´Nationale Lösung´ für Kirch geplant


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Brummer:

´Nationale Lösung´ für Kirch geplant

 
06.02.02 07:50
Für die hochverschuldete Kirch Gruppe ist nach einem Zeitungsbericht eine "nationale Lösung" geplant. Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1, derzeit im Mittelpunkt eines Streits zwischen dem Springer-Verlag und der Kirch Gruppe, hat 2001 einen Gewinnrückgang erlitten.

Die von der Bundesregierung vorgeschlagene "nationale Lösung" sehe eine weitgehende Aufteilung des Münchner Medienkonzerns vor und sei auch zur Abwehr des Chef der News Corporation Rupert Murdoch gedacht, berichtet die "Süddeutschen Zeitung". "Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen", zitiert die Zeitung einen führenden Vertreter der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin.

Die von der Regierung favorisierte Lösung für die Kirch Gruppe solle von den Banken und der Medienbranche schnell umgesetzt werden. Bisher scheitere sie aber an Leo Kirch. Die "nationale Lösung" sehe vor, den Kirch-Konzern aufzuspalten. Die Beteiligung an der Formel 1 solle an Autokonzerne wie DaimlerChrysler abgegeben werden. Kirch solle auch aus dem Springer-Verlag aussteigen, an dem er 40 Prozent halte. Mehrere Verlage sollen die Anteilscheine übernehmen.

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich nach den Angaben auf dessen Geschäftsmethoden. Murdoch habe seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutze eigene Blätter wie die britische "Sun", um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Nun dränge er auch in die Kirch Gruppe und damit in Kernbereiche des deutschen Medienmarkts.

Ergebnis übertrifft Erwartungen

Trotz des Gewinnrückgangs gibt sich Pro Sieben Sat 1 optimistisch. Das Ergebnis sei besser ausgefallen, als zuletzt erwartet, teilte der Konzern am Dienstagabend mit. Der Jahresüberschuss sei nur um 27 Prozent auf 68 Mio. Euro gesunken. Noch im November hatte der Konzern ein Minus von 45 Prozent angekündigt. Das Ergebnis vor Steuern brach von 205 auf 106 Mio. Euro ein. Die jüngste Prognose lautete hier 90 Mio. Euro. Diese Prognose, die nun übertroffen wurde, war zuvor allerdings mehrfach gesenkt worden.

Zum Jahresanfang 2001 hatte Pro Sieben Sat 1 ein prozentual zweistelliges Plus beim Vorsteuergewinn versprochen, wurde dann aber von der Werbeflaute voll erwischt. Für den geringeren Gewinnrückgang machten die Sender ein "straffes Kostenmanagement" verantwortlich. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf gut zwei Mrd. Euro.



Quelle: FTD / © dpa
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vega2000:

Kirch macht nicht Pleite

 
06.02.02 08:04
Die Kredite Deutscher Banken belaufen sich inzwischen auf über 2,2 Mrd. €, -wenn Kirch fällt, löst er damit einen Dominoeffekt bei den Banken aus. Die Bayerische Landesbank könnte dann ins trudeln geraten.
´Nationale Lösung´ für Kirch geplant 566667
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Rexini:

wozu ist wahljahr

 
06.02.02 08:08
der schröder wirds schon richten :-(
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Rexini:

es ist ja wahljahr

 
06.02.02 08:17
der schröder wirds schon richten :-(
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Happy End:

KRCH-GRUPPE: Kanzler hilft

 
06.02.02 08:26
Die Zerschlagung des Medienkonzerns wird immer wahrscheinlicher. Um eine Übernahme durch den Medienmogul Rupert Murdoch zu vermeiden, arbeitet angeblich die Regierung an einer nationalen Lösung.

München – Für die hoch verschuldete Kirch-Gruppe wird die Luft immer dünner. Am Dienstag hieß es aus Bankenkreisen, dass der Medienkonzern keine weiteren Kredite erwarten könne. Es sei unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, dass die Banken dem mit rund sechs Milliarden Euro verschuldeten Medienkonzern in dieser Situation weitere Kredite bewilligten.

Die Zerschlagung des Konzerns droht und rüttelt die deutsche Medienlandschaft wach. Oft wurde die Kirch-Gruppe kritisiert – mit Vorliebe von den öffentlich-rechtlichen Sendern, die sich nur langsam mit der Kommerzialisierung des TV-Programms anfreunden konnten. Doch angesichts des drohenden Niedergangs der Kirch-Gruppe warnt mittlerweile selbst der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen vor den Folgen einer Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch.

"Das duale System in Deutschland - ARD und ZDF auf der einen Seite sowie Kirch und RTL auf der anderen - ist in einer guten Balance", sagte Pleitgen dem Berliner "Tagesspiegel". "Wenn neue Wettbewerber wie Murdoch oder Malone auf den Markt kommen, wird diese Kultur Schaden nehmen." Beide hätten radikal-kommerzielle Vorstellungen. "Wir wünschen uns, das Kirch im Spiel bleibt."

"Nationale Lösung"

Doch nicht nur der ARD-Vorsitzende beobachtet auch das Kanzleramt verfolgt die Entwicklung bei der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe mit Interesse, wie Regierungssprecher Uwe-Karsten sagte. Die Beteiligten müssten die Auseinandersetzung aber untereinander führen, so Heye.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete stattdessen, dass nicht nur "Interesse" vorherrsche, sondern bereits an einem Plan für die Kirch-Gruppe gebastelt wird. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Aussagen eines führenden Vertreter der rot-grünen Regierungskoalition.

Die Rede ist von einer "nationalen Lösung". Diese sehe eine weitgehende Aufteilung des Münchner Medienkonzerns vor. Danach solle Kirch die Beteiligung an der Formel 1 an Autokonzerne wie DaimlerChrysler abgegeben sowie aus dem Springer-Verlag aussteigen, an dem er 40 Prozent hält. Mehrere Verlage sollten dem Plan zufolge die Anteilscheine übernehmen.

Die von der Regierung favorisierte Lösung für die Kirch-Guppe solle von den Banken und der Medienbranche schnell umgesetzt werden. Bisher scheitere sie aber an Leo Kirch.

Kein Interesse an Murdoch

Ziel sei es unter anderem auch damit eine Übernahme der Kirch-Gruppe oder Teilen davon durch den US-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch (News Corp., BSkyB) zu verhindern. "Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen" zitiert die Zeitung einen führenden Vertreter der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin.

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich vor allem auf dessen Geschäftsmethoden. Murdoch habe seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutze eigene Blätter wie die britische "Sun", um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Nun dränge er auch in die Kirch-Gruppe und damit in Kernbereiche des deutschen Medienmarkts.
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Rexini:

na also

 
06.02.02 08:47
da haben wir es ja schon.
und wer hilft den vielen mittelständigen unternehmern?
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JOHN MILLNER:

@rexini: so seh ich das auch ....

 
06.02.02 09:06
... wer hat den tausenden von mittleständischen und klein betrieben geholfen, die letztes jahr pleite gingen ?????

da gings wahrscheinlich nicht um milliardenbeträge, sondern unter umständen nur nen kleinen überbrückungskredit von ein paar tausendern ..... was mir nur mal wieder beweist: es ist wahrscheinlich einfacher 10 millionen zu bekommen als 10 tausend ......  
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vega2000:

@rexini

 
06.02.02 09:39
Schröder wird da gar nichts richten! Stoiber muss eingreifen (& das hat er auch schon, jede Wette) da Kirch & die Bayerische Landesbank sein Problem im Wahljahr werden könnte.
´Nationale Lösung´ für Kirch geplant 566773
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Brummer:

@vega2000

 
06.02.02 09:41
sehe ich auch so, daß es von Stoiber gelöst wird ( wie auch immer)

Gruß Brummer
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Brummer:

wiwo: Kirch - ein neuer Fall Holzmann?

 
06.02.02 10:27
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Sanierung der Kirch-Gruppe als nationale Aufgabe entdeckt. Eine Auffanglösung soll den Münchener Medienkonzern aufteilen, damit er nicht in die Hände des Medien-Tycoons Rupert Murdoch fällt.
 
„Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ einen führenden Vertreter der rot-grünen Regierungskoalition. Bundeskanzler Gerhard Schröder favorisiere eine „nationale Lösung“ für die Kirch-Gruppe. Diese sieht nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ vor, den Kirch-Konzern aufzuspalten. Die Beteiligung an der Formel 1 solle an Autokonzerne wie DaimlerChrysler abgegeben werden. Kirch solle auch aus dem Springer-Verlag aussteigen, an dem er 40 Prozent halte. Mehrere Verlage sollen die Anteilscheine übernehmen.

Die Bedenken gegen Murdoch beziehen sich nach den Angaben auf dessen Geschäftsmethoden. Murdoch habe seine Zeitungen in England mit Preiskriegen gegen andere Verlage nach oben gebracht und benutze eigene Blätter wie die britische „Sun“, um Einfluss auf Wahlen zu nehmen. Nun dränge er auch in die KirchGruppe und damit in Kernbereiche des deutschen Medienmarkts.

Auch der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen warnte im „Tagesspiegel“ vor einer Pleite der Kirch-Gruppe. Das Fernseh-System aus öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern sei derzeit in einer guten Balance. „Wenn neue Wettbewerber wie Murdoch oder Malone auf den Markt kommen, wird diese Kultur Schaden nehmen“, sagte Pleitgen und fügte hinzu: „Wir wünschen uns, dass Kirch im Spiel bleibt.“

Die KirchGruppe nimmt keine Stellung zu diesen Spekulationen. „Das kommentieren wir nicht“, sagte ein Kirch-Sprecher.

