
KI-Begeisterung verpufft, Sorgen nehmen Überhand
Obwohl Microsoft mit seiner OpenAI-Beteiligung, der Cloud-Tochter Azure und Produkten wie Copilot im Mittelpunkt des KI-Booms steht, stand die Aktie in den vergangenen Wochen und Monaten unter anhaltendem Verkaufsdruck. Die Sorge vor einer Disruption durch KI-Tools machte auch vor Microsoft nicht Halt, während die OpenAI-Beteiligung vom Rückenwind zum Klotz am Bein wurde.
Investoren beginnen, die 850 Milliarden US-Dollar schwere Bewertung des KI-Startups zu hinterfragen, nachdem OpenAI im Geschäftskundenbereich deutlich hinter Anthropic zurückzufallen scheint und bei Privatkunden vor allem Alphabet mit Gemini aufgeholt hat. Eventuelle Bewertungsverluste müsste Microsoft aufgrund geänderter Regeln zu Rechnungslegung bilanzieren, was den Gewinn zu belasten droht.

Microsoft-Aktie: Vom Top- zum Underperformer
Mit einem Plus von 37,4 Prozent in den vergangenen 3 Jahren gehört die Microsoft-Aktie aktuell zu den Underperformern innerhalb der Technologiebranche – dem Nasdaq 100 gelang im selben Zeitraum ein Plus von 97,6 Prozent. Fairerweise muss allerdings festgestellt werden, dass die Underperformance vor allem auf die Kursschwäche in den vergangenen 6 Monaten zurückzuführen ist.
Nach einem Doppel-Top bei 550 US-Dollar sowie fortgesetzten bearishen Divergenzen in den technischen Indikatoren startete ein Abwärtstrend, der durch die KI- und Bewertungssorgen noch verstärkt wurde und zum Unterschreiten der gleitenden Durchschnitte führte, in denen es mit einem Death Cross zu einem Verkaufssignal gekommen war. Auch Horizontalunterstützungen hielten dem Druck nicht stand, sodass Microsoft schließlich auf das Tief aus dem Zoll-Crash im vergangenen Jahr fiel.
Überschaubare Erholung, aber großer Kraftaufwand
Dieses war zuletzt gleichbedeutend mit der Unterkante des Abwärtstrendkanals. Dieser Umstand trug mit den kurzfristigen bullishen Divergenzen im MACD sowie einem zwischenzeitlich überverkauften RSI zum Erfolg der aktuellen Erholung bei. Nun nährt der Sprung über die 50-Tage-Linie die Hoffnungen auf fortgesetzte Kursgewinne.
Allerdings sollten sich Anlegerinnen und Anleger von der Aktie aktuell nicht allzu viel versprechen. Erstens rückt mit 400 US-Dollar eine erste wichtige Widerstandszone näher, da hier neben einer horizontalen Hürde auch die Abwärtstrendoberkante liegt. Und zweitens ist der RSI nach dem Kraftakt der vergangenen Tage bereits wieder im fortgeschrittenen Bereich angelangt, was darauf hindeutet, dass den Bullen die Luft ausgehen könnte.
Mit Blick auf den MACD befindet sich die Aktie außerdem noch immer in einem technischen Abwärtstrend, da dieser noch nicht wieder über der Nulllinie notiert. Das macht zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich, dass ein Ausbruchsversuch entweder scheitert oder sich als Fehlsignal entpuppt und ein Anstieg über 400 US-Dollar rasch wieder abverkauft werden könnte.
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Fazit: Keine Eile, sondern Geduld ist jetzt nötig
Investoren sollten sich daher darauf einstellen, dass eine nachhaltige Erholung der Microsoft-Aktie trotz des jüngst verbesserten Chartbildes noch etwas mehr Zeit benötigen wird. Das wahrscheinlichste Szenario ist für die kommenden Wochen das Verharren in der Range zwischen 355 US-Dollar sowie der 50-Tage-Linie bei rund 392 US-Dollar.
Vorstöße darüber oder darunter dürften rasch wieder eingefangen werden. Ist das nicht der Fall, deutet das auf einen neuen nachhaltigen Trend hin. Das bedeutet, dass die Microsoft-Aktie für Kurse unter 350 US-Dollar eine Verkaufsposition ist und für Notierungen dauerhaft (mindestens auf Wochenschlusskursbasis) über 400 US-Dollar eine Kaufposition. Dazwischen befindet sie sich in einer neutralen Akkumulationsphase.
Wer investiert ist, wartet zunächst ab und setzt gegebenenfalls Stopp-Loss-Orders. Wer einsteigen möchte, braucht sich nicht zu beeilen und wird die Aktie voraussichtlich nochmal etwas günstiger oder mit klarerer Signallage erwerben können.
Autor: ARIVA.DE Redaktion/Max Gross
