Hans Bernecker: Moderate Sommerrally
Mails/Nachrichten vom 02.07.2001, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Chancen für eine moderate Sommerrally sind weiter gestiegen, obwohl New York etwas doppeldeutig geschlossen hat. Der Dow verlor 0,6 % und die zwei Nasdaq-Indizes schlossen mit +1,65 % bzw. +1,32 %. Der deutsche DAX müßte darauf freundlich starten. Man kann es auch so deuten, was ich tue: Der Dow ist wie ein Tanker. Er fährt nach Fahrplan, der sich an den Zinsen und den Konjunkturdaten orientiert. Der Nasdaq ist ein Schnellboot, das zickzack fährt, schnell, hektisch und von Zufällen begleitet. Das zeigen Ihnen auch die meisten Charts, die diesen Markt abdecken. Umstritten ist auch die amerikanische Zinssenkung mit nur 25 Basispunkten. Dazu ergänzend zur letzten AB, wo ich dies nicht ausführlich genug beantworten konnte:
Wenn die FED um nur noch 25 Basispunkte zurückgeht, so ist dies ein Signal dafür, daß sich die Konjunktur besser stabilisiert hat als vielfach erwartet wurde. Ich glaube zwar den aktuellen Zahlen noch nicht, weil mich lediglich die geglätteten Jahresraten interessieren. Ein Indiz ist es gleichwohl. Etwas anderes wäre es, wenn die FED deshalb vorsichtig agiert, weil sie Inflationspotentiale sieht. Dies ist zur Zeit nicht der Fall.
Es war in den letzten Wochen sehr schwierig für Sie, die Tiefstkurse einigermaßen auszuloten. Eine Reihe von Lesern beschwerte sich darüber, daß ich gewissermaßen jeden zweiten Tag eine Anpassung vornahm. Diese Flexibilität müssen Sie schon mitbringen, wenn Sie die Baisse ausloten wollen, die es in diesem Umfang, gemessen in Dollars, noch nie gegeben hat. Von Februar/März 2000 bis März dieses Jahres wurden an den amerikanischen Börsen rd. 3,5 Bill. $ "vernichtet", was zu einer entsprechend schwierigen Bodenbildung führt. Merken Sie sich diese Zahl bitte sehr genau, sie beträgt immerhin rd. 35 % des amerikanischen Bruttoinlandproduktes.
Wall Street konkret: Nach wie vor beste Markttechnik, sogar deutlich verbessert. A/D-Verhältnis am Freitag 1963:1117 am big board und 2320:1372 an der Nasdaq. Das Verhältnis new high/new low lag entsprechend bei 225:23 bzw. 166:50. Besser geht's nicht. Ergo:
Meine kurzfristige Einschätzung vom letzten Freitag klang vielleicht etwas sehr euphorisch, war aber richtig. Bitte denken Sie aber daran: Die hohe Volatilität bleibt vorerst bestehen. Jedem Kursgewinn folgt immer wieder eine Korrektur, so daß Sie an schwachen Tagen kaufen und keine Angst haben abzustürzen, weil die dargestellte Markttechnik das Ganze abstützt. In einem schwachen Markt wäre dies in der Regel weitaus gefährlicher. Wie sich die Potentiale rechnen, lesen Sie in der nächsten AB.
Frankfurt zeigt eine ganz ähnliche Markttechnik, nachdem im Nemax schon fast der Eindruck entstand: Der Letzte macht das Licht aus. Allerdings erscheint mir die völlig hilflose Reaktion der Börsenfunktionäre auf die Skandale und Skandälchen der Unternehmen nicht untypisch. Funktionäre sind keine Börsianer. Ich bleibe dennoch dabei, obwohl strafrechtliche Schritte in mindestens 35 - 40 Fällen dringend angesagt sind, aber nicht stattfinden, weil die Sachkenntnis der Beteiligten fehlt.
Am Neuen Markt ist es dennoch wert, auf die Perlen zu achten und sie herauszupicken. Das ist zwar auch etwas mühsam und noch schwieriger als an der Nasdaq, wird sich aber lohnen.