Quelle: wiwo.de 06.02.2002 09:21:23

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Brummer:

Kirch-Beteiligungen für Konkurrenten interessant

 
06.02.02 11:21
Angesichts der kritischen Finanzlage beim Münchener Medienkonzern Kirch sehen manche Branchenexperten bereits einen Umbruch der gesamten deutschen Medienlandschaft kommen. Analysten machen gleich mehrere Firmen aus, die Interesse an der Kirch-Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media oder dem 40-prozentigen Kirch-Anteil am Springer-Verlag haben könnten.

Reuters HAMBURG. "Da würden sich einige die Finger nach lecken", sagt etwa Oliver Rupprecht von M.M. Warburg. "Aber wir haben in Deutschland ein strenges Mediengesetz", schränkt er ein. Das macht Übernahmen schwierig, und sowohl der Presse- als auch der Rundfunkmarkt sind derzeit klar aufgeteilt. Damit haben deutsche Medienkonzerne im Inland nur wenig Expansions-Chancen.

Verlagsgruppen wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) und Holtzbrinck hätten mit Sicherheit Interesse an dem Springer-Paket, sagt Rupprecht. Auch die News Corp des Australo-Amerikaners Rupert Murdoch sei bestimmt an Springer interessiert, ebenso wie an Pro Sieben Sat.1. An der Fernsehgruppe könnten aber auch andere internationale Konzerne wie Vivendi Universal aus Frankreich oder Mediaset aus Italien Gefallen finden. "Wer schnell einen Fuß in den deutschen Markt bekommen möchte, dem bietet sich eine seltene Gelegenheit", sagt Rupprecht. Realistisch sei diese Möglichkeit allerdings nur, wenn Kirch noch massive Probleme bekomme. "Die sehe ich im Moment noch nicht, auch wenn es schwierig wird für Kirch."

Aus der Finanzbranche kann die mit 6 Mrd. Euro verschuldete Kirch-Gruppe offenbar keine weiteren Kredite erwarten. Zudem drohen durch Optionen des Springer-Verlags und der News Corp für den Verkauf von Anteilen an Kirch-Töchtern an Kirch weitere Zahlungsverpflichtungen in Milliardenhöhe. Doch selbst wenn Konkurrenten in Deutschland öffentlich Interesse an Anteilsübernahmen bei Kirch erklärten, wären ihren Bestrebungen enge Grenzen gesetzt. Schließlich wachen das Bundeskartellamt und die Landesmedienanstalten darüber, dass kein Medienkonzern mit seiner Marktmacht die Meinungsvielfalt einschränkt.

So gibt es im Kartellrecht die so genannte Presserechenklausel, die Übernahmen im Mediensektor schon bei einem weltweiten Jahresumsatz von 25 Mill. Euro zur Prüfung vorschreibt. In anderen Branchen liegt die Schwelle bei 500 Mill. Euro. Auch auf Grundlage dieser Klausel prüften und verboten schließlich die Bonner Wettbewerbshüter 1998 das Vorhaben der Medienriesen Kirch und Bertelsmann, den Bezahlsender Premiere zu einem Gemeinschaftsunternehmen zu machen. Auch vor der EU-Kommission in Brüssel scheiterte der Schulterschluss der Rivalen beim Pay-TV. Bei Bertelsmann wurde ein Einstieg ins Pay-TV dann gänzlich gestoppt - ein Schritt, über den man sich bei der Bertelsmann-Tochter RTL Group und in der Gütersloher Zentrale angesichts des schleppenden Starts beim Bezahlfernsehen und der Premiere-Defizite noch heute freut.

Doch die Medienbranche wird auch noch über den Rundfunkstaatsvertrag reguliert, nach dem kein Medienkonzern mit seinen Fernsehprogrammen einen Marktanteil von mehr als 30 % erreichen darf. Bertelsmann mit RTL, RTL2, Super RTL und Vox sowie Kirch mit ProSieben, Sat.1, Kabel 1, DSF, Neun Live und Premiere liegen mit je rund 26 % knapp unter dieser Grenze.

"Wenn RTL Interesse an Kirch-Sendern hätte, kämen sie deshalb mit Sicherheit in Schwierigkeiten", sagt der Geschäftsführer der für die Kontrolle zuständigen Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, Bernd Malzanini. Medien-Unternehmer Murdoch, der bereits an Premiere beteiligt ist, könnte dagegen mit seiner News Corp theoretisch die ganze Kirch-Gruppe übernehmen. Die Marktanteilsverteilung würde dies nicht verändern, sondern nur den "Besitzer" der Marktanteile. "Das halte ich aber für unwahrscheinlich", fügt Malzanini hinzu.

Nicht nur, weil viele in der Branche weiter von einer Rettung der Kirch-Gruppe ausgehen, ist ein Einstieg internationaler Konzerne in den deutschen Markt noch wenig wahrscheinlich. Auch die bisherigen Erfahrungen dieser Firmen in Deutschland seien nicht übermäßig positiv, heißt es in Branchenkreisen. So habe Murdoch selbst wiederholt den Einstieg versucht, seine Anteile an Sendern wie Vox dann aber wieder abgestoßen. Auch der französische Konzern Vivendi habe seine Anteile an Vox wieder verkauft, und ein Weltkonzern wie Disney habe es bisher nur auf Minderheitsbeteiligungen bei Sendern wie SuperRTL und RTL2 gebracht.


HANDELSBLATT, Mittwoch, 06. Februar 2002, 11:15 Uhr

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Peet:

Spitzentreffen entscheidet über Kirchs Zukunft

 
06.02.02 14:33
Presse: Spitzentreffen entscheidet über Kirchs Zukunft


In Verhandlungen auf höchster Ebene soll am morgigen Donnerstag über die Zukunft des schwer angeschlagenen Kirch-Konzerns entschieden werden. Nach Informationen des Magazin 'Telebörse' sprechen Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Kanzlerkandidat der Union Edmund Stoiber sowie der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Rolf-E. Breuer und der Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff über die Rettung der Kirch-Gruppe.

Wie das Blatt berichtet, hat Middelhoff seine Teilnahme an einer für den Donnerstag vorgesehenen, hochkarätig besetzten Pressekonferenz in Berlin abgesagt. Es sei nicht ausszuschließen, dass sich die Gütersloher Bertelsmann AG für Kirchs 40-Prozent-Aktienpaket am Axel-Springer-Verlag interessiert, für die die Deutsche Bank ein Pfandrecht hat.

Äußerungen des Vorstandssprechers der Deutschen Bank Breuer ließen in den letzten Tagen Spekulationen über eine äußerst prekäre Finanzlage Kirchs lauter werden. "Was man alles darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", sagte Breuer in einem Fernsehinterview. (as)  
 
[ Mittwoch, 06.02.2002, 13:17 ]  

 
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Brummer:

Kirchs Imperium droht Aufspaltung

 
07.02.02 07:35
Eine Zerschlagung der hoch verschuldeten Gruppe wird immer wahrscheinlicher. Experten gehen davon aus, dass sich Kirch nur durch Verkäufe von Beteiligungen vor dem Kollaps retten kann.

jojo/po HB FRANKFURT. „Kirch muss etwas abgeben“, hieß es am Mittwoch in Branchenkreisen. Medienexperten erwarten deshalb bald einen weitreichenden Umbau der Münchener Film- und Fernseh-Gruppe von Leo Kirch. „Es gibt Bestrebungen, das Kirch-Imperium auseinander zu nehmen“, so die Einschätzung Münchener Banker.

Die Zeit drängt, denn neue Kredite, um die in Kürze fälligen Verpflichtungen zu erfüllen, sind in weite Ferne gerückt. Am Montag hatte Deutsche-Bank-Chef Breuer in ungewöhnlich offener Form deutlich gemacht, dass von den Banken kein Geld mehr zu erwarten sei.

Aus dem Kerngeschäft von Kirch gelten insbesondere die Beteiligung an der Formel 1 und das Bezahlfernsehen Premiere als Verkaufskandidaten. An Interessenten gibt es keinen Mangel: Auf die Motorsportserie haben die Autohersteller schon lange ein Auge geworfen. Konkrete Verhandlungen zum Verkauf der Formel 1 gebe es derzeit aber nicht, sagte ein Kirch-Sprecher am Mittoch. Den hoch defizitären Pay-Kanal Premiere würde sich gerne Medienzar Rupert Murdoch sichern. Der Besitzer des Medienkonzerns News Corp. hat in den vergangenen Wochen mehrere öffentliche Angriffe auf Kirch gestartet und zuletzt mit rechtlichen Schritten gedroht, falls Kirch seinen Verpflichtungen nicht nachkommen kann. Der Australier kann im Herbst 1,5 Mrd. Euro für sein Premiere-Paket verlangen. Darüber hinaus fordert der Axel Springer Verlag von Kirch derzeit 770 Mill. Euro für dessen ProSieben-Anteile.

Bereits im April wird ein Kredit über 460 Mill. Euro der Dresdner Bank fällig, den das Institut erst im Dezember verlängert hat. „Der Kredit steht“, bekräftigte am Mittwoch eine Sprecherin, „und wir haben entsprechende Sicherheiten.“ Einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die Dresdner den Kredit nicht weiter verlängere und in bar zurückfordere, wollte die Bank nicht kommentieren. Allerdings haben sowohl die Dresdner Bank als auch die Mutter Allianz deutlich gemacht, dass es kein Interesse an einer langfristigen Beteiligung an Medienunternehmen gebe.

Banker und Medienexperten gehen davon aus, dass vor allem die Deutsche Bank ein Interesse daran hat, Kirch aufzuteilen. Ein Verkauf der Formel-1-Anteile könnte ein lukratives Geschäft für die Investment-Sparte der Frankfurter Bank sein, heißt es. „Momentan wird viel unternommen, Kirch handlungsunfähig zu machen“, verlautet im Umfeld des Unternehmens, „um dann die Reste verkaufen zu können.“

Für einen Lichtblick bei Kirch sorgten am Mittwoch allerdings die Zahlen der ProSiebenSat 1 Media AG, an dem die Gruppe die Mehrheit hält. Der Fernsehsender (Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, N 24) übertraf vergangenes Jahr mit einem Jahresüberschuss von 68 Mill. Euro die Erwartungen der Analysten. Das im M-Dax notierte Unternehmen hatte seine Prognosen zuvor allerdings mehrmals nach unten korrigiert. Wegen der Werbeflaute lag der Gewinn aber 27 % unter dem Rekordjahr 2 000.

