Mobilcom rüstet sich für Abwehrkampf


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Mobilcom rüstet sich für Abwehrkampf

 
11.12.01 09:17
Aus der FTD vom 11.12.2001 www.ftd.de/mobilcom
Mobilcom rüstet sich für Abwehrkampf
Von Andreas Krosta, Hamburg, und Ulrike Sosalla, New York

Der Vorstandschef und Mehrheitsaktionär des Mobilfunkunternehmens Mobilcom, Gerhard Schmid, wappnet sich mit neuen Großinvestoren gegen eine mögliche Übernahme durch France Telecom. Damit sucht er die Franzosen auf Abstand zu halten.

Neben einem Investor, der fünf Prozent der Mobilcom-Aktien hält, hat der New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte 1,1 Prozent an Mobilcom erworben. "Wir glauben, dass die Mobilcom-Aktie bedeutendes Potenzial nach oben hat, und wollen verhindern, dass die Kleinaktionäre des Unternehmens ein Übernahmeangebot auf dem derzeitigen niedrigen Kursniveau akzeptieren müssen", sagte Wyser-Pratte der Financial Times Deutschland.

France Telecom hatte im Frühjahr 2000 einen Anteil von 28,5 Prozent an Mobilcom gekauft, um als Partner für den Aufbau eines UMTS-Netzes in den deutschen Markt einzusteigen. Nun versucht der Konzern offenbar, weitere Anteile an den Finanzmärkten aufzukaufen. "Wir glauben, dass France Telecom seinen Aktienanteil im nächsten Jahr erhöht", heißt es im Spitzenmanagement von Mobilcom. "France Telecom ist daran interessiert, Mobilcom zu 100 Prozent zu besitzen."



Schwache Kursentwicklung


Hintergrund der Investorensuche ist der anhaltend niedrige Aktienkurs des am Neuen Markt notierten Unternehmens. Die Mobilcom-Aktie hatte ihr Hoch im März 2000 mit 199 Euro erreicht. Am Montagnachmittag notierte die Aktie bei 24,95 Euro. Damit ist das Unternehmen an der Börse rund 1,5 Mrd. Euro wert. Als France Telecom vor 20 Monaten einstieg, hatte Mobilcom noch einen Börsenwert von 7,7 Mrd. Euro. Um France Telecom daran zu hindern, große Aktienpakete zu diesem niedrigen Kurs ist zu kaufen, will Mobilcom-Chef Schmid mit der Hilfe von Investoren offenbar selbst auf die Mehrheit der Anteile kommen. Er hält bisher 42 Prozent und ist damit größter Aktionär von Mobilcom. Bereits in der Woche zuvor war ein weiterer Investor mit fünf Prozent eingestiegen. "Ich plane, mich mit diesem Investor in Kontakt zu setzen, da ich glaube, dass er ähnliche Ziele verfolgt", sagte Wyser-Pratte. Bei Mobilcom heißt es, dass es derzeit die zweitwichtigste Aufgabe von Schmid sei, weitere Großinvestoren zu suchen. France Telecom wollte die Gerüchte von Aktienaufkäufen nicht kommentieren.


Guy Wyser-Pratte, Chef und Gründer der New Yorker Investment-Beratungsfirma Wyser-Pratte, hatte in den vergangenen Monaten in Deutschland Schlagzeilen gemacht, als er als Minderheitsaktionär bei dem Rüstungshersteller Rheinmetall einstieg und den Mehrheitsaktionär, die Familie Röchling, vehement zu einem Kurswechsel drängte. Vor zwei Wochen hatte Wyser-Pratte seinen Rheinmetall-Anteil dann überraschend an die Röchlings verkauft, nicht ohne seine Investition mehr als zu verdoppeln.


Anders als bei Rheinmetall will Wyser-Pratte sich aber bei Mobilcom nicht ins operative Geschäft einmischen. Es gehe ihm diesmal vor allem darum, die Kleinaktionäre des Unternehmens vor einem niedrigen Übernahmeangebot zu schützen, sagte er.



Auf Abstand bedacht


Gerhard Schmid dürfte das sehr entgegenkommen. Die Beziehungen zwischen Mobilcom und France Telecom waren von Anfang an schwierig. Schmid holte France Telecom ins Boot, weil er das ehemals französische Staatsunternehmen als Finanzier für den Aufbau der dritten Mobilfunkgeneration UMTS braucht. France Telecom wiederum brauchte Mobilcom als Einstieg in den wichtigen deutschen Mobilfunkmarkt. Im Dezember 1999 hatten die Franzosen bereits versucht, E-Plus zu kaufen, waren aber vom niederländischen Telekommunikationsunternehmen KPN überboten worden.


Schon kurz nach der UMTS-Versteigerung im Sommer 2000, bei der Mobilcom und France Telecom für 8,5 Mrd. Euro eine Lizenz erwarben, wehrte sich Schmid gegen zu viel Nähe zu den Franzosen. Pläne aus Paris, Mobilcom in die Mobilfunktochter Orange einzugliedern und langfristig den Markennamen zu ändern, wies Schmid brüsk zurück. Ebenso vehement trat er Gerüchten entgegen, er wolle sich schon vor 2003 aus dem Konzern zurückziehen. Schmid hatte Mobilcom 1991 gegründet und 1997 an die Börse gebracht.


Allerdings wird mehr Nähe über kurz oder lang unvermeidlich: France Telecom hat eine Option, zwischen 2003 und 2006 die Mehrheit an Mobilcom zu übernehmen, indem sie Schmid einen Teil seiner Aktien abkaufen. Die derzeitigen Bemühungen, Aktien am Markt zu kaufen, deuten jedoch darauf hin, dass diese Option für den französischen Konzern teurer wäre als der derzeitige Kurs.



© 2001 Financial Times Deutschland
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