kanzlerhilfe vor drei Jahren in diesem März Insolvenz beantragt. Was wird aus den rund 10.000 Arbeitsplätzen in Deutschland?


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Pleite bei Schneider - mehr als die Hälfte der 650 Mitarbeiter des Elektronikherstellers sollen entlassen werden.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Eine Lagerhalle der Mühl AG. Der Thüringer Baudienstleister hat Insolvenz beantragt. 3.800 Arbeitsplätze sind bedroht.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Kein Konkurs, aber eine Standortschließung. Spreequell will sein Berliner Werk dichtmachen.


Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Bereits Anfang des Jahres hatte Borsig die Verlegung der Apparatefertigung aus Berlin nach Bilbao bekannt gegeben - ein Verlust von 150 Arbeitsplätzen für die Hauptstadt.


Gruß    
Happy End
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 635894
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland draki
draki:

und die Liste wird

 
14.04.02 11:18
#2
bestimmt noch länger
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Timchen
Timchen:

Und Kohl ist an allem schuld :-) o.T.

 
14.04.02 13:29
#3
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Elan
Elan:

ich sehe die Schuld auf kreditgebender Seite o.T.

 
14.04.02 13:38
#4
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Happy End
Happy End:

Möbel Walther droht Liquiditätsengpass

 
14.04.02 21:57
#5
GRÜNDAU. Der Möbel-Walther-Gruppe droht im Mai ein Liquiditätsengpass. Derzeit würden Gespräche mit allen Gläubigern geführt, die in spätestens vier Wochen abgeschlossen sein sollten, teilte die Gruppe mit. Grund sei ein Einbruch beim Auftragseingang im Inland bis Ende März um rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erst im Januar hatte die ostdeutsche Handelskette Höffner das Unternehmen mehrheitlich übernommen. Dadurch war der zweitgrößte Möbelhändler Deutschlands nach Ikea mit einem Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden Euro entstanden. (dpa)

Gruß    
Happy End
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland 636193
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Bronco
Bronco:

Ich denke, es ist etwas zu trivial, nun die Schuld

 
14.04.02 23:12
#6
bei den bösen Banken oder bei Kohl o.ä. zu suchen. Das Problem sitzt meines Erachtens deutlich tiefer. Eine stagnierende bis rückläufige Inlandsnachfrage (je nachdem wie man die "Inflationsbereinigung" manipuliert) haben wir nun schon seit mehr als 20 Jahren. Die Einstiegsgehälter in vielen Berufsgruppen mit akademischer Ausbildung liegen selbst nominal häufig niedriger als noch vor 20 Jahren (man beachte den Unterschied zwischen der tatsächlichen Tätigkeit der Eingestellten und der offiziellen Bezeichnung bzw. des Arbeitsverhältnisses). Der Startschuß für diese Entwicklung liegt sogar noch weiter zurück. Der entscheidende Punkt ist: Eine Volkswirtschaft kann sich nicht grenzenlos und sogar mit wachsenden Raten von Exportüberschüssen nähren. Diesem ständigen Überschuß steht nämlich irgendwo auf der Welt ein ständiges Defizit gegenüber, d.h. eine Seifenblase, die irgendwann platzen muß. Aber nicht nur dieses: Irgendwann folgt das Kapital dem Ruf der Märkte, von denen die Exportnachfrage quillt, denn allein die mit der längeren Aufrechterhaltung eines Handelsbilanzungleichgewichtes verbundenen Verschiebungen in der Kaufkraft der zugehörigen Währungen forcieren diesen Folgeschritt. In einer weltwirtschaftlichen Situation, in der also an mehreren Stellen gleichzeitig die Finanzinstitutionen wackeln und die Konjunktur einbricht, kommt diese Abhängigkeit vom schönen Schein voll zum Tragen. Wer über Jahrzehnte hinweg Exportüberschüsse produziert hat, stellt nun fest, daß dem Papier oder der Buchung, die er dafür erhalten hat, kein Gegenwert gegenübersteht (welch eine Überraschung aber auch). Der Zusammenbruch der "BRD AG" ist in diesem Zusammenhang nicht die Ursache der Pleitewelle, sondern nur ein Auslöser, ein Symptom.

Die Problemlösung hieße: Weg von den Ungleichgewichten in den ökonomischen Aussenbeziehungen und Stärkung der Binnenwirtschaftskraft. Das aber heißt: Weg von der Angebotspolitik hin zu einer Nachfrage-orientierten Politik. Damit meine ich aber nicht einfach die Stärkung der Massenkaufkraft mit der Gießkanne, sondern die Stärkung, an den Stellen, an denen dringende Nachfrage bereits existiert, aber mangels Kohle auf dem Markt nicht zum Ausdruck gebracht werden kann. Dies bezieht sich z.B. auf konkrete Nachfrage nach Kinderbetreungsmöglichkeiten für Berufstätige, Nachfrage nach guter Aus- und Weiterbildung, Nachfrage nach umweltfreundlicheren Energieträgern, Rohstoffen und Produkten, Nachfrage nach Dienstleistungen im Bereich Gesundheit, Pflege und Gesundheitsvorsorge ...
Alles Punkte, bei denen eine Befriedigung der Nachfrage auch einen unmittelbaren volkswirtschaftlichen Schub erzeugen würde, z.B. durch mehr Flexibilität von Berufstätigen mit Familie, bessere Qualifizierung auch im späteren Verlauf des Berufslebens, nachhaltige Sicherung der Existenzgrundlagen, Stärkung der "Volksgesundheit" und damit auch der Arbeitskraft, der "Quelle des Wohlstandes" ...
Klingt natürlich fürchterlich links - nur mit dem Gegenteil sind wir (und die Japaner und die Amis und ... und ... und ...) seit Jahrzehnten (eigentlich bereits seit Jahrhunderten) auf die Schnauze gefallen. Hier geht es übrigens nicht um die böse Planwirtschaft, das Schreckgespenst, das uns im kalten Krieg immer als Feindbild eingetrichtert wurde, sondern um eine Wirtschaftspolitik, das den Markt dort fördert wo er nutzt, aber auch erkennt, wo er schadet und korrigierend eingreift.

Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Zick-Zock
Zick-Zock:

sehr guter beitrag

 
15.04.02 00:15
#7
liest sich wirklich sehr gut und entspricht in etwa auch meinem wunschdenken. ganz nebenbei, gysi ist ein klasse entertainer, ich sehe ihn auch gerne im grünen salon. nur, ein führender politiker wird er deshalb auch nicht. so oft ich in deinem beitrag auch mit dem kopf genickt habe, wer soll all das schlussendlich bezahlen?

grüsse
Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland Bronco

@ziCk-zoCk:

 
#8
Ich denke das wäre weniger ein Problem der Bezahlbarkeit, als mehr eines des Willens zu einer geänderten Verteilungspolitik. Man vergesse nicht, daß über 50% der gesamten volkswirtschaftlichen Leistung auch heute schon vom Staat einkassiert und verteilt werden. Diese Quote braucht m.E. nicht erhöht zu werden, nur die Art der Erhebung und die Empfänger der Kohle sind zu ändern. Einige Beispiele: man nehme die Summe der auch heute noch jährlichen Subventionen für Kohle und Stahl und teile durch die Anzahl der damit geförderten Arbeitsplätze. Da kommst Du pro Kopf auf einen Betrag, der für jeden der betroffenen Arbeiter in einer Höhe liegen würde, die ausreichen würde, damit dieser selbst ein kleines Unternehmen mit Beschäftigten aufmachen könnte. Ganz generell wäre unheimlich viel gewonnen, wenn der Staat für jede Unterstützung oder Steuerstundung großer AGs sich zumindest ein Äquivalent an Anteilen an den Unternehmen auszahlen ließe. Diese Anteile könnte er dann entweder versilbern oder einen solchen Laden sukzessive übernehmen, um zumindest zu verhindern, daß auch weiterhin Nieten im Nadelstreif von Steurgeld durchgefüttert werden, und komplett neu disponieren.

Weiteres Beispiel: Unser Steuersystem belastet diejenigen Unternehmen, die in der Lage sind, mit ihrem Kapital Gewinn zu erwirtschaften und fördert indirekt dijenigen, die es nicht auf die Reihe bringen. Würde man zumindest einen Teil der Ertragssteuern und insbesondere die Mehrwertsteuer, die unter dem Strich eine reine Besteuerung von Arbeit darstellt, in äquivalenter Höhe durch Vermögenssteuern ersetzen, so würden diejenigen profitieren, die eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften können, und diejenigen sukzessive ihr Vermögen schmälern, die nicht in der Lage sind, es produktiv einzusetzen. Indirekt würde somit genau das passieren, was die schärfsten Gegner von Vermögenssteuern immer fordern: Das geld würde letztlich in die Hände umverteilt, die am produktivsten damit umgehen können. ...
Bleiben wir beim Beispiel Mehrwertsteuer. Wer eine Maschine in der Produktion einsetzt kann für deren laufenden Unterhalt prima vom Vorsteuerabzug Gebrauch machen. Nur der laufende Unterhalt der Maschine Mensch wird durch die Mehrwertsteuer erfaßt. Wäre also ein Ersatz von Arbeitskräften durch Maschinen im Falle der Steuerfreiheit noch nicht rentabel, so kann durch die Verzerrung der Mehrwertsteuer eine solche Rentabilität erzeugt werden. Gleichzeitig steigen auch noch die Lohnnebenkosten, womit wir beim nächsten Beispiel wären.
Beispiel Arbeitslosenversicherung: Arbeitslosenversicherung und die ganzen daran hängenden versicherungsfremden Leistungen werden derzeit über die Lohnnebenkosten pro Kopf der Arbeitnehmer bezahlt. Wer arbeitsintensiv produziert, hat den Klotz am Bein, wer das Problem der Arbeitslosigkeit durch "Rationalisierung" verstärkt, kann sich seinem Beitrag entziehen. Es wird also nach wie vor gefördert, daß auf der einen Seite Untätigkeit teuer bezahlt weden muß, während auf der anderen Seite mit zusätzlichem Energie- und Rohstoffeinsatz Arbeit durch Kapital ersetzt wird. Meine Folgerung: Die Arbeitslosenversicherung nicht über Lohnnebenkosten, sondern über "Kapitalnebenkosten" finanzieren. Dann ist "Rationalisierung" erst dann rational, wenn sie auch volkswirtschaftlich sinnvoll ist. ...

Wie Du siehst, sind wir hier noch gar nicht bei den teueren Prestigeobjekten oder bei den steigenden Ausgaben für militärische Abenteuer, oder ...

Es geht also nicht um Erhöhung der Steuerlast oder Erhöhung der Staatsausgaben, oder gar um Abschaffung von Marktmechanismen, sondern ganz im Gegenteil um die konkrete Nutzung des Instruments "Steuern" zum Steuern und um ein Weg von der Gießkanne hin zu gezielten Maßnahmen, um von den Marktmechanismen vollen Gebrauch machen zu können, da wo sie Nutzen bringen.

De Text ist wahrscheinlich schon viiiel zu lang, obwohl man noch länger darüber diskutieren könnte.

viele Grüße,

Bronco
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