Novembernimmt Produktpiraten aufs Korn Die Biotech-Etiketten des Erlanger Unternehmens sollen 2002 marktreif sein Von Marion Nobbe
Erlangen – Mit fälschungssicherer Kennzeichnung von Produkten und Verpackungen verlässt die
November AG ihre Kerngebiete Therapie und Diagnose. Aus der molekularen Forschung heraus entwickelte das Erlanger Unternehmen ein Herstellungsverfahren für Etiketten, die neben dem Barcode auch eine Art produktspezifischer DNA enthalten. Prototypen dieser „extrem billig“ herzustellenden Markierung mit aufgetropfter Nukleinsäure wurden vergangene Woche mit großen Erfolg auf einer Fachmesse gezeigt, sagt der Vorstandsvorsitzende Wolf Bertling. Das Identifizierungs-Systeme eigne sich für Produkte ebenso wie für Dokumente.
Die
Siemens AG entwickelt das Lesegerät für diese Markierung und übernimmt die Vermarktung des Systems vom nächsten Jahr an.
November profitiert dann durch Lizenzeinnahmen, Beteiligung an der Vertriebsspanne und die Abwicklung der Etikettenproduktion. Der Markt für Biotech-Etiketten wird von den beiden Partnern weltweit auf über eine Milliarde DM geschätzt. Gleichzeitig entwickeln die Franken auch Etiketten mit feinsten Metallgrüppchen, die in einer hauchfeinen Schicht eingebettet sind. Das dadurch entstehende Farbspektrum kann nicht nachgeahmt werden. Diese Markierung eignet sich beispielsweise für die Kennzeichnung von Geldscheinen, Scheckkarten oder auch sicherheitsrelevanten Ersatzteilen.
Beide Entwicklungen sollen Produktpiraten das Handwerk schwerer, wenn nicht gar unmöglich machen. Nach Recherchen der Erlanger entsteht allein in der US-Autoindustrie durch gefälschte Ersatzteile ein jährlicher Schaden von 12 Milliarden US-Dollar. Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelstages macht Produktpiraterie etwa fünf bis sieben Prozent des Welthandels aus. Die Europäische Kommission spricht in diesem Zusammenhang von "organisierter Kriminalität".
November konzentriert sich auf Forschung und Entwicklung und profitiert von der Produktvermarktung durch unterschiedliche Modelle. So wurde vor wenigen Tagen die Produktverantwortung für ein marktreifes Gerät zur Selbstkontrolle der Blutgerinnung an die MediRoxAG verkauft.
November erhielt ihm Gegenzug Aktien der börsennotierten Schweden. Ein ähnliches Vorgehen ist für den zweiten Schwerpunkt molekulare Therapie geplant. Hier werden Eiweißhüllen entwickelt, die vom Jahr 2004 an bestimmte Wirkstoffe direkt in die Zellen transportieren sollen. Bertling, der frühere Inhaber des Bayreuther Lehrstuhls für Genetik, verteidigt vehement die Breite der Forschung, die
November weniger anfällig für Fehlschläge mache.
www.wallstreet-online.de/charts/...ol=1&rt=&bench=&1003783741" style="max-width:560px" > "Pech gehabt" November erzielt 2001 erstmals einen nennenswerten Umsatz von voraussichtlich acht (Vorjahr 3,5) Millionen DM. Der Verlust erreichte Ende Juni rund 5,5 (3,9) Millionen DM. Nach den Schätzungen der HypoVereinsbank beim Börsengang wird der Fehlbetrag im Gesamtjahr 11,5 Millionen DM betragen. Der erste Gewinn ist für 2004 geplant. Die Liquidität lag Ende Juni bei rund 55 Millionen DM. Nicht zufrieden ist Bertling mit dem Aktienkurs.
November habe „Pech gehabt“ und sei mit Beginn der Abwärtsspirale an den Neuen Markt gegangen. Nach 17 Euro Ausgabekurs bewegt sich das Papier, das zu 60 Prozent in Streubesitz ist, jetzt bei gut sechs Euro.