Peinliche Enthüllung an der Wall Street: Privat werteten Analysten Unternehmen als Schund. Investoren wurde die Aktie jedoch wärmstens empfohlen. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.
New York/Hamburg – Nach dem Absturz der Internetbranche und dem Enron-Skandal ist der Ruf der Analystenzunft bereits arg lädiert. Weiteres Ungemach droht, und mittendrin steckt eines der renommiertesten Geldhäuser: Merrill Lynch (ML). Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer wirft den hochbezahlten Wertpapierexperten vor, wissentlich Anleger mit geschönten Analysen getäuscht zu haben.
Zum Beweis hat Spitzer vor Gericht brisantes Material veröffentlicht. So bezeichneten Merrill-Lynch-Analysten in privaten E-Mails Unternehmen abschätzig als "Ramsch" und "Scheiße" ("a piece of junk" und "such a piece of crap"), obwohl die Aktien Investoren zum Kauf empfohlen wurden, zum Teil sogar mit dem bestmöglichen Rating. "So dramatisch und verurteilenswert diese Beweise gegen Merrill Lynch auch sind, es könnte nur die Spitze eines Eisberges sein", sagte Spitzer.
Die "explosivsten Dokumente, die ich je gesehen habe"
John Coffee, Professor für Unternehmensrecht an der Columbia University, nannte die vorgelegten Dokumente die "explosivsten, die ich je gesehen habe". Die anstehenden Gerichtsverhandlungen könnten für Merrill Lynch und andere Wall-Street-Banken eine "zeremonielle Demütigung" werden.
Merrill Lynch bemüht sich unterdessen, seinen Ruf zu verteidigen und weist die Anschuldigungen zurück. Die E-Mails seien aus ihrem Kontext genommen worden und die gezogenen Rückschlüsse "einfach falsch".
Vizepräsident Robert McCann, zuständig für den Bereich Research, führte in einer Stellungnahme des Unternehmens die zum Teil bereits unternommenen Schritte an, die Arbeit der Analyse-Abteilung zu verbessern. So sollen Analysten künftig nach Erfüllung ihrer Prognosen bewertet und bezahlt werden. Dies sei Teil einer im vergangenen Sommer gestarteten Überarbeitung des gesamten Research-Bereichs.
"Vertrauen der Investoren systematisch missbraucht"
Ankläger Spitzer hingegen argumentiert, dass Merrill Lynch das Vertrauen der Investoren missbraucht habe. Systematisch sei die Research-Abteilung als Verkaufsarm für die Investmentbank genutzt worden. Nun drängt der Staatsanwalt auf ein hohes Strafgeld. In Verhandlungskreisen wird von 100 Millionen Dollar berichtet, die teils als Strafe und teils als Wiedergutmachung an Investoren gezahlt werden soll.
Zudem soll sich Spitzer dafür einsetzen, dass die Research-Abteilung als unabhängiger Bereich ausgegliedert wird. "Das würde uns helfen, zu einem Punkt zu gelangen, an dem wir in der ganzen Industrie strukturelle Entlastung bekämen. Ich glaube, man hat erkannt, dass mehr getan werden muss, als nur Überwachungsbüros anzumeckern."
Namhafte Banken im Visier der Justiz
Im Zuge der Untersuchung über Research-Methoden an der Wall Street interessiert sich die Staatsanwaltschaft auch für andere namhafte Banken. Der US-Bundesstaat New York untersucht mögliche Interessenskonflikte zwischen Analysten und Investmentbanken. Nach Angaben des Wall Street Journal vom Mittwoch gehören Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston, Morgan Stanley Dean Witter, Lehman Brothers, UBS PaineWebber, Salomon Smith Barney, Lazard Freres und Bear Stearns zu den Unternehmen, die eine Vorladung bekommen könnten.
