Benzodiazepine führen, bei Patienten mit neuropathischen
Schmerzen jeglicher Ursache, im Vergleich zu Placebo zu einer nachweisbaren
Schmerzreduktion um 30 %
Wirkmechanismus: Benzodiazepine sind Agonisten an inhibitorischen GABARezeptoren im zentralen Nervensystem und wirken über eine Hemmung der
neuronalen Erregbarkeit.
Evidenz: Corrigan et al. (Corrigan, 2012) untersuchten in einer Metaanalyse
den Einfluss des Benzodiazepins Clonazepam auf neuropathische Schmerzen.
Einschlusskriterien waren kontrollierte doppelblinde Studien von mindestens
8 Wochen Dauer, die den Effekt von Clonazepam auf neuropathische
Schmerzen im Vergleich zu Placebo oder einer aktiven Kontrollsubstanz
gemessen haben. Die ausführliche Suche in internationalen Literaturbanken
ergab, dass keine Studie den gestellten Anforderungen genügte. Ebenso
wenig existieren derzeit kontrollierte Studien zu anderen oralen
Benzodiazepinen.
Dureja et al. (Dureja, 2010) untersuchten in einer kontrollierten doppelblinden
Studie den Effekt einer einmaligen Gabe von epiduralem Midazolam (2 mg) in
Kombination mit Methylprednisolon (60 mg) versus beide Substanzen alleine
bei 150 Patienten mit einer postherpetischen Neuralgie im Bereich lumbaler
Dermatome. Unter allen 3 Bedingungen zeigte sich in den ersten 3 Wochen
nach der Intervention eine signifikante Schmerzreduktion bei mehr als der
Hälfte der Patienten um mehr als 50 %. Die analgetische Wirkung war sowohl
beim Spontanschmerz als auch bei der Intensität der mechanischen Allodynie
vorhanden. Zudem wurde das allodyne Areal signifikant kleiner. Ab Woche 4
bis Woche 12 war dieser Effekt komplett rückläufig für die singuläre Gabe von
Prednisolon und Midazolam. In der Patientengruppe, in der beide Substanzen
kombiniert gegeben wurden, war die signifikante Schmerzreduktion um
mindestens 50 % bis zum Studienende nach 12 Wochen weiter nachweisbar:
nach 4 Wochen bei 62 %, nach 8 Wochen bei 50 % und nach 12 Wochen noch bei
40 % der Patienten. Alle Nebenwirkungen traten während der ersten Stunden
nach den Injektionen auf, die unter stationären Überwachungsbedingungen
durchgeführt wurden. An wesentlichen Nebenwirkungen traten
postpunktionelle Beschwerden bei 4 % und Übelkeit und Erbrechen bei 6–8 %
der Patienten in allen 3 Untersuchungsgruppen auf. In dieser Studie wurde
jedoch nur der Effekt einer einmaligen Gabe untersucht, sodass die Datenlage
nicht ausreicht, um die Evidenz in der Therapie chronischer postherpetischer
Neuralgie zu sichern.
Empfehlung: Benzodiazepine sollen nicht zur Therapie neuropathischer
Schmerzen jeglicher Ursache eingesetzt werden.
Literatur:
1. Corrigan R, Derry S, Wiffen PJ, Moore RA. Clonazepam for neuropathic
pain and fibromyalgia in adults. Cochrane Database Syst Rev.
2012(5):Cd009486.
2. Dureja GP, Usmani H, Khan M, Tahseen M, Jamal A. Efficacy of
intrathecal midazolam with or without epidural methylprednisolone for
management of post-herpetic neuralgia involving lumbosacral
dermatomes. Pain Physician. 2010;13(3):213-21.
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/...hmerzen_2020-04_1.pdf