Mi, 29. Juli um 13:03 Uhr
Gestern Abend senkte Medios die Gewinnprognose für das laufende Jahr. Die Aktie bricht heute um 10% ein. Wir warten seit nunmehr fast sechs Jahren, dass dieses Unternehmen seine exorbitant günstige Bewertung auflösen kann: Das EV/EBITDA steht bei nur 4 und eigentlich entwickelt sich das Geschäft stabil.
Doch immer dann, wenn sich die stabile Umsatzentwicklung in eine erfreuliche Gewinnentwicklung auswirken soll, kommt eine Hiobsbotschaft, "für die das Unternehmen nichts kann". Mal sind Wirkstoffe nicht verfügbar oder sehr teuer. Mal reguliert ein Schiedsgericht die Absatzpreise. Nun beschloss der Bundestag, dass Cannabis-Behandlungen nur in Ausnahmefällen von den Krankenkassen erstattet werden. Das "GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz" sei schuld, lese ich aus der Meldung heraus.
Ich hatte gedacht, dass Medios mit den patientenindividuellen Therapien ein Angebot aufstellen kann, mit dem sich deutlich höhere Margen verdienen lassen als mit dem breiten Vertrieb von Pharmazeutika. Denn, dass sich mit Pharmazeutika kaum was verdienen lässt, das habe ich vor 20 Jahren bereits schmerzhaft erfahren müssen, als ich damals Celsio erfolglos ins Portfolio holte.
Tja, tut mir leid. Offensichtlich muss es manchmal weh tun, damit ich aus Fehlern lerne. Billig ist nicht gleich günstig. Und Medios ist offensichtlich billig, denn eine attraktive Gewinnmarge ließ sich in den vergangenen sechs Jahren nicht durchsetzen.
Ich ziehe nun die Reißleine und verkaufe die Position mit -25% seit Jahresbeginn. Schmerzhaft, aber zum Glück machte sie nur noch 2,7% des Portfolios aus. Tut mir leid, dass ich so lange an der Position festgehalten habe. Einmal mehr war dafür auch verantwortlich, dass ich Zugang zu Analysten habe, die eng mit dem Unternehmen zusammenarbeiten und mir immer wieder versicherten, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis dieses "günstige" Unternehmen eine höhere Bewertung erfahren würde.
Seit einigen Jahren habe ich bereits konsequent nur noch auf sehr große Unternehmen gesetzt, bei denen alle Anleger über die gleichen Informationen verfügen. Mit Medios werfen wir nun die vorletzte "Altlast" raus. PVA TePla ist dann das letzte Unternehmen, bei dem ich die CEO Jalin Ketter persönlich getroffen habe und auf ihre Zusagen vertraue. Aktuell notiert PVA TePla noch mit +40% im laufenden Jahr, wenngleich die Aktie diese Woche in den KI-Ausverkauf geraten ist (-13%).