In den kommenden Monaten müssen sich zumindest die Analysten von Merrill Lynch auf etliche Verhandlungstermine einstellen. Offiziellen Stellen zufolge sollen ehemalige und immer noch bei Merrill Lynch beschäftigte Mitarbeiter zu einer öffentlichen Vernehmung vorgeladen werden.
mm.de
Gruß
Happy End
New York/Hamburg – Nach dem Absturz der Internetbranche und dem Enron-Skandal ist der Ruf der Analystenzunft bereits arg lädiert. Weiteres Ungemach droht, und mittendrin steckt eines der renommiertesten Geldhäuser: Merrill Lynch (ML). Der New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer wirft den hochbezahlten Wertpapierexperten vor, wissentlich Anleger mit geschönten Analysen getäuscht zu haben.
Zum Beweis hat Spitzer vor Gericht brisantes Material veröffentlicht. So bezeichneten Merrill-Lynch-Analysten in privaten E-Mails Unternehmen abschätzig als "Ramsch" und "Scheiße" ("a piece of junk" und "such a piece of crap"), obwohl die Aktien Investoren zum Kauf empfohlen wurden, zum Teil sogar mit dem bestmöglichen Rating. "So dramatisch und verurteilenswert diese Beweise gegen Merrill Lynch auch sind, es könnte nur die Spitze eines Eisberges sein", sagte Spitzer.
Die "explosivsten Dokumente, die ich je gesehen habe"
John Coffee, Professor für Unternehmensrecht an der Columbia University, nannte die vorgelegten Dokumente die "explosivsten, die ich je gesehen habe". Die anstehenden Gerichtsverhandlungen könnten für Merrill Lynch und andere Wall-Street-Banken eine "zeremonielle Demütigung" werden.
Merrill Lynch bemüht sich unterdessen, seinen Ruf zu verteidigen und weist die Anschuldigungen zurück. Die E-Mails seien aus ihrem Kontext genommen worden und die gezogenen Rückschlüsse "einfach falsch".
Vizepräsident Robert McCann, zuständig für den Bereich Research, führte in einer Stellungnahme des Unternehmens die zum Teil bereits unternommenen Schritte an, die Arbeit der Analyse-Abteilung zu verbessern. So sollen Analysten künftig nach Erfüllung ihrer Prognosen bewertet und bezahlt werden. Dies sei Teil einer im vergangenen Sommer gestarteten Überarbeitung des gesamten Research-Bereichs.
"Vertrauen der Investoren systematisch missbraucht"
Ankläger Spitzer hingegen argumentiert, dass Merrill Lynch das Vertrauen der Investoren missbraucht habe. Systematisch sei die Research-Abteilung als Verkaufsarm für die Investmentbank genutzt worden. Nun drängt der Staatsanwalt auf ein hohes Strafgeld. In Verhandlungskreisen wird von 100 Millionen Dollar berichtet, die teils als Strafe und teils als Wiedergutmachung an Investoren gezahlt werden soll.
Zudem soll sich Spitzer dafür einsetzen, dass die Research-Abteilung als unabhängiger Bereich ausgegliedert wird. "Das würde uns helfen, zu einem Punkt zu gelangen, an dem wir in der ganzen Industrie strukturelle Entlastung bekämen. Ich glaube, man hat erkannt, dass mehr getan werden muss, als nur Überwachungsbüros anzumeckern."
Namhafte Banken im Visier der Justiz
Im Zuge der Untersuchung über Research-Methoden an der Wall Street interessiert sich die Staatsanwaltschaft auch für andere namhafte Banken. Der US-Bundesstaat New York untersucht mögliche Interessenskonflikte zwischen Analysten und Investmentbanken. Nach Angaben des Wall Street Journal vom Mittwoch gehören Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston, Morgan Stanley Dean Witter, Lehman Brothers, UBS PaineWebber, Salomon Smith Barney, Lazard Freres und Bear Stearns zu den Unternehmen, die eine Vorladung bekommen könnten.
In den kommenden Monaten müssen sich zumindest die Analysten von Merrill Lynch auf etliche Verhandlungstermine einstellen. Offiziellen Stellen zufolge sollen ehemalige und immer noch bei Merrill Lynch beschäftigte Mitarbeiter zu einer öffentlichen Vernehmung vorgeladen werden.
mm.de
Gruß
Happy End