Der Umsatz der TV-Station lag mit 2,015 Mrd. Euro im Rahmen der Erwartungen der Analysten, aber 6,5 % unter dem Vorjahr. Pro Sieben hat sich damit besser als der gesamte Werbemarkt entwickelt, der nach Firmenangaben um 7 bis 8 % geschrumpft sei.

Der Kurs der Aktie legte am Mittwoch bis zum frühen Abend um rund 21 % auf 5,5 Euro zu. Positiv bewerteten Analysten vor allem, dass es dem Management gelungen sei, die Kosten massiv zu senken. Wegen der Probleme der Kirch-Gruppe sei die Aktie im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern deutlich günstiger, urteilt die WestLB Panmure. Die LB Baden-Württemberg erwartet, dass der Kurs wegen der Unsicherheit um die geplante Verschmelzung mit Kirch Media weiter stark schwanken wird.

Kirch will im Sommer die ProSieben AG mit seinem Filmrechte-Geschäft zusammen legen und an die Börse bringen. Dazu hat sich die Firma vertraglich verpflichtet. Das Vorhaben liege im Zeitplan und sei nicht gefährdet, betonte ein Kirch-Sprecher.

Nach wie vor unklar ist, ob sich Berlin an einer Rettung von Kirch beteiligt. Regierung und Opposition dementierten gestern Berichte, wonach sich Kanzler Schröder und Herausforderer Stoiber heute zu Beratugen über die Zukunft von Kirch treffen würden.

Quelle: Handelsblatt
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Brummer:

Kirch-Drama vor der Entscheidung

 
07.02.02 15:02
Die Zukunft des Kirch-Konzerns steht auf Messers Schneide – schon heute soll es ein Spitzengespräch geben. Edmund Stoiber (CSU), der Chef der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, und Thomas Middelhoff von Bertelsmann würden dann über die Rettung des angeschlagenen Medien-Unternehmens reden, meldete „Die Telebörse“ am Mittwoch.

Das Anlegermagazin berichtete außerdem, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) werde an dem Treffen teilnehmen. Regierungssprecher Uwe-Carsten Heye dementierte dies jedoch. Der Bund sei in dem Fall kein Akteur.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich Bertelsmann für Leo Kirchs 40-Prozent-Aktienpaket am Axel Springer Verlag interessiere, für das die Deutsche Bank ein Pfandrecht habe, meldete „Die Telebörse“ weiter.

Murdoch soll fern gehalten werden

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb, die Politik wolle eine Auffanglösung hinkriegen, um den angloamerikanischen Medientycoon Rupert Murdoch aus dem deutschen Zeitungs- und Fernsehmarkt weitgehend fern zu halten. „Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen“, wird ein führender Vertreter der Regierungskoalition in Berlin zitiert. Das gelte auch für den Bundeskanzler.

In der Regierung werde deshalb eine „nationale Lösung“ für die Kirch-Gruppe favorisiert, die von den Banken und der Medienbranche schnell umgesetzt werden solle, bisher aber an Kirch gescheitert sei. Kirch soll große Teile seines Konzerns abgeben, darunter die Springer-Aktien und die Formel-1-Rechte, und das Unternehmen anschließend weiter gesundschrumpfen, schreibt die Zeitung. Die nationale Lösung für Kirch, die im kleinen Kreise intensiv besprochen und verhandelt werde, sieht nach Informationen der Zeitung eine weitgehende Aufteilung des Konzerns vor. Die Formel 1 soll an Automobilkonzerne abgegeben, die Springer-Aktien von mehreren Großverlagen übernommen werden. Im Gespräch seien Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Burda und Holtzbrinck.

Banken wollen keine Kredite geben

Bankchef Breuer hatte nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ (FTD) vom Dienstag gesagt, Kredite werde Kirch nicht mehr bekommen. Die Einzigen, die Kirch jetzt noch unterstützen könnten, seien Drittparteien.

Auch von der Bayerischen Landesbank, die als größter Gläubiger der Gruppe gilt, wird Kirch nach Informationen der Zeitung keine weiteren Mittel mehr bekommen. Das Gesamtvolumen der Darlehen belaufe sich auf knapp 2,2 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher der Zeitung. Dem steht ein haftendes Eigenkapital von 16 Milliarden Euro gegenüber. Insgesamt wird der Schuldenberg des Konzerns auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzt.

Bei einem Konkurs der Kirch-Gruppe geriete die Landesbank laut FTD in große Schwierigkeiten, da sie die gesetzlich vorgeschriebene Eigenkapitalquote kaum einhalten könnte, hieß es in dem Bericht am Dienstag weiter.

Quelle: www.focus.de/G/GN/gn.htm?snr=101083&streamsnr=8

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Brummer:

„Bankrott will keiner - alle hängen mit drin“

 
08.02.02 07:46
Zum Ambulanz-Kommando zur Rettung des Medienhändlers Leo Kirch gehört auch dessen Erzrivale Bertelsmann.
Von Hans-Jürgen Jakobs und Klaus Ott

Vor über 20 Jahren stand im Hause Bertelsmann ein vermeintliches Zukunftsgeschäft an. 120 Filme wollte der Gütersloher Medienkonzern damals für den Vertrieb auf Videokassetten kaufen, Vorstandschef Manfred Fischer hatte eine entsprechende Option auf den Deal mit dem Medienhändler Leo Kirch aus München vereinbart. Dann aber mußte Fischer an Mark Wössner übergeben, und der blies die Sache sofort ab.

Bertelsmann - mitten drin

Seitdem kreuzten sich die Wege der Manager beider Unternehmen mehrmals, doch das Verhältnis blieb schwierig. Wössners Nachfolger Thomas Middelhoff, seit November 1998 im Amt, will mit Leo Kirch öffentlich am liebsten überhaupt nicht in Verbindung gebracht werden. Das sei nicht seine Spielklasse, verkündete er wiederholt.

Und doch sitzen die Bertelsmänner mitten drin im Ambulanz-Kommando zur Rettung des hochverschuldeten Münchner Kirch-Konzerns. Regierungsvertreter wie Gerhard Schröder, Top-Banker wie Rolf-Ernst Breuer von der Deutschen Bank, Finanzgrößen wie Henning Schulte-Noelle von der Allianz und auch Verlagschefs diskutieren derzeit heiß fällige Ad-hoc-Maßnahmen.

Es müsse entweder eine konzertierte Aktion geben oder aber ein finanzpotenter Investor aus dem Ausland bei Kirch einsteigen, bekennt Werner Schmidt, Vorstandschef der Bayerischen Landesbank, die mit einem Kredit von knapp zwei Milliarden Euro größter Gläubiger des Fernsehkonzerns ist.

Kirch hat sich im Abo-TV mit Premiere World übernommen. Die dort seit Jahren angefallenen Milliarden-Lasten sowie neue dicke Zahlungen für die Formel 1 drohen seine Gruppe in den Abgrund zu ziehen.

Vor der Tür steht ein aggressiver Player aus Los Angeles, der TV-Tycoon Rupert Murdoch, der von Australien aus die globalen Medienmärkte über Jahrzehnte hinweg erobert hat. Deutschland freilich ist auf seiner Weltkarte eine Region, in der wenig Fähnchen stecken, sieht man von einem Minderheitsanteil von an Kirchs marodem Premiere-Betrieb ab.

Der Hai

Der Mann, den sie alle nur „den Hai“ nennen, hinterließ schon bei früheren Besuchen in München die Ansage, er würde gern im Axel Springer Verlag (Kirch-Anteil: 40 Prozent) mitmischen, auch eine Teilhabe am werbefinanzierten TV-Business (Sat 1) könne er sich gut vorstellen.

Genau das will Bertelsmann im Einklang mit anderen deutschen Medienhäusern verhindern. Der „Bürgersinn“ verlange, dass die Zeitungen und die großen Fernsehsender „in deutscher Hand bleiben müssen“, sagt ein Vertrauter der Situation.

In den USA beispielsweise kämen Deutsche im TV-Markt ja auch kaum zum Zuge, warum sollten sie dies hier zulassen, erklärt er. Gerade Murdoch mit seinen Rabiat-Methoden, der etwa Zeitungen schon mal zum Discountpreis anbietet, um andere zu verschrecken, der nach Gusto Politiker hochschreibt oder fertigmacht, gilt als Schrecken der hiesigen Verlegerszene.

Auch Schröder sorgt sich, dass Springers Bild in die falschen Hände kommen könnte. Das Fernsehen aber ist ihm egal – im Gegensatz zu Bertelsmann.Die Gütersloher wollen sich partout ihre starke Position bei RTL, die sie sich teuer erkauft haben, nicht durch einen unkalkulierbaren Medienmagnaten verderben lassen, der beispielsweise einen Könner wie Günther Jauch für irres Geld herauskaufen könnte. Der geplante Börsengang müsste eventuell verschoben werden.

Das Springer-Pfand der Deutschen Bank

So arbeiten die Bertelsmänner in aller Stille mit an Auffanglösungen für den Erzrivalen. Mit dabei im intimen Kreis ist die Deutsche Bank, die traditionell zum größten deutschen Medienkonzern enge Bande pflegt und die von Kirch mehr als 600 Millionen Euro bekommt. Als Sicherheit verfügt Breuers Truppe über Kirchs Springer-Aktien, die nun offenbar in Kommunikation mit Gütersloh an andere Verlage gehen sollen.

