*** WEB.DE AG ***
Interview - WEB.DE will in 2002 trotz Flaute bei Online-Werbung profitabel sein
FRANKFURT - Das Internetportal WEB.DE will trotz der derzeitigen Flaute auf dem Online-Werbemarkt im Jahr 2002 profitabel werden. Damit hält das Karlsruher Unternehmen an den Prognosen des Börsengangs im Februar 2000 fest. "Wenn wir einen guten Job machen, erreichen wir im nächsten Jahr die Gewinnschwelle auf Jahresbasis", sagte der WEB.DE-Vorstandsvorsitzende Matthias Greve in einem Gespräch mit der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch.
Das Unternehmen habe seine Kostenseite im Griff und würde auf der Ertragsseite in den kommenden Jahren von der Umsatzsteigerung profitieren. "Konkret heißt dies, dass die Gewinnschwelle wegen der hohen Rohertragsquote bei den einzelnen Produkten von rund 80 Prozent bei einem entsprechendem Umsatzwachstum im Jahr 2002 erreicht wird", sagte Greve. Um dieses Ziel zu erreichen, will der Portalanbieter unabhängiger von den schwankenden Werbeeinnahmen werden.
Deshalb habe WEB.DE vor kurzem damit begonnen, seine mobile Kommunikationslösung (Unified Message) auch für Geschäftskunden anzubieten. Mit dem Produkt "Workways" wolle WEB.DE den Markt der Unternehmenskommunikation erschließen. Der Vertrieb habe gerade begonnen, werde sich aber frühestens im dritten Quartal spürbar auf die Umsätze auswirken. Auch die so genannten Premium Services, die den Privatkunden vermehrt im Telekommunikationssektor gegen eine Gebühr angeboten werden sollen, werden sich nach Greves Angaben erst im dritten Quartal niederschlagen.
Im laufenden Jahr stehe weiter der Anstieg bei den Nutzerzahlen im Vordergrund. "Bis Jahresende 2001 wollen wir sieben Millionen registrierte Nutzer haben", sagte Greve. Ende 2000 hatte das Portal drei Millionen Anwender. Die Marketingausgaben sollen hierfür im laufenden Jahr konstant bleiben oder sogar noch ansteigen. Im vergangenen Jahr hatte das am Neuen Markt gehandelte Internet-Unternehmen rund 10 Euro für jeden neuen Kunden ausgegeben. "Diese Aufwendungen sind eine Investition in die Zukunft, die sich auszahlen werden", ist sich Greve sicher. Die Werbegelder würden der steigenden Internetnutzung folgen. Im Augenblick gehe es darum, sich im Markt zu platzieren und eine gute Position zu haben, wenn der zu verteilende Werbekuchen im Internet wieder größer werde. Bei der derzeitigen Wachstumsschwäche der Werbeeinnahmen handele es sich nur um eine saisonale Schwankung, schätzt Greve. Insgesamt sieht er den Online-Werbemarkt nach wie vor extrem positiv: "Es ist immer noch ein wachsender Markt mit einem jährlichen Anstieg in dreistelliger Prozenthöhe."
Dank der guten Liquiditätslage müsse sich das Unternehmen keine Sorgen über die Finanzierung des Wachstums machen. Nach eigenen Angaben besitzt WEB.DE noch 168,4 Mio. Euro aus dem Börsengang. "Wir haben eine sehr solide Finanzierungsbasis. Unser Geld reicht noch ewig", sagte Greve. Trotz der gefüllten Kassen stehe aber erst einmal keine weitere Akquisition ins Haus. Bei den Mitarbeitern rechnet Greve mit einem weiteren Anstieg um hundert Angestellte, die überwiegend im Vertrieb und Entwicklung eingesetzt werden sollen. Im Jahr 2000 hatte WEB.DE seinen Mitarbeiterstamm durch Firmenübernahmen und Wachstum von 45 auf 355 gesteigert.