Zeitpunkt: 16.06.26 09:25
Kommentar: Beschäftigung mit Usern/fehlender Bezug zum Threadthema
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Lars Erichsen analysiert in der Folge Palantir Technologies aus Investorensicht. Seine Kernaussage: Operativ ist Palantir extrem stark, aber ethisch, politisch und governance-seitig problematisch. Er selbst würde die Aktie trotz guter Zahlen nicht kaufen.
Lars Erichsen beschreibt Palantir als Unternehmen mit außergewöhnlich starken Kennzahlen: hohe Bruttomarge, starkes Umsatzwachstum, hohe Cashflow-Marge, kaum Schulden und eine angehobene Jahresprognose. Er räumt ein, dass er Palantirs Wachstumspotenzial früher unterschätzt habe, weil er das Geschäftsmodell für deutlich personalintensiver hielt. Durch KI scheint Palantir heute aber stärker skalieren zu können, als er ursprünglich angenommen hatte.
Das Geschäftsmodell erklärt Erichsen so: Große Organisationen haben viele verstreute, historisch gewachsene Datenbestände. Palantir verbindet diese Daten zu einem nutzbaren Lagebild. Das Herzstück sei die sogenannte Ontologie, also ein digitales Abbild realer Objekte, Prozesse und Zusammenhänge einer Organisation. Dadurch könne KI nicht nur Daten auswerten, sondern sie im Kontext realer Abläufe nutzbar machen.
Ein großer Teil des Umsatzes kommt laut Erichsen aus Regierung, Militär und Sicherheitsbehörden, der Rest aus dem kommerziellen Bereich. Genannt werden Produkte wie Gotham für Verteidigung und Geheimdienste, Foundry für Unternehmen, Apollo als Infrastruktur und AIP als KI-Plattform. Besonders AIP sieht er als zentralen Wachstumstreiber, weil es Sprachmodelle mit Palantirs Datenstruktur verbindet.
Finanziell bewertet Erichsen Palantir sehr positiv. Das Unternehmen wachse stark, habe hohe Margen, eine solide Bilanz und profitiere von steigenden Verteidigungsbudgets westlicher Staaten. Die Aktie sei zwar teuer, aber angesichts des Wachstums nicht völlig absurd bewertet. Er nennt sie eher leicht überbewertet, nicht massiv überbewertet.
Der kritische Teil betrifft vor allem Ethik, Bürgerrechte und politische Abhängigkeit. Erichsen verweist auf Palantirs Rolle bei Militär, Polizei, Überwachung und Einwanderungsbehörden. Er sieht erhebliche Risiken darin, wenn Software Menschen markiert, bewertet oder in sicherheitsrelevante Kategorien einordnet. Besonders problematisch findet er, dass solche Systeme nicht transparent genug seien und Palantir in geschlossenen Systemen arbeite.
Auch die Governance kritisiert Erichsen deutlich. Palantir habe eine Aktienstruktur, bei der die Gründer dauerhaft sehr viel Kontrolle behalten, unabhängig davon, wie viele Anteile sie wirtschaftlich halten. Für normale Aktionäre bedeute das: Sie haben wenig echte Durchsetzungsmacht. Als Beispiel nennt er eine abgelehnte unabhängige Menschenrechtsprüfung, obwohl viele externe Aktionäre dafür gestimmt hätten.
Zusätzlich sieht Erichsen Wettbewerbsrisiken im kommerziellen Bereich. Dort hält er Palantir nicht für konkurrenzlos. Unternehmen wie Databricks, Snowflake, kleinere Start-ups oder auch KI-Anbieter könnten Teile des Geschäfts angreifen. Im Verteidigungsbereich sei Palantir stärker positioniert, aber auch dort hänge viel von politischen Prioritäten und Staatsaufträgen ab.
Lars Erichsen hält Palantir aus rein finanzieller Sicht für ein beeindruckendes Wachstumsunternehmen. Wer an dauerhaft steigende Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben im Westen glaubt und die ethischen Risiken akzeptiert, könne ein Investment vertreten.
Er selbst würde aber nicht investieren. Seine Hauptgründe sind:
ethisches Unbehagen wegen Überwachung, Militär- und Sicherheitsanwendungen,
starke politische Abhängigkeit des Geschäftsmodells,
problematische Machtstruktur der Gründer,
hohe Bewertung trotz Kursrückgang,
mögliche Konkurrenz im kommerziellen Bereich.
Kurz gesagt: Lars Erichsen sieht Palantir als operativ starkes, finanziell beeindruckendes Unternehmen – aber für ihn persönlich ist die Aktie kein Kauf.
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@amorphis - keiner zwingt Dich, ihm zuzuhören wenn Du das alles für Dich ganz anders eingeordnet hast. Aber nachdem dies eine freie Welt ist, sollte sie auch groß genug für diverse Einordnungen sein, ohne daß man deswegen Schnappatmung bekommt.
@amorphis – beim Umsatzsplit ist Dein Einwand berechtigt. Die von Lars Erichsen genannte Größenordnung von rund 64 % Government und 36 % Commercial passt jedenfalls nicht zu den Q1-2026-Zahlen, die Du zitierst.
Wenn im Q1-Report 1,632 Mrd. USD Gesamtumsatz stehen, davon 858 Mio. USD Government und 774 Mio. USD Commercial, dann liegt der Government-Anteil grob bei 53 % und Commercial bei 47 %. Das ist klar etwas anderes als 64/36.
Auch Dein Hinweis auf die Guidance ist nachvollziehbar: Wenn Palantir für 2026 rund 7,65 Mrd. USD Gesamtumsatz erwartet und allein U.S. Commercial auf über 3,224 Mrd. USD taxiert, dann zeigt das zumindest, dass der kommerzielle Bereich deutlich relevanter ist, als eine 36-%-Formulierung nahelegt. Man muss dabei sauber trennen: U.S. Commercial ist nicht der gesamte Commercial-Umsatz weltweit, aber als Größenordnung ist Dein Einwand trotzdem berechtigt.
Das ändert für mich aber nicht den Kern von Erichsens Einordnung: Palantir ist operativ extrem stark, wächst sehr dynamisch und profitiert massiv von KI, Datenintegration und westlichen Sicherheits- bzw. Verteidigungsausgaben. Gleichzeitig bleiben Governance, politische Abhängigkeit und ethische Fragen rund um Überwachung, Militär und staatliche Nutzung relevante Risiken.
Kurz: Der konkrete Zahlenpunkt bei Erichsen ist angreifbar, da stimme ich Dir zu. Die grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Investmentcase ist trotzdem nachvollziehbar, auch wenn man sie nicht persönlich teilen mag. Man kann Palantir kaufen, wenn man Wachstum und Marktstellung höher gewichtet. Man kann es aber ebenso meiden, wenn einem Governance, Transparenz und politische Abhängigkeit zu heikel sind.
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