Das nötige Kleingeld für einen solchen Einstieg haben vor allem die Essener WAZ-Gruppe, die bei Bertelsmanns RTL Group beteiligt ist, sowie der Hamburger Heinrich Bauer Verlag, dessen Eigentümer Heinz Bauer sich vom ehemaligen Springer-Chef Günter Prinz beraten lässt.

Als Pressesprecher in dem Zeitschriftenhaus (TV Movie, Tina) fungiert Andreas Fritzenkötter, der frühere Strippenzieher von Altkanzler Helmut Kohl, der wiederum eng ist mit Leo Kirch.

Deutschland AG hat viele Helfer

Kohl hat kein Konzept, sieht aber seinen Freund als „Verlegerpersönlichkeit“, während die anderen im Mediengeschäft nur hochbezahlte Manager seien. Im Übrigen will er in Kürze persönlich bei Verlegerin Friede Springer vorsprechen – die Deutschland AG hat viele Helfer.

Etliche Zutaten des Münchner Medienverbunds sind zuletzt bereits zum Kauf angeboten worden, etwa der Anteil am TV-Einkaufsunternehmen Home Shopping Europe, das mit rund 200 Millionen Euro Firmenwert taxiert wird und das sich auch RTL offenbar mal angeschaut hat. Die Formel-1-Beteiligung wurde ebenfalls offeriert. Der von Kirch hierfür einst bezahlte Preis, bis zu 2 Milliarden Euro, ist aber nicht mehr zu erzielen.

Die Rechte an dem Autorennzirkus sähen die Deutsche Bank und Bertelsmann, das mit den RTL-Übertragungen des rasanten Kreisverkehrs gut verdient, am liebsten bei Autokonzernen wie Daimler-Chrysler.

Dort sitzt der gestandene Deutschbanker Hilmar Kopper, auch einer der Strippenzieher im Kirch–Krimi, an der Spitze des Aufsichtsrats; ebenfalls im Kontrollgremium wirkt Bertelsmann-Legende Wössner.

Eine „große Lösung“

Die Daimler-Manager fürchten – wohl zu Recht – dass Kirch eines Tages mit einer Exklusivvergabe von Bildern der Formel 1 sein anämisches Premiere aufpäppeln könnte – dann wären die Boliden der Stuttgarter, wie auch die Fahrzeuge der Konkurrenz, nur von wenigen zu sehen. „Wir geben nicht pro Jahr mehr als 200 Millionen Euro für die Formel 1 aus, damit die Rennen im Pay-TV verschwinden“, sagt ein Daimler-Mann, „dann wäre die erhoffte Werbung doch hinfällig.“

In den Kreisen um Spitzenbankier Kopper zirkulieren Sanierungspläne. Eine „große Lösung“ beinhaltet den Verkauf von Kirchs Pay-TV an Murdoch, der Formel 1 an die Autokonzerne, des Springer–Anteils an einen Medienfonds mit Beteiligung anderer deutscher Verlage, sowie die Aufnahme neuer Gesellschafter bei Kirchs profitablen TV-Geschäft rund um Pro Sieben und Sat 1. Kleinere Lösungen gehen von einem scheibchenweisen Verkauf solcher Vermögenswerte aus.

Die Banker sorgt, dass nach dem Kursrutsch an den Börsen die Medienbewertungen danieder liegen, die Finanzlasten bei Kirch aber jene Höhen erreicht haben, in denen die Luft sehr dünn wird. „Ein Teil der Verbindlichkeiten hat keine Deckung mehr“, sagt ein Aufsichtsrat. Die Kunst sei jetzt, den gesamten Kirch-Konzern vorsichtig neu auszurichten: „Einen Bankrott will keiner, denn alle hängen mit drin.“

Premiere World - ein Geldofen

Stratege Kopper weiß, was auf ihn zukommt, schließlich war sein Haus 1991 an der Rettung des damals klammen Rupert Murdoch beteiligt. Der Australier mit US–Paß hatte sich wie jetzt Kirch mit einer beispiellosen Expansion verspekuliert und musste einige Zeitungen und Zeitschriften verkaufen. Dafür gewährten die Banken Linderung: Sie verschoben die Rückzahlung von ausstehenden drei Milliarden Dollar um drei Jahre.

„Ohne einen solchen Verzicht wird es bei Kirch wahrscheinlich nicht gehen“, sagt ein Banker. Die prekäre Situation eskaliert, da sich bei Premiere World das viele Geld, das Investoren wie Murdoch seit Ende 1999 eingeschossen haben, schnell verzehrt.

Und ein Betriebsmittelkredit über rund 750 Millionen Euro, den die Bayerische Landesbank und andere Institute ausgereicht haben, ist verbraucht. Der neue Premiere-Chef Georg Kofler gibt sich gelassen: „Wir werden in den nächsten Monaten mit der Liquidität keine Probleme haben. Wir haben da noch einige Reserven.“

Und Murdoch, der Mann vor den Toren, der am liebsten der neue Kirch und Springer gleichzeitig sein möchte? Sein britischer Abosender BSkyB will am heutigen Freitag bei einer Pressekonferenz in London verkünden, dass er vorsichtshalber den Wert seiner deutschen Premiere-Beteiligung auf Null stellt, also eine Sonderabschreibung vornimmt.

Damit erhöht er den Druck auf Kirch noch mal, ganz nach dem Motto: Das ist doch nichts wert – Ihr könnt’ froh sein, wenn ich Premiere geschenkt nehme.
Finale in München. Alle fragen sich: Bleibt der Kirch-Turm noch mal stehen?

Quelle: sueddeutsche.de
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Brummer:

Murdoch kappt Beziehungen zu Kirch

 
08.02.02 08:12
Von James Harding, London und Gerhard Hegmann, München

Der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch hat angekündigt, sich geschäftlich von der Kirch Gruppe zu trennen. Statt weitere Mittel in Kirch-Beteiligungen zu stecken, zielt er nun darauf, sein Geld von dem hoch verschuldeten deutschen Medienkonzern zurückzubekommen.


Britischer Medientycoon Rupert Murdoch und deutscher Medien Mogul Leo Kirch
 
"Ich weiß nicht, wie wir unsere Beziehung weiter führen sollen, ohne noch mehr Geld hineinzustecken. Dazu aber sind wir nicht bereit", sagte Murdoch in Los Angeles der Financial Times. Der Australier signalisiert damit erstmals, dass er eine Option zum Verkauf seiner Anteile an Premiere World für 1,7 Mrd. Euro an Kirch ausüben will. Die Zahlung wäre im Oktober fällig, und Kirch kann sie nach eigenen Angaben nicht leisten. Da auch Bankkredite in Milliardenhöhe in den nächsten Monaten fällig werden, stünde Kirch vor dem Aus.

"Ich halte Deutschland noch immer für einen großen Markt, aber das hier scheint mir nicht die rechte Gelegenheit zu sein", sagte Murdoch über Premiere. Er hatte zunächst erwogen, seine Position als Gläubiger von Kirch zu nutzen, um den Bezahlfernseh-Sender unter Kontrolle zu bekommen. Als Gegenleistung hatte Murdoch angeboten, auf die Verkaufsoption für seinen Anteil von 22 Prozent an Premiere zu verzichten.

Doch ein größerer Einstieg Murdochs in den deutschen Markt ist auf Widerstand in der hiesigen Medienbranche und bei Politikern gestoßen. Sie fürchten die Medienmacht des Australiers. Doch Murdoch und Manager seiner Pay-TV-Gruppe BSkyB, die die Option hält, sollen die Idee einer Übernahme von Premiere nun aufgeben haben. Sie fürchten die Übernahme der riesigen Verluste von Premiere.

Bei Kirch werden die Aussagen Murdochs voraussichtlich als weiterer Schachzug beurteilt. Kirch muss nun mit Murdoch verhandeln, einen anderen Investor finden - oder er ist bankrott. Allerdings muss auch Murdoch damit sein Investment weitgehend abschreiben.

Münchner Medienkonzern rückt näher an die Pleite

Die halbstaatliche Bayerische Landesbank als größter Kreditgeber der Kirch-Gruppe schlägt eine gemeinsame Rettungsaktion der Gläubigerbanken für die mit etwa 6 Mrd. Euro verschuldeten Mediengruppe vor. Wie BayernLB-Vorstandschef Werner Schmidt sagte, hat die Bank an Kirch Kredite über 1,9 Mrd. Euro vergeben, wovon ein Teil Ende Juni fällig wird. Ein akutes Ausfallrisiko bestehe nicht. Dennoch hat die Bank ihre Risikovorsorge für das abgeschlossene Jahr auf fast 1,2 Mrd. Euro verdoppelt. An Kirch haben insgesamt acht Banken Kredite von je über 100 Mio. Euro vergeben, davon zwei aus dem Ausland. "Wenn wir versuchen, einander auszubooten, führt das zur Vermögensvernichtung", sagte Schmidt.

Wie der Landesbank-Chef sagte, haben bislang noch keine Banken-Gespräche unter Beteiligung der BayernLB stattgefunden. Offiziell äußerten sich die Großbanken am Donnerstag nicht im Detail zu dem Vorschlag der halbstaatlichen Landesbank. In Bankenkreisen war zu erfahren, dass die Bayern ihr Anliegen eines Schulterschlusses noch nicht konkretisiert haben. Die Kirch-Gruppe sei "aktuell nur noch Objekt und Opfer", sagte ein hochrangiger Bank-Manager.

Die kritische Lage für Kirch führt der Landesbank-Chef auf die Fehleinschätzung über die Anlaufverluste im Pay-TV-Bereich (Premiere) zurück. Die aktuelle Situtation mit der angespannten Liquiditätslage sei im Kern auf den Konflikt zwischen Kirch und Springer um das 770 Mio. Euro teure Pro-Sieben-Sat1-Paket zurückzuführen.

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hjw2:

Für dein allmorgendliches GEBRUMM.. thx. o.T.

