- Die Bank of Japan könnte Zinsen auf 1,25 Prozent anheben.
- Analysten erwarten weitere Erhöhungen bis 2027.
- Die Zinserhöhung könnte die Märkte global beeinflussen.
- Energiekrise als Kurstreiber:
Diese 5 Aktien könnten durchstarten (hier klicken)
Nicolas Ebert Die Bank of Japan könnte am Freitag die Zinsen auf den höchsten Stand seit 31 Jahren anheben und weitere Erhöhungen signalisieren. Damit reiht sie sich in eine Serie großer Zentralbanken ein, die im Kampf gegen den Inflationsdruck durch steigende Ölpreise die Zinsen straffen.
Da die Märkte eine Zinserhöhung bereits eingepreist haben, richtet sich die Aufmerksamkeit auf Hinweise von Notenbankgouverneur Kazuo Ueda zu Tempo und Zeitpunkt weiterer Schritte.
Die Märkte seien gespalten, sagte Katsutoshi Inadome, Senior-Stratege bei Sumitomo (Sumitomo Aktie) Mitsui Trust Asset Management: Eine hawkische Kommunikation könnte die Anleiherenditen senken, da sie Sorgen um eine zu zögerliche Notenbank mindere, oder sie steigen lassen, weil sich die Erwartungen zum künftigen Höchstzinssatz erhöhten. Am besten sei es für die Notenbank daher, so vage wie möglich zu bleiben, so Inadome.
Bei der zweitägigen Sitzung, die am Freitag endet, dürfte die Bank of Japan ihren Leitzins von einem Prozent auf 1,25 Prozent anheben. Vorstandsmitglied Toichiro Asada, der bereits im Juni dagegen stimmte, könnte dies laut Analysten erneut tun. Viele im Gremium dürften eine moderate Anhebung um 25 Basispunkte einer stärkeren Maßnahme vorziehen, wie mit den Beratungen vertraute Quellen gegenüber Reuters erklärten.
Schwierige Kommunikationslage für Gouverneur Ueda
Ueda erklärte Anfang des Monats, die Kerninflation liege inzwischen ziemlich nahe am Zwei-Prozent-Ziel. Von Reuters befragte Analysten erwarten, dass die Zinsen in diesem Monat auf 1,25 Prozent, bis Ende März kommenden Jahres auf 1,5 Prozent und im zweiten Quartal 2027 auf 1,75 Prozent steigen.
Für Ueda dürfte die Pressekonferenz eine Gratwanderung werden: Ein zu zurückhaltender Ton birgt das Risiko erneuter Yen-Verkäufe, ein zu hawkischer Ton könnte den ohnehin unter Druck stehenden Anleihemarkt zusätzlich belasten. Erschwert wird die Lage durch die expansive Fiskalpolitik von Premierministerin Sanae Takaichi.
Die Researchabteilung von der UBS erwartet ebenfalls eine Anhebung auf 1,25 Prozent und sieht die nächste Erhöhung eher im Januar als im Dezember. Joël Le Saux, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Eurizon, verweist darauf, dass die eigentliche Marktreaktion von der Kommunikation abhänge. Die Marktteilnehmer rechneten inzwischen mit vierteljährlichen Erhöhungen bis zum kommenden Sommer, sodass der Leitzins dann bei zwei Prozent liegen dürfte.
Was das für die Märkte bedeutet
Für globale Anleger ist die Entscheidung vor allem wegen des sogenannten Yen-Carry-Trades brisant. Bei diesem Geschäft leihen sich Investoren Geld in Yen zu extrem niedrigen Zinsen und legen es in höher verzinsten Währungen oder Anlagen im Ausland an.
Je stärker die Bank of Japan die Zinsen anhebt, desto unattraktiver wird dieser Renditeabstand, und desto teurer wird es, die Kredite in Yen zu bedienen. Steigt der Yen dabei gleichzeitig im Wert, wie zuletzt bereits beobachtet, verschärft sich der Druck auf gehebelte Positionen zusätzlich.
Eine solche Situation hatte im August 2024 bereits zu heftigen Marktturbulenzen geführt, als eine überraschend deutliche Zinserhöhung eine Welle von Carry-Trade-Auflösungen auslöste und Aktienmärkte weltweit kurzfristig einbrechen ließ.
Bleibt die Bank of Japan bei einem moderaten Schritt und vager Kommunikation, wie von Beobachtern erwartet, dürfte ein ähnlich abrupter Ausverkauf zwar unwahrscheinlich sein. Jede Signalwirkung in Richtung schnellerer künftiger Erhöhungen könnte jedoch erneut Nervosität auslösen und Kapital aus carry-trade-finanzierten Positionen abziehen, mit möglichen Folgen für Aktien- und Anleihemärkte auch außerhalb Japans.
Le Saux ordnete die japanische Notenbankpolitik zugleich in einen positiveren Rahmen ein: Der japanische Aktienmarkt habe zuletzt drei Jahre mit Zuwächsen von über 20 Prozent verzeichnet, getragen von zweistelligem Gewinnwachstum und Investitionen in künstliche Intelligenz.
Die geldpolitische Normalisierung sei Teil eines strukturellen Regimewechsels, von dem unter anderem Banken profitierten, während der Markt insgesamt breiter aufgestellt sei als die Vereinigten Staaten.
Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Die ARIVA.DE AG ist nicht verantwortlich für Inhalte, die erkennbar von Dritten in den „News“-Bereich dieser Webseite eingestellt worden sind, und macht sich diese nicht zu Eigen. Diese Inhalte sind insbesondere durch eine entsprechende „von“-Kennzeichnung unterhalb der Artikelüberschrift und/oder durch den Link „Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.“ erkennbar; verantwortlich für diese Inhalte ist allein der genannte Dritte.