Zwei Aktien der Big-Boy-Klasse bestimmen m. E. in dieser Woche die Tendenz: Dt. Telekom und DaimlerChrysler. Winken Sie nicht müde ab. Ohne diese zwei als "Trendleader" gibt es keine Sommerrally. Ergänzend kommen dazu die zwei Chemietitel, die in den letzten Tagen völlig ungerechtfertigt abgebügelt wurden, aber relativ schnell einen Boden fanden. Konkret:
Nicht nur Dt. Telekom, sondern alle diese Titel in Europa werden jetzt ein Thema, nachdem zwei Dinge entscheidend sind: Die Entschuldung beginnt und die Umschuldung via Anleihen hat ebenfalls begonnen. Damit ist das permanente Downrating aller Titel zu 80 % erledigt. Die entsprechenden Verkäufe vieler Fonds sind ausgelaufen. Die Diskussion um die Jumbo-Anleihe von Dt. Telekom wird das ganze Thema in dieser Woche noch abrunden. Die Markttechnik zeigt Ihnen, wohin es geht. Bei der sehr hohen Gewichtung dieser Aktie im DAX ist damit auch ein Kursziel von 31/32 E. nicht unmöglich, sogar wahrscheinlich. Wie Sie das nutzen, lesen Sie am besten in der Terminbörse Daily, die ich Ihnen im letzten Ticker einmal kostenlos zur Probe angeboten habe. Zum Beispiel über Optionsscheine.
DaimlerChrysler hat den dritten Test oberhalb von 50 E. bestanden. Das Ganze sieht nun aus wie eine umgekehrte Kopf-Schulter-Formation. Jeder Fachmann weiß, was das heißt. Handicap dagegen:
Noch immer fallen die 200-Tagelinien für die wichtigsten großen Aktien, so daß der Spielraum vorerst relativ bescheiden bleibt. Hinzu kommt: In dieser Woche gibt es kaum bemerkenswerte Themen. Heute informiert Infineon in einer Telefonkonferenz über die Details der Kapitalerhöhung. VW wird Preiserhöhungen ankündigen und für einen Titel im Nemax, Höft & Wessel, wird es in der HV einige Details zur Restrukturierung geben. Diese Aktie steht in meiner Dispoliste für "NM".
Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenstart und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
Mails/Nachrichten vom 02.07.2001, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Chancen für eine moderate Sommerrally sind weiter gestiegen, obwohl New York etwas doppeldeutig geschlossen hat. Der Dow verlor 0,6 % und die zwei Nasdaq-Indizes schlossen mit +1,65 % bzw. +1,32 %. Der deutsche DAX müßte darauf freundlich starten. Man kann es auch so deuten, was ich tue: Der Dow ist wie ein Tanker. Er fährt nach Fahrplan, der sich an den Zinsen und den Konjunkturdaten orientiert. Der Nasdaq ist ein Schnellboot, das zickzack fährt, schnell, hektisch und von Zufällen begleitet. Das zeigen Ihnen auch die meisten Charts, die diesen Markt abdecken. Umstritten ist auch die amerikanische Zinssenkung mit nur 25 Basispunkten. Dazu ergänzend zur letzten AB, wo ich dies nicht ausführlich genug beantworten konnte:
Wenn die FED um nur noch 25 Basispunkte zurückgeht, so ist dies ein Signal dafür, daß sich die Konjunktur besser stabilisiert hat als vielfach erwartet wurde. Ich glaube zwar den aktuellen Zahlen noch nicht, weil mich lediglich die geglätteten Jahresraten interessieren. Ein Indiz ist es gleichwohl. Etwas anderes wäre es, wenn die FED deshalb vorsichtig agiert, weil sie Inflationspotentiale sieht. Dies ist zur Zeit nicht der Fall.
Es war in den letzten Wochen sehr schwierig für Sie, die Tiefstkurse einigermaßen auszuloten. Eine Reihe von Lesern beschwerte sich darüber, daß ich gewissermaßen jeden zweiten Tag eine Anpassung vornahm. Diese Flexibilität müssen Sie schon mitbringen, wenn Sie die Baisse ausloten wollen, die es in diesem Umfang, gemessen in Dollars, noch nie gegeben hat. Von Februar/März 2000 bis März dieses Jahres wurden an den amerikanischen Börsen rd. 3,5 Bill. $ "vernichtet", was zu einer entsprechend schwierigen Bodenbildung führt. Merken Sie sich diese Zahl bitte sehr genau, sie beträgt immerhin rd. 35 % des amerikanischen Bruttoinlandproduktes.