 
08.02.02 08:15
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Brummer:

Die Meute schnappt zu

 
08.02.02 08:43
Leo Kirchs größter Kreditgeber, die BayernLB, redet offen über den Ausverkauf des Medienkonzerns. Deren Bankchef Werner Schmidt preist unverhohlen die Filetstücke des Unternehmens an: "In der Kirch-Gruppe sind einige Perlen, die international und national auf große Nachfrage stoßen."

München - Zunächst einmal wollte Werner Schmidt, Vorstandschef der Bayerischen Landesbank, eine "gute" Nachricht los werden: Kirch stehe bei der halbstaatlichen BayernLB nicht mit 2,3 Milliarden Euro in der Kreide, wie oft kolportiert, sondern nur mit 1,9 Milliarden. Ein Teil der Summe werde am 30. Juni fällig, man werde diesen Kredit aber nicht verlängern.

Für den alternden Patriarchen Kirch sind die Äußerungen ein erneuter Nadelstich. Er muss sich gefallen lassen, dass bislang verschwiegene Gläubiger öffentlich über seine Finanzlage diskutieren - und so versuchen, ihre eigene Haut und ihren Ruf zu retten. Schmidt betonte denn auch, die Schulden seien "zu banküblichen Usancen" vergeben worden und voll abgesichert. Er rechne fest damit, dass die BayernLB ihr Geld wiedersehen werde.

Perlen im Portfolio

Trotzdem ist der wichtigste Gläubiger des Medienkonzerns alarmiert: Seiner Ansicht nach kann die KirchGruppe ihre akuten Liquiditätsprobleme nur lösen, wenn sich ein ausländischer Investor in Kirchs Firmenreich einkauft oder die Gläubigerbanken eine konzertierte Aktion starten und Kirch dazu zwingen, Teile seines Reiches abzutreten.

Die Übertragungsrechte an der Formel 1 könnten zuerst abgestoßen werden. "In der Kirch-Gruppe sind einige Perlen, die international und national auf große Nachfrage stoßen", sagte der Landesbank-Chef.

Schmidt hofft, dass sich die Gläubiger nicht zerstreiten, sondern zueinander finden. "Alles andere wäre Vermögensverschleuderung". Immerhin hat Kirch insgesamt sechs Milliarden Euro Bankschulden bei insgesamt acht Kreditinstituten, sechs davon aus Deutschland. Vorerst gibt sich Schmidt überzeugt, "dass es in den nächsten Wochen zu einer klaren Lösung im Kirch-Imperium kommen wird".

Dennoch ist sich Schmidt offenbar nicht ganz sicher, ob die Deutsche Bank  bei einer Rettungsaktion mitspielen würde. Vorsichtshalber betonte er, die Frankfurter müssten in jede konzertierte Aktion eingebunden sein. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer hatte Anfang der Woche Kirch brüskiert, indem er den Medienunternehmer öffentlich für nicht mehr kreditwürdig erklärte.

Der Chef der BayernLB machte sich für eine "nationale Lösung" bei der Rettung Kirchs stark. Die deutsche Medienlandschaft müsse in ihrer jetzigen Form erhalten werden. Der Einstieg eines ausländischen Investors vom Schlage des Australo-Amerikaners Rupert Murdoch sei nur die zweitbeste Lösung.

Ähnlich scheint auch im Bundeskanzleramt, bei Konkurrenten wie Bertelsmann und anderen Banken gedacht zu werden. Nach früheren Berichten arbeiten diese Stellen - bislang ohne Kirchs Einverständnis - an einer Auffanglösung für die KirchGruppe, zu der neben dem Filmrechtehändler KirchMedia unter anderem die TV-Sender ProSieben, Sat.1  und Premiere World gehören.

Die KirchGruppe steht vor akuten Zahlungsschwierigkeiten, weil der Axel Springer Verlag  eine Put-Option ausüben und Kirch damit zur Zahlung von fast 770 Millionen Euro innerhalb der kommenden drei Monate zwingen will. Kirch, der wiederum 40 Prozent der Springer-Anteile hält, nennt die Option unwirksam und will dagegen klagen.

Die Wurzeln für Kirchs Finanzprobleme liegen freilich tiefer. Auch die BayernLB wirft dem Medienriesen vor, er habe sich übernommen. Vor allem bei seinen Geschäftsplänen für das hochdefizitäre Bezahlfernsehen Premiere habe sich Kirch geirrt, sagte Schmidt.

Im Falle eines Kirch-Kollapses nicht in Bedrängnis

Die BayernLB stand in den vergangenen Wochen wegen ihres Kreditengagements bei Kirch verstärkt unter Druck. Teilweise wurde bei einem Bankrott Kirchs ihr baldiger Zusammenbruch nach dem Vorbild der Berliner Bankgesellschaft  prognostiziert - ein Kollaps, der auch den Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, dessen Finanzminister die Kreditlinien der Bank überwacht, in Bedrängnis bringen würde.

Schmidt betonte, die Bankenaufsicht habe bestätigt, dass die BayernLB nicht in Kapitalprobleme geraten werde, das habe auch die Bankenaufsicht bestätigt. Die stillen Reserven der Bank überstiegen das Kreditvolumen bei weitem.

Schuldenkönig: Leo Kirchs Verbindlichkeiten
 
Schmidt wies auch Vermutungen zurück, die bayerische Landesregierung habe Einfluss auf die Kreditentscheidungen genommen. "Die vielen Falschmeldungen sind geschäftsschädigend", sagte er lediglich. Im vergangenen Jahr hat die BayernLB ihre Risikovorsorge mit 1,2 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, wohl vor allem als Absicherung gegen eine Zahlungsunfähigkeit Kirchs.

Dem Medienunternehmer drohen derweil im April noch größere Finanzprobleme: Die Dresdner Bank  will nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" ("WSJE") die Frist für die Rückzahlung eines von ihr gewährten Darlehens in Höhe von 460 Millionen Euro nicht verlängern. Die Bank hatte Kirch bereits im Januar einen Zahlungsaufschub von vier Monaten gewährt und sei nicht bereit, diese Frist erneut zu verhandeln.

Für den Kredit hat Kirch laut "WSJE" seinen Anteil von 25 Prozent an der spanischen TV-Gesellschaft Telecinco als Sicherheit gegeben. Analysten schätzen den Wert der Beteiligung auf 900 Millionen Euro. Kirch habe bereits versucht, einen Käufer für diesen Anteil zu finden, schrieb die Zeitung.

Quelle: manager-magazin.de
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Brummer:

Stoibers Hausbank

 
08.02.02 13:26
Von Gerhard Hegmann, München, und Anton Notz, Hamburg

Die Finanzkrise von Leo Kirch erschüttert zugleich die Bayern-Connection - das Münchner Machtkartell aus Landesbank, Staatskanzlei und dem Medienunternehmer.

Große Gläubiger von Kirch

Werner Schmidt gibt sich gelassen. "Ich schlafe ruhig", behauptet er. Der Vorstandschef der Bayerischen Landesbank will partout den Eindruck vermeiden, dass sein Geldhaus wegen der Kirch-Kredite eine Schieflage bekommen haben könnte.

Die BayernLB hat dem Münchner Kirch-Konzern insgesamt 1,9 Mrd. Euro geliehen - und der blickt nun in den Abgrund. Die Kredite seien "nach banküblichen Usancen mit Besicherung vergeben", und "aus heutiger Sicht" bestehe auch kein Ausfallrisiko, versichert Schmidt vor dem Club Wirtschaftspresse München. Welche Sicherheiten die Landesbank aus dem Kirch-Imperium besitzt, will er lieber nicht verraten.

Allerdings räumt er dann in einem Nebensatz doch ein, dass bei der Einlösung mancher Sicherheiten der Markt sehr klein sei: Die Preise würden vom Kunden abhängen, und einige Teile seien "nicht voll fungibel" - könnten also keineswegs sofort verwertet werden. Dass der Albtraum Kirch ihm sehr wohl den Schlaf raubt, zeigt Schmidt mit seinem Appell an die anderen, immer kritischeren Gläubigerbanken von der Deutschen bis zur Dresdner: "Die Banken müssen gemeinsam mit Kirch eine Lösung finden. Alles andere wäre Vermögensvernichtung."

Die droht nun dem Münchner Geldinstitut in gigantischem Ausmaß. Schuld daran trägt weniger der 58-jährige Schwabe, der erst seit acht Monaten an der Spitze steht, sondern eine uralte Verbindung: die Bayern-Connection aus CSU, Landesbank und Leo Kirch, dessen Finanzdesaster nun das Machtkartell im Freistaat erschüttert.

Riesiger Schuldenberg

Im April muss Kirch bei der Dresdner Bank 460 Mio. Euro zurückzahlen - weitere Stundungen seien ausgeschlossen, bekräftigte die Bank. Der Springer Verlag will voraussichtlich noch im Frühjahr von seinem Verkaufsrecht Gebrauch machen und bei Kirch Aktien von Pro Sieben Sat 1 für 770 Mio. Euro einlösen. Im Sommer werden 350 Mio. Euro für die Bezahlung der Bundesliga-Rechte fällig. Im Herbst womöglich 1,8 Mrd.Euro für den Kauf des Premiere-Anteils von Rupert Murdoch. Branchenkenner sind sich einig: Kirch ist nicht mal flüssig, die Springer-Erben auszubezahlen.

Der Medienzar wankt so stark, dass Deutsche-Bank-Chef Rolf-E. Breuer Anfang der Woche Leo Kirch in einmaliger Offenheit für quasi kreditunwürdig erklärt hat. Ein Schlag ins Gesicht auch für den bayerischen Ministerpräsidenten und seine Landesbank - hatte die doch Stoiber-Freund Kirch noch im vergangenen März 1,1 Mrd. Euro für das zweifelhafte Formel-1-Paket rübergeschoben.

Nirgendwo in Deutschland ist die Landesbank so sehr verlängerter Arm der Politik wie in Bayern. Immer, wenn’s dem Freistaat dient und der CSU-Regierung passt, muss sie ran. Ist den Geschäftsbanken das Risiko zu hoch, heißt es: Landesbank. Soll um jeden Preis Standortpolitik betrieben werden, macht’s: die Landesbank. So erübrigt sich fast schon die Frage, wer kürzlich eingesprungen ist, als die Schmidt Bank in Hof zahlungsunfähig war - die Landesbank.

Stoibers Mann im Vorstand

Einfacher als bei der halbstaatlichen Bank kann Ministerpräsident Edmund Stoiber nur noch in sein Kabinett hineinregieren. Ein Blick in den Beteiligungsbericht des Freistaats vom 22. Januar 2002 sagt alles: Im Vorstand der BayernLB sitzt Rudolf Hanisch, Stoibers enger Vertrauter und ehemaliger Leiter der Staatskanzlei. Außerdem gehört dem Vorstand eine Reihe von Ministerialen an, die sich politisch bewährt haben. "Wie unter Strauß ist es auch unter Stoiber noch gang und gäbe, dass man sich die Posten zuschiebt", sagt SPD-Fraktionschef Franz Maget.

Der Verwaltungsrat, der die Aufsicht führt, ist ebenfalls politisch korrekt besetzt. Nicht weniger als neun Kabinettsmitglieder sorgen dafür, dass bei der Landesbank nichts schief läuft. Im Falle Kirch von Vorteil: Neben Staatsminister Erwin Huber, der die Medienpolitik der Stoiber-Regierung vorantreibt, gehört auch Finanzminister Kurt Faltlhauser dem Kontrollgremium an. Außerdem ist Faltlhauser auch Chef des Kreditausschusses, der die Milliardendarlehen für den Münchner Medienunternehmer bisher bewilligte.

Und die wurden immer höher. Für das Abo-Fernsehen Premiere, für den Digitalsender DF 1, für die Formel-1-Rechte. Und bestehende Kredite mussten verlängert werden, weil die Landesbank inzwischen so fest mit Kirch verbandelt war, dass ein Bruch mit dem Medienimperialisten sie selbst in arge Bedrängnis gebracht hätte.

Kalte Füße und Blabla

Kalte Füße bekam die Landesbank - und mit ihr die Landesregierung - erstmals im Sommer vergangenen Jahres. Als Leo Kirch sich in der Formel 1 einkaufen wollte und deshalb bei der Landesbank anklopfte, versuchte der Chef der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber, die HypoVereinsbank mit ins Boot zu holen. Die winkte ab - die Landesbank engagierte sich aber trotzdem mit 500 Mio. Euro. Die Grünen stellten Minister Faltlhauser im Landtag, fragten, wie Kirch dieses Darlehen denn abgesichert habe. "Wir wurden mit Blabla abgespeist und der Ausrede, Kirch habe die Landesbank nicht vom Bankgeheimnis befreit", erinnert sich die Abgeordnete Emma Kellner.

Aber so wie jetzt haben Edmund Stoiber die Finanznöte des Schuldenkönigs nie zu schaffen gemacht. Noch nicht einmal im Frühjahr 1997, als der Regierungschef wegen Kirch öffentlich schwer unter Druck geriet. Der Medienhändler, wieder einmal klamm, brauchte einen Kredit über 250 Mio. Euro, den die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) bereitstellen sollte. Mittelständische Unternehmer beschwerten sich aber reihenweise in den Ministerien und bei der CSU über die Vorzugsbehandlung: Die LfA sei als staatliche Bank zur Mittelstandsförderung verpflichtet, nicht zur riskanten Finanzierung eines Medienriesen, rebellierten sie.

Leo Kirch verzichtete letztlich lieber auf die Hilfe der LfA. Angeblich soll die Bankgesellschaft Berlin, inzwischen bekanntlich pleite, eingesprungen sein. "Ich vermute stark, dass die Landesbank aushalf", sagt die Grünen-Politikerin Kellner.

Die aktuelle Kirch-Krise hat mittlerweile solche Ausmaße erreicht, dass sich dem Vernehmen nach gar schon die Bankenaufsicht eingeschaltet hat und bei der Bayerischen Landesbank vorstellig geworden ist. Dabei holte sie eine Beurteilung der Bonität von Kirch ein.

Mit dessen Klüngelei könnte bald Schluss sein - und Stoibers Bayern-Connection brüchig werden. Wie auch immer die Krise ausgeht, Kirchs Konzern wird aus der fast unabwendbaren Aufsplittung geschwächt hervorgehen. Ein Kanzlerkandidat Stoiber kann sich die zweideutigen Verbindungen weit weniger leisten als ein bayerischer Ministerpräsident. Und Werner Schmidt dürfte bei der BayernLB demnächst neue Saiten aufziehen.

Risikovorsorge drastisch erhöht

Dass der Sparkassen-Banker und ehemalige Chef der LBBW in Stuttgart nach München geholt wurde, galt in der Finanzbranche als Signal der konsequenteren Ausrichtung der Landesbank nach ökonomischen Aspekten. Und Schmidt gibt sich alle Mühe aufzuzeigen, dass ausgerechnet im Kanzlerwahljahr in der Landesbank eine neue Ära angebrochen ist. Er versucht, sich Stück für Stück vom Gängelband der Politik zu lösen.

So sagte er kürzlich auf die Frage, ob die wirtschaftliche Lage nicht immer häufiger Millionenkredite an notleidende Unternehmen notwendig mache und sich dann die Staatskanzlei häufiger melden werde: "Wir tätigen nur Geschäfte mit banküblichen Sicherheiten und Margen. Dies auch deshalb, da wir bis 2004 eine Eigenkapitalrentabilität von 20 Prozent erreichen wollen."

Bis dahin hat er aber noch ein Filmpäckchen zu tragen. Die nächste Rate für die Landesbank aus den Kirch-Krediten wird am 30. Juni fällig. Der Landesbank-Chef äußerte sich im Münchner Wirtschaftsclub lieber nicht dazu, ob er fest mit einer Rückzahlung rechne. Die Entscheidungen über das Kirch-Schicksal fallen früher. "In den nächsten Wochen wird klar, wie es mit Kirch weitergeht", sagte Schmidt. Vorsorglich hat die Landesbank ihre Risikovorsorge für 2001 schon mal erhöht. Um 100 Prozent.

© 2002 Financial Times Deutschland , © Illustration:  FTD
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Brummer:

Zerschlagung des Unternehmens droht

 
08.02.02 18:31
In Kreisen der Gläubigerbanken des angeschlagenen Kirch-Medienimperiums wird immer offener über eine Pleite des Bezahlfernsehsenders Premiere World diskutiert. "Eine Lösung des finanziellen Engpasses bei Kirch geht nur über eine Lösung für Premiere World," sagte ein Experte einer bayerischen Bank, der nicht genannt werden wollte.
Unvorteilhafte Lizenzverträge
Bei der von den Gläubigerbanken und dem Unternehmen angestrebten Lösung sei eventuell auch eine Insolvenz des seit Jahren defizitären Bezahlfernsehsenders von Vorteil. Neben der wenig innovativen Zugangstechnik leide Premiere auch unter unvorteilhaften Lizenzverträgen: Die teilweise noch bis 2010 geltenden Abmachungen würden teilweise dazu führen, dass Kirch für die Ausstrahlung 700.000 US-Dollar bezahle, aber nur 100.000 US-Dollar einnehme.

Premiere-Beteiligung wird abgeschrieben
Die dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch gehörende British Sky Broadcasting (BSkyB) hat 985 Millionen Pfund (1,59 Milliarden Euro) auf den Wert ihrer Beteiligung an Premiere World von Leo Kirch abgeschrieben. Dies teilte das Unternehmen am Freitag in London mit. Die Gesellschaft halte an der Absicht fest, eine Verkaufsoption für den 1,6 Milliarden Pfund (2,58 Milliarden Euro) schweren Anteil wahrzunehmen, die ab Oktober dieses Jahres möglich sei.

Subventionierung bringt Verlust
BSkyB teilte mit, im letzten Quartal des vergangenen Jahres sei die Zahl der Abonnenten des Satellitenfernsehens um 218.000 auf 5,7 Millionen gestiegen. Die fortgesetzte Subventionierung der Digitaldecoder bedeute jedoch, dass ein Vorsteuerverlust von 62 Millionen Pfund eintrat. Einschließlich der Kirch-Abschreibung und anderer Belastungen beläuft sich der Verlust auf 1,25 Milliarden Pfund.

Geheime Kanzlerrunde

Die Spekulationen über eine bevorstehende Zerschlagung der angeschlagenen KirchGruppe reißen derweil nicht ab. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer, Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und WAZ-Miteigentümer Erich Schumann hätten sich bei einem geheimen Treffen in Hannover auf eine nationale Lösung verständigt, um einen stärkeren Einfluss Rupert Murdochs auf dem deutschen Markt zu verhindern, berichtete der «Spiegel» am Freitag in einer Vorabmeldung.

Verkauf an verschiedene Anbieter
Die Fernsehfamilie um ProSiebenSAT.1 werde dabei aus kartellrechtlichen Gründen möglicherweise an verschiedene Anbieter verkauft, hieß es in dem Bericht. Die Banken sollten dem Plan zufolge auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Baldige Entscheidung wahrscheinlich
In Bankenkreisen gilt eine baldige Entscheidung über die Zukunft der KirchGruppe als wahrscheinlich. Springer fordert rund 770 Millionen Euro Kirch für ein ProSiebenSAT.1-Paket. Schon dieses Geld kann Kirch wohl nicht auftreiben. Im April läuft zudem ein Kredit der Dresdner Bank aus, der Ende 2001 kurzfristig verlängert wurde. Murdoch signalisierte zudem, dass er seine Option ziehen und im Herbst gegen eine Milliardenzahlung seinen Premiere-Anteil an Kirch zurückgeben will.

Kirch nur noch Minderheitsgesellschafter
Bei der KirchGruppe war am Freitag zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Dem «Spiegel»-Bericht zufolge soll Leo Kirch im Rahmen einer nationalen Lösung nur noch in der Rolle eines Minderheitsgesellschafter aktiv bleiben. Murdoch könne möglicherweise das Ruder bei Premiere ganz übernehmen. Falls auch die Springer- Beteiligung Kirchs zum Verkauf stehe, wolle die WAZ-Gruppe einsteigen.

Quelle: t-online.de / dpa

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Depothalbierer:

Größenwahn und allzu aggressives Auftreten gegen-

 
08.02.02 19:49
über Konkurrenten rächt sich manchmal(leider viel zu selten).
Auf jeden Fall ist es immer gut, wenn Monopolisten ausgeschaltet werden oder das selbst tun.
Angenehmer Nebeneffekt: Endlich weniger Fußball im Fernsehen.
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Brummer:

Kirch sucht hektisch nach Rettern

 
11.02.02 07:43
Von James Harding, London, Thomas Clark, Lutz Meier, Berlin

Die angeschlagene Kirch-Gruppe ist zum Verkauf ihres Anteils am Axel Springer Verlag bereit. Verhandlungen mit einer Finanzgruppe seien im "fortgeschrittenen Stadium", sagten Beteiligte.

Man habe übers Wochenende "bedeutende Fortschritte" gemacht und hoffe in den nächsten Tagen zu einer Einigung zu kommen. Eine Unterschrift liegt allerdings noch nicht vor. Kirch-Vizechef Dieter Hahn hatte am Wochenende erstmals eingeräumt, dass der Konzern unter einem Liquiditätsengpass leidet.

Noch bis vor kurzem hatte sich Kirch geweigert, einen Verkauf seines 40-prozentigen Springer-Anteils überhaupt in Betracht zu ziehen. Mit der Beteiligung wollte Unternehmensgründer Leo Kirch, 75, seinen Traum eines voll integrierten Medienkonzerns wahr machen, der sich von Film- über Fernsehen bis hin zu Printmedien erstreckt. Zudem schätzte der konservative Unternehmer die politische Bedeutung des Hamburger Verlages, der die mächtige "Bild"-Zeitung herausbringt.

Finanzielle Atempause

Dass er sich nun doch zu einer Trennung durchgerungen hat, verdeutlicht seine Finanznot. Mit dem Verkauf des Springer-Anteils könnte sich sein Medienimperium, das sich von Sendern (Pro Sieben, Sat 1, Premiere) über eine legendäre Sport- und Filmrechtebibliothek bis zur Mehrheit an der Formel 1 erstreckt, eine kleine finanzielle Atempause verschaffen. Verhandlungsteilnehmern zufolge liegt der angepeilte Verkaufspreis von Kirch bei über 1 Mrd. Euro. An der Börse ist die Beteiligung derzeit nur 800 Mio. Euro wert.

Selbst wenn der Deal zustande kommt, ist die drohende Insolvenz der Kirch-Gruppe aber nicht endgültig abgewendet. Einerseits muss Kirch den Großteil des Verkaufserlöses für die Abzahlung eines Kredits verwenden. Der Springer-Anteil dient derzeit als Sicherheit für die Kirch-Kredite der Deutschen Bank in Gesamthöhe von 700 Mio. Euro. Die Deutsche Bank, die ihren Druck auf Kirch in den vergangenen Tagen auch öffentlich verstärkte, wird dem Verkauf nur zustimmen, wenn die Summe voll getilgt ist.

Der verbleibende dreistellige Millionenbetrag reicht zur Abdeckung laufender und zu erwartender Verbindlichkeiten nicht aus. Kirch hat derzeit Schulden in Höhe von 5,6 Mrd. Euro. Seit Freitag hat sich zudem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass im Oktober von Rupert Murdoch und dessen britischem Bezahlfernsehen BSkyB eine Bargeldrechnung über 1,74 Mrd. Euro kommt. Murdoch hat deutlich gemacht, dass er derzeit nicht weiter in Kirch investieren wird und seinen Minderheitsanteil an Premiere World wieder an Kirch zurückverkauft. Eine solche Verkaufsoption für den Herbst hat sich der australische Medienunternehmer verbrieft. Wird das Problem nicht gelöst, bleibt die Bankrottgefahr.

Neue internationale Partner

Dies bestätigt mittlerweile auch die Kirch-Gruppe selbst. "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen", sagte Kirch-Vize Dieter Hahn in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "Das Thema müssen wir lösen." Ein Kirch-Sprecher dazu: "Wenn BSkyB nicht bei Premiere bleiben will, dann nutzen wir jetzt eben die Zeit, um uns nach neuen internationalen Partnern umzusehen."

Dass Kirch den Retter für seine Finanzprobleme eher im Ausland vermutet, steht im Gegensatz zu einer offenbar von der Politik und einigen deutschen Medienunternehmen bevorzugten "nationalen Lösung". Bundeskanzler Schröder traf sich mit Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff, WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann und dem Chef der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, heimlich in Hannover, um Zukunftsszenarien zu besprechen.

Dem Kanzler soll es besonders darum gegangen sein, Murdoch von Springer und dessen publizistischer Macht fern zu halten. Die WAZ hatte ihre Hilfe signalisiert. Man wäre bereit, den Springer-Anteil von Kirch zu übernehmen. Auch Bertelsmann und Burda sollen Interesse haben.

Nach FTD-Informationen kommen für die Mehrheitseigentümerin Friede Springer aber keine dieser Adressen als Partner in Betracht. Die Verlegerwitwe hat ein Vorkaufs- und Einspruchsrecht über die Kirch-Anteile.


© 2002 Financial Times Deutschland
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Brummer:

Rettung für Kirch ?

 
12.02.02 08:20
Beistand für Leo Kirch - die HypoVereinsbank will die Axel-Springer-Anteile für über eine Milliarde Euro kaufen. Damit verschafft sie der Kirch-Gruppe kurzfristig Luft. Rupert Murdoch macht aber weiter Druck.

München – Allen Unkenrufen zum Trotz – Leo Kirch hat seine Krich-Gruppe offensichtlich über eine schwierige Hürden gehoben. Bastelten Banken und Medienunternehmen schon an einer Vision, wie die Kirch-Gruppe aufgeteilt werden könnte, hat die HypoVereinsbank den vermeintlichen Rettern ein Schnippchen geschlagen.

Das Münchner Bankhaus will für mehr als eine Milliarde Euro die Beteiligung der angeschlagenen KirchGruppe am Axel Springer Verlag kaufen. Das erfuhr die dpa am Montagabend aus Branchenkreisen. Damit verschafft das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut, bei dem die Kirch-Gruppe bereits mit rund 500 Millionen Euro in der Kreide steht, der in die Enge getriebenen Kirch-Gruppe wieder deutlich finanziellen Spielraum.

Wer bietet mehr?

Ein HypoVereinsbank-Sprecher wollte die überraschende Nachricht nicht kommentieren. "Zu Kundenbeziehungen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung." HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt sicherte Leo Kirch dem Vernehmen nach fest die Bereitschaft zu, das 40-Prozent-Paket zu übernehmen. Sollte sich noch ein Käufer einfinden, der einen höheren Preis für das Aktienpaket zahlen möchte, könnte sich Kirch sich das Geschäft mit der HypoVereinsbank nochmal überlegen.

Der Kaufpreis soll über einer Milliarde Euro lieben. Die Übernahme des Springer-Pakets sei Teil einer umfassenderen finanziellen Lösung. Mit der Zusicherung verschaffte die HypoVereinsbank einem wichtigen Kreditnehmer Luft.

Deutsche Bank gescheitert

Laut früheren Angaben beläuft sich das HypoVereinsbank-Engagement auf unter 500 Millionen Euro. Die Bank wolle aber auch Geld mit dem überraschenden Einstieg bei Springer verdienen, hieß es in Branchenkreisen. Zudem sei damit der Versuch der Deutschen Bank gescheitert, Kirch unter Druck zu setzen, um eine Aufteilung der Kirch-Gruppe zu erreichen.

Die Kredite der HypoVereinsbank an die Kirch-Gruppe sind nach Angaben der US-Investmentbank JPMorgan nur zur Hälfte gesichert. Die Bankmanager der HypoVereinsbank sähen noch keinen Grund für eine Risikovorsorge bei den ausgereichten 450 Millionen Euro, schrieben die Analysten. Sie beriefen sich dabei auf Aussagen des Bankmanagements bei Investorengesprächen in den USA.

Berlusconi greift nach Telecinco

Die italienische Mediengruppe Mediaset des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi will indes eigenen Angaben nach einen Teil des 25-Prozent Aktienpaketes, das Kirch an dem hochprofitablen Fernsehsender Telecinco hält, übernehmen. Wie Mediaset am Montag mitteilte, wolle man den eigenen 40-Prozent-Anteil an dem spanischen Sender aufstocken. Wegen der spanischen Mediengesetze könne der Anteil aber nur auf 49 Prozent erweitert werden.

Zudem will die italienische Mediengesellschaft weiter mit 2,28 Prozent an KirchMedia beteiligt bleiben.

Murdoch macht weiter Druck

Dennoch – auch wenn sich Kirch erst ein Mal wieder Luft verschafft hat, der finanzielle Spielraum bleibt weiter eng. Denn noch droht, dass Medienmogul Rupert Murdoch im Herbst eine Verkaufsoption der Premiere World-beteiligung wahrnehmen könnte. Dann muss Kirch dem australisch-amerikanischen Manager etwa 1,6 Milliarden Euro zahlen. Dieses Geld dürfte Kirch auch nach dem HypoVereinsbank-Deal nicht haben.

Kirch-Vize Dieter Hahn hatte am Wochenende finanzielle Schwierigkeiten eingeräumt. Der angekündigte Ausstieg Rupert Murdochs bei Premiere könne zu Liquiditätsproblemen führen. "Bis auf eine Bank, die eigene Interessen verfolgt, laufen die Verhandlungen mit allen Banken der Kirch-Gruppe gut", sagte Hahn der "Welt am Sonntag".

Die Schulden der Kirch-Gruppe belaufen sich nach bisherigen Erkenntnissen auf fünf bis sechs Milliarden Euro. Auslöser der aktuellen Krise war eine Forderung des Springer-Verlags über rund 770 Millionen Euro für eine ProSiebenSAT.1-Beteiligung. In den kommenden Monaten werden Kredite der Dresdner Bank und der Bayerischen Landesbank fällig. Allerdings hieß es in Branchenkreisen, andere Banken seien deutlich gesprächsbereiter geworden, als sie vom Angebot der HypoVereinsbank an Kirch gehört hätten.

Quelle: manager-magazin.de



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Brummer:

Hilfe von der HypoVereinsbank?

 
12.02.02 16:21
Geht es mit Unterstützung der Bank wieder ein Stück aufwärts?

Das Kreditinstitut will offenbar für mehr als eine Milliarde Euro die Beteiligung Kirchs am Axel-Springer-Verlag kaufen. Wie unter anderem die „Financial Times Deutschland“ am Dienstag meldete, bietet die Bank dem Medienkonzern zwischen 1,1 Milliarden und 1,4 Milliarden Euro für dessen Aktienpaket. Die Offerte soll jedoch „nur Teil eines größeren Pakets sein, das einen größeren Teil der finanziellen Probleme von Kirch lösen wird“. Kirch ist letzten Angaben zufolge mit 5,6 Milliarden Euro verschuldet.

Die Einigung mit der Bank, die bereits am vergangenen Freitag zustande gekommen sein soll, wurden dem „Handelsblatt“ zufolge aus dem Umfeld Kirchs und der Bank bestätigt. Kirch werde sich noch in dieser Woche entscheiden, ob er das Angebot annehme. Die HypoVereinsbank habe ein frei bleibendes Angebot unterbreitet. Kirch habe zwischenzeitlich Gespräche mit anderen Gläubigerbanken aufgenommen. Sie könnten nun ebenfalls Gebote für das Springer-Paket unterbreiten. Sollte das Geschäft mit der HypoVereinsbank zu Stande kommen, hätten sich die Vertreter einer „freundlichen“ Lösung durchgesetzt, die der Kirch-Gruppe ein Überleben in verkleinerter Form ermöglichen wollen.

Banken erwägen Einstieg

Das „Handelsblatt“ hatte am Montag unter Berufung auf Frankfurter Bankenkreise berichtet, die Gläubigerbanken arbeiteten an einer Auffanglösung für Kirch, der mehr als fünf Milliarden Euro Schulden angehäuft hat. Die Banken erwögen, einen Teil ihrer Darlehen in Unternehmensanteile umzuwandeln. Im Gespräch sei aber auch, Unternehmensteile wie die Formel-1-Rechte oder die Springer-Anteile zu verkaufen. Bei ihrem Rettungsversuch planten die Banken offenbar ohne den 75-jährigen Kirch, schrieb das Blatt. Die Verhandlungen zwischen den Banken könnten noch sechs bis acht Wochen dauern. Bis zur Fälligkeit des Dresdner-Bank-Kredits über 460 Millionen Euro Ende April solle eine Lösung auf dem Tisch liegen.

Ende Juni wird zudem ein Kredit der Bayerischen Landesbank fällig. Im Oktober will der Medien-Tycoon Rupert Murdoch aus Kirchs defizitärem Abo-Fernsehen Premiere aussteigen und seine Einlage über 1,8 Milliarden Euro zurückbekommen.

Der stellvertretende Konzernchef Dieter Hahn hatte am Wochenende erstmals eingeräumt: „Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen.“

URL: www28.focus.de/G/GN/gn.htm?snr=101083&streamsnr=8


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Pichel:

hat gefährliche Klippe in letzter Minute umschifft

 
12.02.02 16:23
Dienstag 12. Februar 2002, 15:43 Uhr  
HINTERGRUND: Leo Kirch hat die gefährliche Klippe in letzter Minute umschifft




MÜNCHEN (dpa-AFX) - Leo Kirch hat das Ruder in letzter Minute herumgerissen. Während viele Branchenkenner schon den Untergang des hoch verschuldeten Münchner Medienimperiums befürchteten, bereitete der 75-jährige ein dramatisches Wendemanöver vor. In geheimen Gesprächen verhandelte er mit der HypoVereinsbank (Frankfurt: 802200.F, Nachrichten) über einen Verkauf seiner wertvollen Beteiligung am Axel Springer Verlag (Frankfurt: 725090.F, Nachrichten) .
Per Handschlag sagte Konzernchef Albrecht Schmidt dem langjährigen Geschäftspartner zu, das Springer-Paket auf Wunsch für mehr als eine Milliarde Euro abzukaufen. Mit dieser "bayerischen Lösung" könnte Kirch zumindest die offen klaffenden Finanzlöcher stopfen und die akute Krise abwenden. Im sicheren Hafen ist Kirch aber noch nicht.

GELD FÜR WENIGSTENS EINIGE MONATE

Wenigstens für einige Monate dürfte er aber genug Geld in der Kasse haben, um seine Schulden zu begleichen. Zusammen mit dem geplanten Verkauf der Beteiligung an dem spanischen Fernsehsender Telecinco dürfte Kirch bald gut zwei Milliarden Euro einnehmen. Davon könnte er sowohl den Springer-Verlag bezahlen, der rund 770 Millionen Euro für seine Beteiligung an ProSiebenSAT.1 fordert. Auch für die Dresdner Bank (Frankfurt: 804613.F, Nachrichten) , bei der Kirch mit gut 460 Millionen Euro in der Kreide stehen soll, könnte es reichen.

Da ein Kredit bei der Deutschen Bank mit der Springer-Beteiligung besichert ist, gehen Experten davon aus, dass Kirch bei einem Verkauf des Pakets die Deutsche Bank (Frankfurt: 804031.F, Nachrichten) auszahlen wird. Ohnehin waren die Beziehungen zu der Bank seit längerem gespannt. Sein Kredit dort wird auf gut 600 Millionen Euro geschätzt.

ROLLE DER DEUTSCHEN BANK UMSTRITTEN

Die Rolle der Deutschen Bank im Kirch-Krimi ist in der Branche spätestens umstritten, seit Rolf Breuer vor einer Woche in New York öffentlich die Kreditwürdigkeit seines Kunden Leo Kirch in Frage stellte. "Die Deutsche Bank hat versucht, Kirch an die Wand zu drücken", sagte ein Experte nach dem HypoVereinsbank-Angebot.

Hingegen habe die HypoVereinsbank ihren langjährigen Kreditnehmer nicht im Stich lassen wollen. Vermutet wurde unter anderem, dass Hilmar Kopper, Aufsichtsratschef bei Deutscher Bank und DaimlerChrysler (Frankfurt: 710000.F, Nachrichten) , den Autobauern um Mercedes den Formel 1-Einstieg ermöglichen wollte. Zudem könnte die Deutsche nach Einschätzung von Experten an einer Aufteilung der KirchGruppe viel Geld verdienen. Mit ihrer überraschenden Offerte zielte die HypoVereinsbank nach Einschätzung von Branchenkreisen auch auf die Deutsche Bank.

Allerdings handelte auch die HypoVereinsbank nicht aus altruistischen Motiven. "Die wollen damit auch Geld verdienen." Der Einstieg bei Europas größtem Verlagshaus gilt bei vielen potenziellen ausländischen wie inländischen Unternehmen als interessant. Daher könnte ein Weiterverkauf für die HypoVereinsbank zum Geschäft werden. Dazu müsste Springer allerdings zustimmen.

NOCH IST DEAL NICHT IN TROCKENEN TÜCHERN

Noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Verträge sind nicht unterzeichnet, Kirch kann zudem weiter nach anderen Käufern suchen. "Er wird jetzt mit dem Angebot hausieren gehen", sagt ein Finanzexperte. Dennoch gewinnt der 75-jährige Leo Kirch, der unter dem milliardenschweren Schuldenberg zu ächzen und von den Gläubigerbanken getrieben schien, vorerst seine Handlungsfreiheit zurück. Zudem soll sich Breuer bei seinem Treffen am Wochenende mit Leo Kirch plötzlich viel verhandlungsbereiter gezeigt haben, als er von der HypoVereinsbank-Offerte erfuhr. Kirch habe ihm mitteilen können: "Liebe Leute, ich habe eine Alternative." Wieder einmal könnte es Leo Kirch gelungen sein, in letzter Minute mit einer trickreichen Wendung eine bedrohliche Klippe zu umschiffen.

Spätestens im Herbst stehen aber neue Probleme ins Haus. Wenn Rupert Murdoch seine Option zieht und seine Anteile am defizitären Bezahlfernsehen Premiere an Kirch für etwa 1,6 Milliarden Euro an Kirch zurückgibt, steckt Kirch wieder in der Klemme. Denn dieses Geld hat er auch nicht, wenn der Springer-Verkauf an die HypoVereinsbank erfolgreich über die Bühne geht. Derzeit werden in Branchenkreisen zwei mögliche Auswege diskutiert: Zum einen könnte Kirch die Mehrheit an Premiere an Murdoch oder einen anderen ausländischen Interessenten abgeben oder er lässt den Bezahlsender Pleite gehen. "Als letzter Ausweg ist auch das eine Option für Kirch", hieß es in Branchenkreisen. Kirch ist immer für eine Überraschung gut./dw/ax/DP/ar

--- Von Daniela Wiegmann und Axel Höpner, dpa ---

 

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