Wall Street konkret: Nach wie vor beste Markttechnik, sogar deutlich verbessert. A/D-Verhältnis am Freitag 1963:1117 am big board und 2320:1372 an der Nasdaq. Das Verhältnis new high/new low lag entsprechend bei 225:23 bzw. 166:50. Besser geht's nicht. Ergo:
Meine kurzfristige Einschätzung vom letzten Freitag klang vielleicht etwas sehr euphorisch, war aber richtig. Bitte denken Sie aber daran: Die hohe Volatilität bleibt vorerst bestehen. Jedem Kursgewinn folgt immer wieder eine Korrektur, so daß Sie an schwachen Tagen kaufen und keine Angst haben abzustürzen, weil die dargestellte Markttechnik das Ganze abstützt. In einem schwachen Markt wäre dies in der Regel weitaus gefährlicher. Wie sich die Potentiale rechnen, lesen Sie in der nächsten AB.
Frankfurt zeigt eine ganz ähnliche Markttechnik, nachdem im Nemax schon fast der Eindruck entstand: Der Letzte macht das Licht aus. Allerdings erscheint mir die völlig hilflose Reaktion der Börsenfunktionäre auf die Skandale und Skandälchen der Unternehmen nicht untypisch. Funktionäre sind keine Börsianer. Ich bleibe dennoch dabei, obwohl strafrechtliche Schritte in mindestens 35 - 40 Fällen dringend angesagt sind, aber nicht stattfinden, weil die Sachkenntnis der Beteiligten fehlt.
Am Neuen Markt ist es dennoch wert, auf die Perlen zu achten und sie herauszupicken. Das ist zwar auch etwas mühsam und noch schwieriger als an der Nasdaq, wird sich aber lohnen.
Zwei Aktien der Big-Boy-Klasse bestimmen m. E. in dieser Woche die Tendenz: Dt. Telekom und DaimlerChrysler. Winken Sie nicht müde ab. Ohne diese zwei als "Trendleader" gibt es keine Sommerrally. Ergänzend kommen dazu die zwei Chemietitel, die in den letzten Tagen völlig ungerechtfertigt abgebügelt wurden, aber relativ schnell einen Boden fanden. Konkret:
Nicht nur Dt. Telekom, sondern alle diese Titel in Europa werden jetzt ein Thema, nachdem zwei Dinge entscheidend sind: Die Entschuldung beginnt und die Umschuldung via Anleihen hat ebenfalls begonnen. Damit ist das permanente Downrating aller Titel zu 80 % erledigt. Die entsprechenden Verkäufe vieler Fonds sind ausgelaufen. Die Diskussion um die Jumbo-Anleihe von Dt. Telekom wird das ganze Thema in dieser Woche noch abrunden. Die Markttechnik zeigt Ihnen, wohin es geht. Bei der sehr hohen Gewichtung dieser Aktie im DAX ist damit auch ein Kursziel von 31/32 E. nicht unmöglich, sogar wahrscheinlich. Wie Sie das nutzen, lesen Sie am besten in der Terminbörse Daily, die ich Ihnen im letzten Ticker einmal kostenlos zur Probe angeboten habe. Zum Beispiel über Optionsscheine.
DaimlerChrysler hat den dritten Test oberhalb von 50 E. bestanden. Das Ganze sieht nun aus wie eine umgekehrte Kopf-Schulter-Formation. Jeder Fachmann weiß, was das heißt. Handicap dagegen:
Noch immer fallen die 200-Tagelinien für die wichtigsten großen Aktien, so daß der Spielraum vorerst relativ bescheiden bleibt. Hinzu kommt: In dieser Woche gibt es kaum bemerkenswerte Themen. Heute informiert Infineon in einer Telefonkonferenz über die Details der Kapitalerhöhung. VW wird Preiserhöhungen ankündigen und für einen Titel im Nemax, Höft & Wessel, wird es in der HV einige Details zur Restrukturierung geben. Diese Aktie steht in meiner Dispoliste für "NM".
Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenstart und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker